Wirtschaft

Unsicherheit durch KriegeIWF senkt Wachstumsprognose für Deutschland - Inflation steigt weltweit

14.04.2026, 16:08 Uhr
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Containerschiffe-liegen-am-Hamburger-Burchardtkai
Containerschiffe liegen am Hamburger Burchardkai. (Foto: picture alliance/dpa)

Im letzten Jahr belastet die US-Zollpolitik die Wirtschaftsprognosen, jetzt sind es die Kriege im Nahen Osten. Der IWF zieht aus der Weltlage seine Konsequenzen: Der Wachstumsausblick für Deutschland und die Eurozone wird abgesenkt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit einem etwas schwächeren Wachstum der Weltwirtschaft als bislang. "Erneut droht die Weltwirtschaft aus der Bahn zu geraten", heißt es anlässlich des neuesten Ausblicks der Organisation. Waren es vergangenes Jahr noch "höhere Handelsbarrieren und verstärkte Unsicherheit" - das dürfte eine mildernde Umschreibung für die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump sein - belasten jetzt das eingebrochene Angebot von Rohstoffen infolge der blockierten Straße von Hormus und die Unsicherheit durch den Krieg.

Bei vielen Nationen korrigierte der IWF seine Prognosen nach unten - die Annahmen seien allerdings nur dann gültig, sofern der Krieg in Dauer, Intensität und Umfang begrenzt bleibe und die wirtschaftlichen Störungen bis Mitte 2026 abklingen würden.

Für Deutschland bedeutete dies nur ein Vierteljahr nach der jüngsten Anhebung wieder eine Korrektur nach unten: 2026 dürfte die deutsche Wirtschaft nun um 0,8 Prozent wachsen - noch im Januar hatten die Konjunkturexperten ihre Erwartungen auf 1,1 Prozent nach oben gehievt. Für 2027 wird inzwischen ein Wachstum von 1,2 Prozent statt 1,5 Prozent erwartet.

Bund reagiert mit vorübergehenden Steuersenkungen

Auch die Bundesregierung dürfte nachziehen und zeitnah ihre Erwartungen herunterschrauben: Bisher erwartet Berlin in diesem Jahr ein Wachstum von 1,0 Prozent. Die Frühjahresprojektion bildet die Grundlage für die Steuerschätzung.

Führende Forschungsinstitute hatten bereits ihre Prognose für das Bruttoinlandsprodukt 2026 auf 0,6 Prozent korrigiert. Der "Energiepreisschock" im Zuge des Iran-Kriegs treffe die Erholung der deutschen Wirtschaft hart, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Denn die Blockade der Meerenge Straße von Hormus und das dadurch fehlende Angebot an Rohstoffen führen weltweit zu einem dramatischen Anstieg von Öl- und Gaspreisen - das macht sich auch an den Tankstellen bemerkbar.

Die schwarz-rote Koalition reagierte mit vorübergehenden Steuersenkungen für Autofahrer: Die Steuern auf Diesel und Benzin sollen um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter gesenkt werden, begrenzt auf zwei Monate, wie die Spitzen von CDU, CSU und SPD mitteilten. Beschäftigte sollen zudem eine steuerfreie 1.000-Euro-Prämie von ihren Arbeitgebern bekommen können.

Ein Liter des günstigsten gängigen Benzins Super E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags 2,100 Euro, ein Liter Diesel 2,293 Euro. Die teureren Energiepreise und die höhere Inflation dürften derweil auch die Entwicklung 2027 bremsen: Der IWF erwartet mittlerweile in Deutschland ein Plus von 1,2 Prozent - 0,3 Prozentpunkte weniger als bislang.

IWF: Inflation könnte steigen

Für die Weltwirtschaft erwartet die Organisation in diesem Jahr ein Wachstum von 3,1 Prozent (Januar: 3,3 Prozent). 2027 soll sie weiterhin um 3,2 Prozent zulegen. Damit würde sich die Welt langsamer entwickeln als in den Jahren zuvor.

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa warnte bereits: "Selbst im besten Fall wird es keine saubere und reibungslose Rückkehr zur Vorkriegssituation geben." Das Wachstum werde langsamer ausfallen - "selbst wenn der neue Frieden von Dauer ist". So dürfte sich das Konjunkturwachstum mittelfristig auf dem neuen Niveau einpendeln und damit deutlich unter dem Durchschnitt von 3,7 Prozent zwischen 2000 und 2019 liegen.

Die IWF-Chefin verwies zudem auf kurzfristige Risiken für ein Hochschnellen der Inflation infolge des Krieges. Die Erwartungen für die Teuerungsrate in den USA und in der Eurozone seien bereits deutlich gestiegen. "Glücklicherweise haben sich die längerfristigen Erwartungen nicht verändert - das ist sehr gut und sehr wichtig", sagte Georgiewa. 2026 dürfte die Gesamtinflation weltweit bei 4,4 Prozent liegen und im kommenden Jahr auf 3,7 Prozent abschmelzen. Damit würden die Werte deutlich über dem Zielwert von 2,0 Prozent liegen, den viele Zentralbanken auf dem Zettel haben.

Zentralbanken wie die Federal Reserve oder die EZB sieht Georgiewa bislang nicht in Zugzwang. "Derzeit ist es sinnvoll, abzuwarten und die Lage zu beobachten", hieß es weiter. Zentralbanken haben unter anderem im Fokus, die Inflation stabil zu halten. Steigt diese, können die Banken mit Zinserhöhungen diese bremsen - das allerdings kann die Wirtschaftsleistung abwürgen.

Für die Eurozone rechnet der IWF in diesem Jahr nunmehr mit einem Plus von 1,1 Prozent (Januar: 1,3 Prozent). Für 2027 erwartet die Organisation ein Konjunkturplus von 1,2 Prozent statt bislang 1,4 Prozent.

Auch für die USA als eine der unmittelbar involvierten Kriegsparteien im Konflikt mit dem Iran wird der IWF leicht vorsichtiger: Die Wirtschaft in dem Land dürfte 2026 nun um 2,3 Prozent wachsen (Januar: 2,4 Prozent). Kommendes Jahr rechnen die Experten dagegen mit einem Plus von 2,1 Prozent und damit etwas mehr als bislang (2,0 Prozent).

Quelle: ntv.de, lme/dpa

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