Wirtschaft

Hat sich Trump zu früh gefreut? US-Arbeitslosenquote höher als gedacht

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"Wirklich großartiger Arbeitsmarktbericht", twitterte US-Präsident Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Frische Arbeitsmarktdaten in den USA sorgten für eine Überraschung. Denn trotz der Corona-Krise ging die Arbeitslosenquote der Statistik zufolge zurück. Nun stellt sich heraus: Im Zahlenwerk gibt es einen dicken Fehler.

Als die US-Arbeitslosenquote für Mai am vergangenen Freitag veröffentlicht wurde, rieben sich viele Interessierte die Augen. Denn trotz der Corona-Krise war sie dem Arbeitsministerium zufolge viel besser als allgemein erwartet. US-Präsident Donald Trump reagierte erfreut auf die neuen Zahlen. "Wirklich großartiger Arbeitsmarktbericht", twittere er, lobte sich selbst als "großartig" und fügte hinzu: "Scherz, aber wahr". Doch so ganz stimmt das nicht.

Denn am Ende ihres Berichts wies die zuständige Behörde für Arbeitsmarktstatistik (BLS) darauf hin, dass es bei der Erhebung einen erheblichen Fehler gegeben habe. Das heißt: In Wirklichkeit ist die Arbeitslosenquote in den USA höher als in der Statistik aufgeführt - und zwar um drei Prozentpunkte.

Damit lag die Arbeitslosenquote im Mai nicht bei 13,3 Prozent, sondern bei 16,3 Prozent. Das ist sehr hoch, allerdings zugleich noch immer eine deutliche Verbesserung zum April. Das liegt daran, dass die Quote für diesen Monat ebenfalls um drei Prozentpunkte auf 19,7 Prozent nach oben korrigiert werden muss.

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Der Hintergrund: Der BLS zufolge hat es in den drei vergangenen drei Monaten einen Fehler bei der Erhebung der Daten gegeben. Die Statistiker setzen auf Daten, die die Behörde "US Census Bureau" erhebt. Deren Mitarbeiter rufen dafür rund 70.000 Haushalte im Monat an. Und wie viele Unternehmen und andere Behörden musste auch das "Census Bureau" seine Arbeitsabläufe wegen der Pandemie ändern - und deshalb ist bei einigen Befragungen offenbar ein Fehler unterlaufen. Einige Amerikaner wurden während des Lockdowns fälschlicherweise als "beschäftigt, aber abwesend vom Arbeitsplatz" klassifiziert und nicht als "zeitweise arbeitslos".

Im November wird gewählt

Für Trump ist das keine gute Nachricht. Denn trotz des Rückgangs ist die Arbeitslosenquote in den USA weiter außerordentlich hoch - und das vor dem Hintergrund, dass der US-Präsident im November wiedergewählt werden möchte. Am Freitag kritisierte er deshalb die pessimistischen Prognosen von Ökonomen, die sich als "die wohl falschesten in der gesamten US-Geschichte" erwiesen hätten. Im Schnitt hatten sie mit einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent gerechnet - und lagen nun zumindest nicht ganz so daneben wie es zunächst schien.

Donald Trump setzt auf eine Konjunkturerholung, um die Wahlen gegen seinen Herausforderer Joe Biden zu gewinnen. Denn seine Beliebtheitswerte sind äußerst niedrig. Trump hatte seinen Wählern einst versprochen, der größte Jobproduzent zu werden, "den Gott je geschaffen hat".

Die bis zur Corona-Krise gut laufende Konjunktur machte er zu einem zentralen Argument für seine Wiederwahl. Nun muss er fürchten, dass sich Wähler von ihm abwenden, die während einer guten wirtschaftlichen Lage bisher über Trumps aggressive Wortwahl und konfrontative Politik hinweggesehen hatten.

Vor diesem Hintergrund hatte Trump nach Veröffentlichung der Arbeitslosenquote gesagt, der bei seiner Festnahme getötete Afroamerikaner George Floyd hätte sich nun gefreut. "Hoffentlich schaut George genau jetzt herab und sagt: 'Unserem Land passiert eine großartige Sache'", so Trump. "Das ist ein großartiger Tag für ihn, das ist ein großartiger Tag für alle."

Das Weiße Haus wies Kritik an dieser Verknüpfung zurück und sprach von einer "falschen" Interpretation. Es sei eindeutig gewesen, dass sich Trump auf den "Kampf für Gleichberechtigung und Gleichbehandlung" bezogen habe.

Quelle: ntv.de, mit rts/AFP