Wirtschaft
"Arbeitsrechtlich höchst zweifelhaft": Schmidts Anwalt klagt beim Arbeitsgericht Braunschweig gegen die fristlose Kündigung des langjährigen VW-Mitarbeiters.
"Arbeitsrechtlich höchst zweifelhaft": Schmidts Anwalt klagt beim Arbeitsgericht Braunschweig gegen die fristlose Kündigung des langjährigen VW-Mitarbeiters.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 09. Januar 2018

Fristlose Kündigung in der Zelle: VW-Manager Schmidt wehrt sich

Erst verurteilt, dann gefeuert: Der in einem US-Gefängnis inhaftierte frühere VW-Manager Schmidt will sich mit seinem Schicksal im Abgasskandal nicht einfach abfinden. Aus der Zelle heraus geht er juristisch gegen seinen früheren Arbeitgeber vor.

Der in den USA verurteilte früherer VW-Manager Oliver Schmidt wehrt sich gegen seine fristlose Kündigung. "Die Klage liegt beim Arbeitsgericht Braunschweig vor", bestätigte eine Gerichtssprecherin. Ihren Angaben zufolge hatte Volkswagen Schmidt am 19. Dezember, zwei Wochen nach der Verurteilung von einem US-Gericht, fristlos gekündigt. Das Kündigungsschreiben soll ihm Berichten zufolge per Boten ins Gefängnis zugestellt worden sein.

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Der 49-jährige Schmidt hält die Kündigung nach Angaben seines Anwalts für rechtswidrig, weil er sich stets an Weisungen des Unternehmens gehalten habe. "Dass er nun die fristlose Kündigung erhalten hat, offenbar, weil er die ihm erteilten Weisungen befolgt hat, ruft in Herrn Schmidt nicht nur das Gefühl hervor, ungerecht behandelt zu werden, es ist arbeitsrechtlich auch höchst zweifelhaft", sagte der Anwalt dem Bayerischen Rundfunk. Schmidt habe sich nach seinem Verständnis jederzeit loyal gegenüber Volkswagen verhalten.

Für Volkswagen könnte die Klage ungemütlich werden: Schmidt, so heißt es, könne seine Darstellung, er habe stets nur Weisungen des VW-Konzerns befolgt, durch die Nennung von Zeugen untermauern. Um welche Personen es sich dabei handeln könnte, blieb unklar. Für VW könnte eine neuerliche Aufarbeitung der Abgas-Manipulationen jedoch womöglich unangenehme Folgen haben.

Ein Termin für die Güteverhandlung steht demnach noch nicht fest. Ein Unternehmenssprecher wollte den Fall nicht kommentieren. In früheren Stellungnahmen zur Causa Schmidt hieß es, VW sehe sich grundsätzlich an Compliance-Vorgaben gebunden, die bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen von Beschäftigten auch arbeitsrechtliche Maßnahmen erfordern.

Hauptverantwortlicher oder Bauernopfer?

Schmidt war Anfang Dezember wegen seiner Rolle im Abgasskandal in den USA zur höchstmöglichen Strafe von sieben Jahren Gefängnis und einer Zahlung von 400.000 Dollar (338.000 Euro) verurteilt worden. Er hatte sich nach einem Deal mit der US-Staatsanwaltschaft im August für schuldig bekannt - wohl in der Hoffnung, dadurch einer harten Bestrafung zu entgehen. Schmidt war seit 20 Jahren für VW tätig, zuletzt sollte er für den Wolfsburger Konzern Zulassungsfragen mit US-Umweltbehörden regeln.

Er ist nach dem früheren VW-Ingenieur James Liang der zweite langjährige VW-Mitarbeiter, der aufgrund der Abgas-Affäre in den USA zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Im September 2015 hatte Volkswagen nach Vorwürfen der US-Umweltbehörden und Recherchen von Wissenschaftlern eingeräumt, mit einer speziellen Software in großem Stil Abgastests manipuliert zu haben.

Quelle: n-tv.de