Wirtschaft

Trotz politischer Probleme VW baut neues Werk in der Türkei

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Die Entscheidung für die Türkei ist politisch umstritten.

(Foto: REUTERS)

Der Autokonzern Volkswagen wird eine Fabrik in der Türkei bauen. Nach monatelangen Verhandlungen hat Bulgarien damit bei der Standortfrage das Nachsehen. Allerdings wagen sich die Wolfsburger in ein politisch heikles Umfeld. Die Entscheidung dürfte daher auch einen anderen Grund haben.

Monatelang wurde verhandelt - nun sind so gut wie alle Hürden beseitigt: Das neue Osteuropawerk von Volkswagen soll in der Türkei entstehen. "Wir sind in finalen Gesprächen", sagte VW-Produktionsvorstand Andreas Tostmann. Ein Abschluss werde binnen zwei Wochen erwartet, "vielleicht auch früher". Es werde noch an letzten Vertragsdetails gefeilt.

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Damit enden langwierige Gespräche, die Konzernchef Herbert Diess Insidern zufolge zeitweise mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan direkt führte. Hindernis für eine vollständige Einigung waren zuletzt noch steuerliche Fragen. Bereits vor drei Wochen waren Informationen durchgesickert, dass die Investition unmittelbar bevorstehe. Ende August hatte der VW-Aufsichtsrat bereits eine Grundsatzentscheidung für die neue Mehrmarken-Fabrik getroffen.

Laut Insidern soll für rund eine Milliarde Euro in Manisa nahe Izmir im Westen Anatoliens ein Werk mit einer geplanten Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen und rund 4000 Beschäftigten entstehen. Ende 2020 soll mit dem Bau begonnen werden, der Produktionsstart ist für 2022 vorgesehen.

VW für Osteuropa produziert

An dem Standort sollen der VW Passat und der baugleiche Skoda Superb für den Export nach Osteuropa vom Band rollen. 80 bis 90 Prozent der Fahrzeuge sind für den Export in Wachstumsmärkte Osteuropas und nach Russland vorgesehen. Der Rest soll an Kunden in der Türkei gehen.

Die Entscheidung für die Türkei ist politisch umstritten. Denn die EU wirft Erdogan vor, die freie Meinungsäußerung und die Demonstrationsfreiheit zu beschneiden. VW hält dem entgegen, dass das Land am Bosporus seit Jahren als Kandidat für einen EU-Beitritt gilt. Der Putsch vor drei Jahren habe die Lage verschlechtert.

"Volkswagen sieht die Situation in der Türkei und die Repressalien gegen Regimekritiker und Dissidenten", sagte VW-Cheflobbyist Thomas Steg. Er fügte hinzu, der Konzern rechne nicht mit einer ungeteilten Zustimmung für das Projekt. Die Türkei sei aber eine entwickelte Marktwirtschaft. "Wir gehen davon aus, dass die türkische Wirtschaft wieder wachsen kann." Das Land habe gute Voraussetzungen.

VW-Produktionsvorstand Tostmann fügte hinzu: "Wir gehen davon aus, dass wir unsere Standards in der Türkei einhalten können, bezogen sowohl auf die Qualität der Produkte als auch auf Mitbestimmung der Arbeitnehmer sowie auf die Wahrung der Menschenrechte in den Bereichen, die wir direkt beeinflussen können."

Staatliche Förderung half bei Entscheidung

Mit ausschlaggebend für die Entscheidung waren Konzernkennern zufolge staatliche Fördermittel. Über deren Höhe schweigt VW. Weder die Bundesregierung noch das Land Niedersachsen, das an Volkswagen beteiligt ist, hätten Bedenken geltend gemacht. Auch vom ebenfalls an VW beteiligten Emirat Katar habe es keine Intervention gegeben.

Die Türkei hat VW zufolge ein niedrigeres Lohnniveau als osteuropäische Standorte, die infrage kamen. In Bulgarien, das lange als Alternative gegolten hatte, sind die Löhne zwar ebenfalls gering, allerdings gibt es dort nicht ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte. Außerdem ist Bulgarien an die EU-Regularien für Fördermittel gebunden. In der Türkei könne man dagegen verhandeln, heißt es bei VW.

Mit der Produktionsverlagerung gen Osten schafft Volkswagen Platz in seinen Werken in Emden und im tschechischen Kvasiny, wo der VW Passat beziehungsweise der baugleiche Skoda Superb bisher gebaut werden. Das Werk in Ostfriesland soll umgebaut werden und ab 2022 E-Autos produzieren. In der Fabrik in Tschechien rollen die gefragten SUV-Modelle Karoq von Skoda und Ateca von Seat vom Band, für die größere Kapazitäten benötigt werden. Weltweit verfügt Volkswagen über mehr als 120 Fabriken.  

Quelle: n-tv.de, kst/rts

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