Wirtschaft

"Wir sind anders" VW-Familien distanzieren sich von Piëch

57782267.jpg

Muss sich indirekte Kritik aus der eigenen Familie gefallen lassen: Ferdinand Piëch.

(Foto: picture alliance / dpa)

Anderthalb Jahre nach dem Rücktritt von Firmenpatriarch Ferdinand Piëch stärken dessen Bruder Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche dem VW-Management den Rücken. Ins operative Geschäft wollen sie nicht eingreifen. Kritik am Vorstand üben sie dennoch.

Die Familien Piëch und Porsche stärken dem Volkswagen-Management den Rücken. Die VW-Aufsichtsräte Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche sagten dem Magazin "Spiegel", sie wollten die Familien im Unternehmen nicht so vertreten wie Firmenpatriarch Ferdinand Piëch, der im vergangenen Jahr als Aufsichtsratchef zurückgetreten war. "Wir sind anders, und wir verstehen unsere Aufgabe als Vertreter der Familien anders", betonte Hans Michel Piëch. "Unsere Grundeinstellung ist: Der Vorstand macht Vorschläge. Wenn sie plausibel sind, werden wir ihnen folgen."

VW Vorzüge
VW Vorzüge 218,40

Piëch erklärte weiter, nicht "in das operative Geschäft" eingreifen zu wollen. "Unsere wichtigste Aufgabe ist es, die richtigen Personen für die Führung zu finden, und sie dann ihre Arbeit erledigen zu lassen." Wolfgang Porsche stärkte zudem die Position von VW-Markenchef Herbert Diess, der Einsparungen bei der schwächelnden Kernmarke anstrebt. "Wir werden Herrn Diess nach besten Kräften unterstützen", sagte Porsche. "Die Marke muss effizienter und profitabler werden, um so für die Zukunft schlagkräftig aufgestellt zu sein."

58065751.jpg

Hans Michel Piëch (l.) und Wolfgang Porsche.

(Foto: picture alliance / dpa)

Allerdings will Betriebsratschef Bernd Osterloh sich auf die Pläne von Diess nicht einlassen, sollte es keine festen Zusagen für Produkte und Beschäftigungsgarantien für jeden Standort geben. Das hatte Osterloh vergangene Woche auf einer Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg deutlich gemacht. Beide Aufsichtsräte zeigten Verständnis für die Kritik an Bonuszahlungen für die VW-Vorstände während des Dieselskandals. "Mir wäre es am liebsten gewesen, man hätte für den Moment auf flexible Vergütungsteile ganz verzichtet", sagte Porsche. Hans Michel Piëch räumte ein: "Für die Außenwirkung wäre es besser gewesen, wenn der Vorstand erst einmal verzichtet hätte."

Porsche schließt Eigentümerwechsel aus

Über die Porsche Automobil Holding SE halten die Familien Porsche und Piëch gut 52 Prozent an Volkswagen. Einen Eigentümerwechsel bei Volkswagen schloss Wolfgang Porsche aus. "Meine Kinder stehen zu dem Unternehmen." Das gelte auch für die anderen Mitglieder der vierten Generation. "Ich glaube nicht, dass die jüngere Generation nur schnell zu Geld kommen will." Zudem hätten Familienmitglieder in solchen Fällen ein Vetorecht.

"Die Anteile an der Porsche Automobil Holding SE können also nicht mal eben so bei einem chinesischen Autohersteller oder einen Hedgefonds landen", erläuterte Porsche. Hans Michel Piëch sagte zu Spekulationen, sein Bruder Ferdinand könne die eigenen Anteile verkaufen: "Ich glaube das nicht." Aber man müsse Ferdinand Piëch selbst fragen.

Quelle: ntv.de, jug/rts

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.