Politik

Soja-Ernte sucht Käufer Trumps Handelskrieg lässt Farmer leiden

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Soja, so weit das Auge reicht: Farmer Kevin Scott wartet auf den Tag, an dem er mit der Ernte beginnen kann.

(Foto: Volker Petersen)

Farmer wie Kevin Scott bauen im Mittleren Westen der USA Soja an. Doch durch Trumps Handelskrieg mit China brechen Einnahmen weg. Noch steht Scott hinter dem Präsidenten. Er sieht sogar etwas Positives.

Im Herzen der USA, im Mittleren Westen, erstrecken sich die Mais- und Sojafelder bis zum Horizont. Auch in South Dakota, wo sich auf einer Fläche der zweifachen Größe Ostdeutschlands knapp 900.000 Menschen verlieren. Im Südwesten des Bundesstaates bewirtschaftet Kevin Scott seit 38 Jahren mehrere Tausend Hektar Land. An einem Nachmittag im späten Oktober steht er am Rande einer seiner Soja-Äcker, streicht über die trockenen Halme und reißt eine der dürren Pflanzen aus der Erde. Er pult ein paar der kleinen gelben Sojakügelchen aus einer Ähre, steckt eine in den Mund und spuckt sie kurz darauf wieder aus. "Noch zu feucht", sagt der 58-Jährige. Die Ernte muss noch warten.

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Jede dritte Sojabohne aus den USA ging vor dem Handelskrieg nach China.

(Foto: Volker Petersen)

Doch selbst wenn die riesigen Mähdrescher in den kommenden Wochen hinaus auf die Felder rollen - auf einem großen Teil des Ertrags wird Scott wohl sitzen bleiben. Der Grund dafür befindet sich weit hinter dem endlos erscheinenden Himmel South Dakotas, in Washington. Vom Weißen Haus aus führt Präsident Donald Trump seit rund drei Jahren einen Handelskrieg gegen China. Er belegte chinesischen Stahl, Aluminium und andere Produkte mit Zöllen. Peking schlug mit Einfuhrgebühren auf Soja zurück. Und traf damit die Farmer. Das schmerzt diese besonders, weil viele von ihnen für Trump gestimmt haben.

"Der Präsident nennt uns Patrioten, weil wir den Kopf für unser Land hinhalten", sagt Scott und lächelt ein wenig süffisant. Scott ist nicht nur selbst betroffen, sondern vertritt auch als Vorstand des Lobbyverbands American Soybean Association seine Kollegen. Manche seien nun sauer wegen der Einbußen und sorgten sich. Trump versuchte immerhin, den Einnahmenausfall der Farmer mit Hilfszahlungen abzufedern. "Das hilft uns", sagt Scott. "Aber es gleicht die Verluste nicht aus." Dass die chinesischen Zölle ein schwerer Schlag fürs Sojageschäft sind, zeigt sich in einer Statistik des US-Landwirtschaftsministeriums. 2018 stagnierte die Erntemenge US-weit erstmals nach einem jahrelangen Anstieg. Der Wert der Sojaproduktion sank dabei von gut 41 Milliarden auf 39 Milliarden Dollar

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Am 11. Oktober einigte sich die Trump-Administration immerhin mit den Chinesen auf einen ersten Deal - demnach verpflichten sich diese, auch mehr US-Agrarprodukte zu kaufen. Doch unterschrieben ist noch nichts und Details sind unklar. Die American Soybean Association reagierte daher in einem ersten Statement zurückhaltend. "Wir müssen abwarten, was passiert. Jetzt schadet uns der Handelskrieg zwar, aber auf lange Sicht könnte er auch positiv sein", sagt Scott. China habe sich oft nicht an Vereinbarungen gehalten. Es habe etwas passieren müssen.

Obamas Lösung hieß TPP

Da sei zum Beispiel die Sache mit dem Saatgut. Einst hätten die US-Farmer dies den Chinesen für ein Jahr zu Testzwecken überlassen. Jetzt wollten die Chinesen es für zwei Jahre behalten und könnten dadurch so viel Samen in den Pflanzen heranziehen, dass sie selbst Felder anlegen können. "Es geht darum, faire Regeln zu haben", sagt Scott. Für ihn und all die anderen Sojafarmer ist das eine entscheidende Frage. Denn 60 Prozent der Soja-Ernte geht in den Export und davon wiederum die Hälfte nach China. "Man kann sagen, dass jede dritte Sojapflanze hier nach China exportiert wird", sagt Scott.

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Kevin Scott und sein Sohn Jordan bewirtschaften mehrere Farmen im Südwesten von South Dakota.

(Foto: Volker Petersen)

Auch Trumps Vorgänger Barack Obama sah das Problem. Deswegen trieb er das transpazifische Freihandelsabkommen TPP voran, das mehrere ostasiatische Staaten enger an die USA gebunden und China ausgegrenzt hätte. Es sollte die teilnehmenden Länder gegen das übermächtige Reich der Mitte stärken. Doch Trump kassierte den Vertrag unmittelbar nach seinem Amtsantritt. Er hatte im Wahlkampf stets gegen Freihandel gepoltert und beklagt, dass die Amerikaner nur ausgenutzt würden. Er favorisierte bilaterale Abkommen. "TPP haben wir unterstützt", sagt Scott. "Jetzt haben wir ja immerhin ein Freihandelsabkommen mit Japan." Das sei der wichtigste Partner bei TPP gewesen.

Eine Folge des Handelskrieges ist es, dass die Chinesen sich anderen Lieferanten zuwenden - etwa in Brasilien. "Es ist besorgniserregend, wie viel China in Brasilien in Infrastruktur investiert", räumt Scott ein. "Andererseits sind die Erntezyklen auf der Südhalbkugel der Erde umgekehrt zu uns", so Scott. Das führe dazu, das die Sojabohnen aus den USA und Brasilien nicht direkt miteinander konkurrieren. Der Markt wachse überdies seit Jahren. "Weder wir noch Brasilien könnten den Weltmarkt alleine bedienen."

Trump braucht jede Stimme

Für Trump ist die Lage heikel. Im kommenden Jahr möchte er wiedergewählt werden. Seine Handelskonflikte, allen voran mit China, aber auch mit der EU, lasten auf der US-Wirtschaft. Die steht zwar gut dar, doch eine merkliche Abkühlung droht dennoch. Tritt diese ein, könnte sie wahlentscheidend werden. Für die Soja-Farmer tickt die Uhr - Farmer wie Scott möchten nicht dauerhaft am Tropf der Subventionen hängen. Je länger der Konflikt dauert, desto schwieriger wird es für sie. Und Ausgleichszahlungen aus Washington sehen sie nur als Übergangslösung. "Eigentlich lehnen wir staatliche Hilfen aus Prinzip ab. Wir möchten einfach unser Produkt auf einem offenen Weltmarkt verkaufen", sagt Scott.

Er glaubt nicht, dass die Stimmen der Landwirte eine große Rolle bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr spielen werden. Schließlich seien nur zwei Prozent der Amerikaner Farmer. Er schätzt nach wie vor an Trump, dass dieser sage, was er denkt. "Die Leute verstehen, was er sagt." Scott zählt die Dinge auf, die schon 2016 als Trumps Stärken gesehen wurden. "Er ist nicht käuflich", sagt Scott und spielt damit auf den in Washington grassierenden Lobbyismus an, den auch linke Politiker wie Elizabeth Warren und Bernie Sanders kritisieren. Syrien, die Kurden und der IS, ein möglicher Verfassungsbruch des Präsidenten - all diese Themen wirken in der Einsamkeit South Dakotas unendlich weit weg.

Scott rechnet damit, dass es schon bald einen Deal zumindest für die Landwirtschaft geben könnte und sich die Lage entspannt. "In China grassierte in den vergangenen Jahren die Afrikanische Schweinepest", sagt er. Daher hätten sie gar nicht so viel Soja kaufen müssen, das häufig als Futtermittel eingesetzt wird. "Mittlerweile haben sie aber auf Geflügel umgestellt. Und dann werden sie wieder mehr Soja brauchen."

Quelle: ntv.de