Wirtschaft

Mehr Autozulassungen VDA: Diesel als Ladenhüter schaden Klima

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Die deutschen Hersteller rechnen mit einer Jahresproduktion von deutlich mehr als 16 Millionen Pkw.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Pkw-Hersteller bringen im Juni deutlich mehr Fahrzeuge an die Kunden. Für die ersten sechs Monate gibt es damit ein ordentliches Plus. Allerdings meiden die Abnehmer zunehmend Dieselmotoren. Für die Branche in Sachen Klimaschutz nicht die beste Entwicklung.

In Deutschland sind im ersten Halbjahr mehr Autos zugelassen worden als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurden 2,9 Prozent mehr Fahrzeuge an die Kunden übergeben, wie das Kraftfahrtbundesamt mitteilte. Allein im Juni wurden mit 341.308 Pkw 4,2 Prozent mehr Autos zugelassen. Die Branche sieht sich trotz politischer Unsicherheiten angesichts möglicher US-Zölle und des Vertrauensverlusts durch die Dieselkrise in guter Verfassung. "Die deutschen Hersteller werden 2018 ihre weltweite Produktion um ein Prozent auf den neuen Höchststand von 16,7 Millionen Einheiten steigern", sagte der Präsident des Autoverbands VDA, Bernhard Mattes.

Nach einem starken ersten Halbjahr erwartet der VDA bei den Neuzulassungen einen Zuwachs um ein Prozent auf rund 3,5 Millionen Pkw - im vergangenen Dezember hatte er noch mit 3,4 Millionen Autos gerechnet. Der Heimatmarkt wächst damit aber nicht mehr so schnell wie in der Vergangenheit. 2017 lag das Plus dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge noch bei drei Prozent.

Bei den deutschen Marken verzeichnete Smart im ersten Halbjahr mit 17,5 Prozent den größten Zuwachs, gefolgt von Porsche (8,9 Prozent), Mini und VW (mit jeweils 8,6 Prozent). Die weiteren deutschen Marken mussten einstellige Rückgänge hinnehmen. Volkswagen zeigte sich mit einem Anteil von 19,7 Prozent in den ersten sechs Monaten insgesamt als stärkste Marke auf dem deutschen Neuzulassungsmarkt.

Nahezu zwei Drittel der Neuzulassungen des ersten Halbjahres waren Benziner, gefolgt von den Diesel-Pkw, die mit 32,1 Prozent und einem Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum etwa ein Drittel ausmachten. Mit 17.234 Elektrofahrzeugen erreichte diese Antriebsart einen Anteil von 0,9 Prozent.

VDA: Weniger Diesel - mehr CO2

Mit Blick auf das Drohszenario aus den USA, Autos aus der EU mit Zöllen zu belegen, sagte Matthes "Als Exportland sind wir auf freien Marktzugang angewiesen". Die Entwicklung beobachte der VDA deshalb "sehr aufmerksam und mit großer Sorge". Mattes geht davon aus, dass die EU in diesem Fall reagieren werde, da sie Geschlossenheit zeigen müsse.

Künftig will die Branche vor allem auf die Digitalisierung und Elektroautos setzen. Dieselmotoren sollen dem VDA zufolge aber auch künftig "Teil der Lösung" sein. Dass der Diesel-Anteil bei den Neuzulassungen in Deutschland auf knapp ein Drittel gesunken sei, bringe dem Klimaschutz nichts, sagte Mattes. "Je weniger Diesel verkauft werden, desto höher sind die CO2-Werte bei den Neuzulassungen." Der moderne Diesel sei notwendig, um die Klimaschutzziele im Verkehr zu erreichen, Dieselautos der Abgasstufe Euro 6d seien "hervorragend".

Für 2018 erwartet der VDA ein Wachstum des Pkw-Weltmarktes um zwei Prozent auf 86 Millionen Fahrzeuge, in Europa um ein Prozent auf 15,8 Millionen Pkw. Für die USA prognostiziert der VDA hingegen einen Rückgang um zwei Prozent auf 16,9 Millionen Fahrzeuge. Aktuell beschäftige die Automobilindustrie in Deutschland 832.000 Mitarbeiter in den Stammbelegschaften. Dies sei der "höchste Stand seit über 20 Jahren".

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/DJ/rts

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