Wirtschaft

Trump wollte es eindämmen US-Handelsdefizit schwillt weiter an

116331671.jpg

Immerhin: Das Defizit mit China ist gemäß Trumps Wünschen geringer geworden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es ist eines der Lieblingsthemen des US-Präsidenten: das Defizit der Handelsbilanz. Trump trat sein Amt mit dem Versprechen an, dieses abzubauen. Doch nun ist es so groß wie seit 2008 nicht mehr.

Das Handelsdefizit der USA hat im August den höchsten Stand seit mehr als zwölf Jahren erreicht. Die Importe stiegen im Vormonatsvergleich um 3,2 Prozent auf 239 Milliarden Dollar (203 Milliarden Euro), die Exporte kletterten um 2,2 Prozent auf 171,9 Milliarden Dollar, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Damit stieg das Defizit im August um fast sechs Prozent auf 67,1 Milliarden Dollar. Das Handelsdefizit hatte im Juli schon um 19 Prozent im Vormonatsvergleich zugenommen. Das Defizit im August ist laut Oxford Economics aber das größte seit 2008 und das drittgrößte seit Beginn der Messungen.

Das seit Jahrzehnten bestehende US-Handelsdefizit ist Präsident Donald Trump ein Dorn im Auge. Es war eines seiner wichtigsten Wahlkampfthemen vor vier Jahren. Insbesondere China und Deutschland griff er dabei an. "Sie gewinnen gegen uns", meinte er. Er profilierte sich auch als Gegner von Freihandelsabkommen und kassierte etwa direkt nach seinem Amtsantritt das geplante Transpazifische Freihandelsabkommen TPP, das die Vorgängerregierung unter Präsident Barack Obama ausgehandelt hatte. Außerdem erließ er zahlreiche Zölle, beispielsweise gegen chinesische Waren.

Immerhin: Das Defizit im Handel mit China verringerte sich nun - vor allem wegen gestiegener Exporte aus den USA in die Volksrepublik. Im Handel mit Deutschland und Japan dagegen nahm das Defizit zu. Für die hiesigen Unternehmen bilden die Vereinigten Staaten den wichtigsten Absatzmarkt außerhalb Europas - 8,7 Prozent der Exporte gehen dorthin.

Mehr Soja exportiert

Die USA führen vor allem Konsumgüter, Vorleistungsgüter für die Pharmabranche und Autos aus dem Ausland ein. Ausgeführt wurden im August vor allem Industriemaschinen und landwirtschaftliche Produkte - allein der Verkauf von Soja ins Ausland stieg im Vergleich zum Juli um eine Milliarde Dollar. Im Vorjahresvergleich lagen die Ausfuhren wegen der Corona-Krise aber 17,6 Prozent niedriger, die Einfuhren lagen 13,1 Prozent unter dem Wert von August 2019.

Die Trump-Administration hatte im Januar nach einem fast zweijährigen Handelsstreit mit China ein Abkommen erreicht, in dem sich Peking zu deutlich mehr Importen aus den USA verpflichtet. Allerdings wurden die Effekte dieses Abkommens durch die Coronavirus-Pandemie ausradiert. Der "Phase 1" genannte Vertrag spart zudem manche strittige Themen aus, über die zwischen Washington und China weiter Uneinigkeit herrscht.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP