Wirtschaft

Neuer Eigentümer gesucht Unternehmer meldet Interesse an Condor an

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Zeigt sich bereit, bei der Fluggesellschaft Condor einzusteigen: Investor Hans Rudolf Wöhrl.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit staatlicher Millionenhilfe ist Ferienflieger Condor vorerst gerettet. Der Flugbetrieb wird fortgeführt. Während sich das Unternehmen von der insolventen Mutter Thomas Cook löst, machen sich potenzielle Eigentümer zum Kauf bereit - darunter ein bekannter Investor.

Bei der Suche nach einem neuen Eigentümer für den Ferienflieger Condor hat sich ein bekannter Unternehmer ins Spiel gebracht. Der Nürnberger Investor Hans Rudolf Wöhrl kann sich nach eigenen Angaben vorstellen, bei der von der Thomas-Cook-Pleite betroffenen Fluggesellschaft einzusteigen. "Condor braucht schnell einen neuen Eigentümer, der die Firma selbstständig weiterführt", sagte Wöhrl. Das Vertrauen der Kunden müsse wiedergewonnen werden.

"Wir sind in den letzten zwei Tagen bereits in Gesprächen mit solventen interessierten Parteien", sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup zu der Eigentümersuche. Jetzt gehe es darum, ob und mit wem man in intensivere Verhandlungen einsteige, sagte Teckentrup am Dienstagabend. "Bei einem solchen gesunden Unternehmen würde es mich wundern, wenn es nicht eine Reihe von Interessenten gäbe." Nach seiner Darstellung beginnen die Gespräche nicht bei Null. Schließlich habe Thomas Cook seine Airlines bereits im Februar zum Verkauf gestellt. "Wir hatten in der Zeit schon intensive Kontakte."

Wöhrl bot schon für Air Berlin

Unternehmer Wöhrl lobte Condor als ein grundsätzlich gesundes Unternehmen. Es sei schon deshalb wohl nicht in einem Ein-Euro-Deal zu haben, sagte Wöhrl. "Daher würden wir den Kaufpreis mit anderen Investoren (gemeinsam) aufbringen." Der Unternehmer, der sich in der Vergangenheit mehrfach im Airline-Geschäft engagierte, hatte zuletzt im Poker um die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin den Kürzeren gezogen.

Wöhrl stammt aus dem gleichnamigen Modehaus, ist aber seit langer Zeit in der Hotellerie und im Luftverkehr engagiert und hatte 1974 den Nürnberger Flugdienst (NFD) gegründet, einen Vorläufer der späteren Eurowings. Über seine Unternehmensgruppe Intro war er später auch bei der Deutschen BA (später: DBA) eingestiegen.

"Ohne Condor werden Fernreisen zum Luxus"

Die Zusage von staatlichen Überbrückungskrediten für Condor bezeichnete Wöhrl als gerechtfertigt. Es gehe hier nicht darum, ein krankendes Unternehmen künstlich am Leben zu halten. Condor sei auch für den Wettbewerb wichtig, weil sonst die Langstrecke fast ausschließlich großen internationalen Fluggesellschaften überlassen werde. "Ohne Condor werden Fernreisen zum Luxus", sagte Wöhrl.

Bund und Land Hessen hatten am Dienstagabend angekündigt, der Fluggesellschaft mit einem Kredit in Höhe von insgesamt 380 Millionen Euro zur Seite zu springen - Tausende Urlauber und Beschäftigte können damit vorerst aufatmen. Mit dem angekündigten Staatskredit sind die knapp 5000 Arbeitsplätze bei Condor aus Sicht der Gewerkschaft Verdi vorerst gesichert. "Mit diesem Überbrückungskredit kann das Unternehmen in den nächsten Monaten weiterarbeiten", teilte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle mit.

Lufthansas Interesse an Condor bleibt unklar

Wöhrl richtete schwere Vorwürfe gegen die britische Condor-Muttergesellschaft Thomas Cook. "Wie eine Kolonialmacht mit ihren Kolonien umzugehen pflegt", beschrieb er den Umgang des Konzerns mit Condor. Es sei anzunehmen, dass Thomas Cook die Rückstellungen, die üblicherweise in der Luftfahrtbranche für die weniger ertragreichen Wintermonate gebildet werden, aufgebraucht habe.

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(Foto: picture alliance/dpa)

Die Lufthansa, die im Mai ein unverbindliches Gebot für Condor abgegeben hatte, wollte sich nicht dazu äußern, ob sie einen weiteren Anlauf unternimmt. Allerdings hat sie ihre Offerte offiziell nie zurückgezogen. Der weltgrößte Reisekonzern Tui hofft indes, dass das Überangebot an Flügen im Zuge der Thomas-Cook-Pleite schrumpft. "Es muss irgendwann eine Marktbereinigung stattfinden. Nach dem Ausscheiden von Air Berlin ist das nicht passiert", sagte Tui-Chef Fritz Joussen. Zu einer Übernahme des deutschen Ferienfliegers sagte er: "Wir haben kein Interesse an Condor angemeldet."

Quelle: n-tv.de, ibu/dpa

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