Wirtschaft

Bilanzen, Fed und China im Blick US-Börsen beenden Rekordjagd vorerst

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Erst nach Handelsende legten die Technologieriesen Alphabet, AMD, Apple und Microsoft ihre Zahlenausweise vor.

(Foto: AP)

Auf die jüngsten Rekordstände folgen an der Wall Street Gewinnmitnahmen. Anleger scheuen in Erwartung der Quartalszahlen aus dem Tech-Sektor das Risiko - und auch die anstehende Fed-Entscheidung der US-Notenbank sorgt für Verunsicherung.

In Erwartung von Geschäftszahlen von Apple, Microsoft und der Google-Mutter Alphabet fassen Anleger US-Aktien nur mit spitzen Fingern an. Außerdem schlug ihnen die harte Gangart der Regierung in Peking gegenüber chinesischen Firmen mit Börsennotierungen im Ausland erneut auf die Stimmung. Der Dow-Jones-Index schloss 0,2 Prozent tiefer bei 35.059 Punkte, der S&P-500 gab um 0,5 Prozent (4401 Punkte) nach. Der technologielastige Nasdaq-Composite verlor 1,2 Prozent (14.660 Punkte).

Nasdaq Composite
Nasdaq Composite 14.713,90

Viele Profi-Investoren seien besorgt, weil in der bisherigen Bilanzsaison viele Unternehmen recht gute Zahlen vorgelegt, aber die Prognosen für die zweite Jahreshälfte nicht angehoben hätten, sagte Kim Forrest, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Bokeh. Daneben hielten Beratungen der US-Notenbank (Fed) Investoren von der Wall Street fern. Die Ergebnisse gibt die Fed am Mittwoch bekannt. "Es ist davon auszugehen, dass die Notenbank weiter auf Zeit spielen und die Wirtschaftsdaten der nächsten Monate abwarten wird, bevor sie sich zu irgendwelchen Tapering-Schritten verpflichtet", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Mit Tapering bezeichnen Experten die Drosselung von Wertpapierkäufen. Vor diesem Hintergrund fielen die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf 1,23 Prozent.

Nervös mache Investoren daneben die Verschärfung des Regulierungsdrucks durch die Regierung in Peking, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus Activtrades. "Sie fragen sich: Wer wird das nächste Ziel sein?" Die Verunsicherung überschatte die insgesamt bislang besser als erwartet ausgefallene Bilanzsaison. Dies spiegelte sich im Volatilitätsindex und Vix wider, der die Nervosität der Anleger misst. Er stieg in der Spitze um 16 Prozent. Unterdessen gingen die Aktien des Online-Händlers Alibaba, des Suchmaschinen-Betreibers Baidu und des Uber-Rivalen Didi erneut in die Knie und verloren bis zu drei Prozent.

Tesla Motors (USD)
Tesla Motors (USD) 730,17

Der Nasdaq Golden Dragon Index, in dem die US-Papiere chinesischer Firmen notiert sind, fiel auf 10.672,37 Punkten. Gleiches galt für den börsennotierten Fonds (ETF) iShares China Large-Cap, dessen Kurs um 5,8 Prozent fiel. Einige Schnäppchenjäger würden sicher bald die Gelegenheit ergreifen und bei chinesischen Werten wieder einsteigen, sagte Nigel Green, Gründer und Chef des Anlageberaters deVere. "Sie haben da einen Punkt - diese Aktien erscheinen billig." Allerdings sei Vorsicht geboten, da die Lage unübersichtlich bleibe. Weitere Regulierungsschritte oder nur deren Andeutung könnten neue Verkaufswellen auslösen.

Nach anfänglichen Kursgewinnen gerieten auch Tesla-Titel unter Verkaufsdruck und verloren zwei Prozent. Das Quartalsergebnis des Elektroautobauers habe die Erwartungen übertroffen, kommentierte Analyst Craig Irwin von der Investmentbank Roth. Positiv überrascht habe vor allem die Gewinnmarge. Dies könne sich im laufenden Quartal wegen steigender Rohstoffpreise und eines verschärften Wettbewerbsdrucks aber ändern.

Auch UPS konnte ein Quartalsergebnis über Markterwartungen nicht in ein Kursplus ummünzen. Grund hierfür sei das enttäuschende Wachstum des US-Paketdienstes im Heimatmarkt, kommentierte Analystin Helane Becker vom Vermögensverwalter Cowen. "Investoren sehen das wohl als Indiz für eine Abschwächung des Pandemie-getriebenen Nachfrage-Trends." UPS-Aktien fielen um bis zu 7,0 Prozent, so stark wie zuletzt vor sechseinhalb Jahren. Die Titel des Rivalen Fedex gaben fünf Prozent nach.

Quelle: ntv.de, mba/rts

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