Wirtschaft

Sparte wird verkauft Uber trennt sich vom autonomen Fahren

ac3f5156e4835646a6436f8e4b11a4ca.jpg

Das Startup Aurora wird Ubers Roboterwagen-Programm weiterführen.

(Foto: dpa)

Selbstfahrende Autos sollen Uber irgendwann Kosten sparen. Doch die Entwicklung läuft alles andere als reibungslos, am Ende wird die Sparte dem angeschlagenen Konzern zu teuer. Jetzt wird sie das Startup Aurora übernehmen.

Der Fahrdienst-Vermittler Uber gibt die kostspielige Entwicklung eigener Technologie für selbstfahrende Autos auf. Die entsprechende Abteilung wird vom Roboterwagen-Startup Aurora übernommen, wie die Unternehmen mitteilten. Uber investiert zudem 400 Millionen Dollar in Aurora, das als strategischer Partner Zugang zur Uber-Plattform bekommen soll. Die Entwicklung eigener Technologie zum autonomen Fahren hat Uber in den vergangenen Jahren Hunderte Millionen Dollar gekostet. Das Projekt war vom Mitgründer und langjährigen Chef Travis Kalanick forciert worden. Er sah darin die Möglichkeit, Kosten zu sparen, wenn Computer Menschen ersetzen.

Uber
Uber 40,31

Die Fahrer seien der größte Kostenpunkt, bekannte Kalanick einst etwas zu freimütig bei einem Auftritt - was ihn bei den Männern und Frauen am Steuer der Uber-Autos nicht populärer machte. Er war allerdings überzeugt, dass in Zukunft der Wettbewerb zwischen Robotaxi-Diensten laufen würde und Uber nur mit hauseigener Technologie sein Schicksal in der Hand behalten kann. Kalanick holte dafür als Projektleiter Anthony Levandowski an Bord, einen prominenten Entwickler aus dem Roboterwagen-Programm von Google. Der Internet-Riese verklagte Uber daraufhin mit dem Vorwurf, Levandowski habe in großem Stil vertrauliche Informationen mitgehen lassen. In dem langen Rechtsstreit wurde Levandowski gefeuert und Uber musste sich verpflichten, keine Google-Technik zu nutzen.

Auf das Konto von Ubers Programm geht auch der bisher einzige bekannte tödliche Unfall mit einem Roboterwagen. Im März 2018 erfasste eines der Uber-Fahrzeuge bei einer nächtlichen Testfahrt in Tempe im US-Bundesstaat Arizona eine Frau, die die mehrspurige Fahrbahn überquerte und dabei ein Fahrrad neben sich schob. Laut Unfallermittlern konnte die Uber-Software zunächst nicht einordnen, was sie vor sich sah und reagierte spät. Zudem schaute die Sicherheitsfahrerin am Steuer auf ihr Smartphone und Uber hatte den Bremsassistenten des umgebauten Serienfahrzeugs deaktiviert.

Marktbereinigung wird erwartet

Der seit August 2017 amtierende Uber-Chef Dara Khosrowshahi ergriff bereits diverse Sparmaßnahmen, die Roboterwagen-Entwicklung verschonte er bisher. Die Corona-Pandemie brachte jedoch Quartal für Quartal neue Belastungen. Im vergangenen Quartal gab es einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar, der Umsatz fiel um 18 Prozent. Bereits im November hatte der Technologieblog "Techcrunch" von Gesprächen zwischen Uber und Aurora berichtet.

Aktuell arbeiten Autokonzerne, Branchenzulieferer, zahlreiche Startups sowie Technologie-Schwergewichte wie die Google-Mutter Alphabet und Apple an Technologie zum autonomen Fahren. In der Branche wird mit Kooperation und einer Bereinigung des Marktes gerechnet. Schon vor dem Ausstieg von Uber gab es Schritte in diese Richtung wie die Übernahme des Startups Zoox durch Amazon. Die Google-Schwesterfirma Waymo gilt als besonders weit bei der Entwicklung von Technologie zum autonomen Fahren. Neben dem Aufbau eines eigenen Robotaxi-Dienstes will Waymo auch Autobauer wie etwa Fiat Chrysler mit Technik zum autonomen Fahren versorgen.

Aurora wurde von einer Art Dream-Team der Branche gegründet: Chris Urmson war Chefentwickler bei Googles Roboterwagen-Projekt, Sterling Anderson verantwortete das "Autopilot"-Fahrassistenzsystem bei Tesla. In das Startup investierte unter anderem Amazon. Zum Konzept von Urmson und Anderson gehört, mit relativ wenig Fahrzeugen auszukommen, während Uber eine große Testwagen-Flotte aufbaute. Nachdem es Aurora nicht gelang, Volkswagen und Fiat Chrysler als Partner zu gewinnen, setzte die Firma zuletzt stärker auf Technik für selbstfahrende Lastwagen.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.