Wirtschaft

Nach Kritik Vergütung gedeckelt VW erhöht Grundgehälter für Vorstände

Die hohen Einkommen für Volkswagens Spitzenmanager wecken immer wieder Kritik. Nun reagiert der Konzern und deckelt die variable Vergütung auf zehn Millionen Euro. Dafür bekommen die Vorstände aber auch deutlich mehr Grundgehalt.

Die Obergrenze sinkt, aber das Grundgehalt steigt: Der Volkswagenkonzern ändert nach wiederholter Kritik an den hohen Einkommen die Vergütungsstruktur für den Vorstand. "Damit sinkt die theoretisch mögliche Maximalvergütung gegenüber der vorherigen Systematik um bis zu 40 Prozent", teilte das Unternehmen im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung mit. Allerdings steigt im Gegenzug die Grundvergütung deutlich, und zwar um bis zu 30 Prozent. Damit verdient der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller künftig mindestens 2.125.000 pro Jahr. Die übrigen Vorstandsmitglieder 1,35 Millionen Euro.

Der Deckel liegt für den Vorstandsvorsitzenden künftig bei maximal 10 Millionen Euro im Jahr. Bei allen anderen Vorständen liegt die Höchstgrenze bei 5,5 Millionen Euro. Diese Summen könnten aber nur bei einer "herausragenden Unternehmensentwicklung" erreicht werden, erklärte das Unternehmen. Das erreichen "anspruchsvoller Ziele" sei Bedingung für die Auszahlung von Boni.

Als Mindestschwelle wurde ein operatives Ergebnis von neun Milliarden Euro sowie eine operative Umsatzrendite (ROS) von 4,0 Prozent festgelegt. Darunter werden gar keine jahresbezogenen variablen Vergütungen gezahlt. Unklar blieb aber, ob die Werte vor oder nach Abzug von Sondereinflüssen gemeint sind.

Den am Freitag veröffentlichten Zahlen zufolge lag das operative Ergebnis vor Abzug von Sondereinflüssen bei 14,6 Milliarden Euro, danach bei 7,1 Milliarde. Die operative Umsatzrendite lag bei 6,7 beziehungsweise 3,3 Prozent. Und das trotz der milliardenschweren Strafzahlungen für den Dieselbetrug.

Weil fordert höhere Ziele

Das neue System gilt vom Geschäftsjahr 2017 an. Die Verträge der Vorstandsmitglieder werden entsprechend geändert. Die Millionenabfindung für Ex-Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt von angeblich 12 Millionen Euro für 13 Monate Arbeit hatte zuletzt die Politik auf den Plan gerufen. Kritik gab es auch am Einkommen des damalige Vorstandschefs Martin Winterkorn. Dieser war 2011 auf ein Einkommen von rund 17,5 Millionen Euro gekommen. Dies lag vor allem an hohen Bonuszahlungen angesichts von hohen Gewinnen.

2015 lag das Einkommen des amtierenden VW-Vorstandschefs Matthias Müller wegen der Folgen von "Dieselgate" deutlich unter der nun eingeführten Obergrenze von 10 Millionen Euro. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil bezeichnete die Reform bei den Vorstandsgehältern als wichtigen Schritt. Die neue Vergütungshöhe sei deutlich reduziert worden, gleichzeitig sollten die Ziele für die variable Vergütung anspruchsvoller werden, erklärte der SPD-Politiker.

Quelle: shu/jwu

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