Wirtschaft

"Keine Ausweitung der Streiks" Ufo nimmt Angebot der Lufthansa an

Die Lufthansa erkennt die Vertreter der Flugbegleitergewerkschaft Ufo im Tarifstreit lange nicht an. Doch bereits am ersten Tag des bundesweiten Streiks bietet die Airline eine Schlichtung an - und die Ufo akzeptiert. "Erst einmal" würden die Streiks nicht ausgeweitet.

Im Tarifkonflikt mit der Lufthansa hat die Flugbegleitergewerkschaft Ufo einer Schlichtung mit dem Unternehmen zugestimmt. Ufo "akzeptiert das Verhandlungsangebot", erklärte die Gewerkschaft auf ihrer Internetseite. Demnach ist "erst einmal keine Ausweitung der Streiks" geplant. In der Nacht hatte ein 48-stündiger Streik der Flugbegleiter bei der Lufthansa begonnen, 180.000 Passagiere sind von Flugausfällen betroffen. Deutschlands größte Fluggesellschaft war vor diesem Hintergrund auf die Gewerkschaftsseite zugegangen.

Nach einer monatelangen Gesprächspause hatte Vorstandschef Carsten Spohr heute ausdrücklich erklärt, dass man wieder das Gespräch mit der Kabinengewerkschaft Ufo suche. Der Konzern hatte Gespräche mit dem Argument abgelehnt, dass der Ufo-Vorstand nicht vertretungsberechtigt sei.

Vorangegangen war am Vorabend ein Gespräch mit den konkurrierenden Gewerkschaften Verdi und der neuen "Cabin Union", an dem die Gewerkschaft Ufo aber nicht teilgenommen hatte. Lufthansa will mit allen drei Gruppen sprechen, die letztlich darum kämpfen, wer für die rund 21.000 Flugbegleiter der Kerngesellschaft Lufthansa Tarifverträge abschließen kann.

Der von Ufo ausgerufene Streik hat bereits am ersten Streiktag zu zahlreichen Flugausfällen geführt. Der bis Freitag geplante 48-stündige Ausstand begann um Mitternacht, wie ein Sprecher der Gewerkschaft Ufo bestätigte. Rund 1300 Flüge wurden abgesagt. Der Konzern strich bei seiner Hauptmarke Lufthansa rund 700 der weltweit 1100 geplanten Flüge, sodass an den Drehkreuzen München und Frankfurt am Main viele Maschinen am Boden bleiben und auch ein Großteil der Überseeflüge ausfallen muss. An Flughäfen im In- und Ausland wurden Verbindungen nach Frankfurt und München abgesagt.

Ufo will höhere Spesen und auch in Zukunft Tarifverträge abschließen dürfen

Zusammen mit 600 geplanten Stornierungen am Freitag sind der Airline zufolge rund 180.000 Passagiere betroffen. Den Kunden wurden Umbuchungen auf andere Gesellschaften und Tage sowie im innerdeutschen Verkehr auf die Bahn angeboten. Dort war am Morgen sowohl in Hessen als auch bundesweit die Verkehrslage normal, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Auch in den Terminals der Flughäfen Frankfurt und München blieb es ruhig. Es habe keine langen Warteschlangen an den Schaltern gegeben, berichteten Sprecher. "Wir gehen davon aus, dass sich die Passagiere im Vorhinein informiert haben", sagte eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport.

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo fordert für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen, sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Für die vier anderen Flugbetriebe wurden jeweils separate Forderungen aufgestellt und Urabstimmungen abgehalten. In dem gesamten Konflikt geht es aber hauptsächlich um die vom Konzern aufgeworfene Frage, ob Ufo überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann.

Die Lufthansa war gestern in zwei Gerichtsinstanzen mit dem Versuch gescheitert, den Streik noch mit juristischen Mitteln zu stoppen. Sowohl das Arbeitsgericht Frankfurt als auch das hessische Landesarbeitsgericht lehnten eine Einstweilige Verfügung gegen den Ufo-Streik ab.

Nach Einschätzung der Richter sind die Tarifverträge korrekt gekündigt worden, der Streikbeschluss sei gültig. Angriffe der Lufthansa-Anwälte gegen die kurzfristig geänderte Arbeitskampfordnung der Gewerkschaft lehnten sie ebenfalls ab. Hier handele es sich um interne Regelungen der Ufo ohne Außenwirkung. Die Lufthansa konnte den genauen Schaden durch den Ausstand der Flugbegleiter vorerst nicht beziffern. Es dürften aber Kosten in Höhe von zehn bis 20 Millionen Euro pro Tag sein, hieß es im Unternehmen.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa/AFP

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