Wirtschaft

Baldige Rückkehr an Kapitalmarkt VW sichert sich längere Kreditlinie

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(Foto: imago/Ralph Peters)

Der vom Abgas-Skandal gebeutelte VW-Konzern verschafft sich größeren finanziellen Spielraum. Ein milliardenschwerer Überbrückungskredit steht nun bis Mitte 2017 zur Verfügung. Derzeit wird die Kreditlinie nicht gezogen.

Volkswagen hat einen für die Lasten des Dieselskandals gedachten Überbrückungskredit über 20 Milliarden Euro verlängert. Die mit einem Bankenkonsortium vor einem Jahr vereinbarte Kreditlinie stehe nun bis Juni 2017 zur Verfügung, teilte ein Sprecher mit.

Der Kredit werde die finanzielle Flexibilität des Konzerns erhöhen. Derzeit werde die Kreditlinie nicht gezogen. VW werde zu gegebener Zeit an den Anleihemarkt zurückkehren. "Wir nutzen weiterhin den Zugang zum Kapitalmarkt über ABS-Transaktionen und Commercial Papers", sagte der Sprecher weiter. Finanzvorstand Frank Witter hatte Ende Oktober erklärt, der Überbrückungskredit sei ungenutzt. Insider berichteten, die Kreditlinie sei davor zeitweise zu einem Teil gezogen und anschließend wieder zurückgeführt worden.

Volkswagen hatte die Kreditlinie im Dezember 2015 von mehreren Großbanken erhalten, um die Kosten der millionenfachen Abgasmanipulation abzufedern. Damals war es wegen der unsicheren Finanzlage für die Wolfsburger zu teuer, das Geld wie gewohnt bei Anleihe-Investoren aufzunehmen.

Seit einigen Monaten wird erwartet, dass die Wolfsburger an den Kapitalmarkt zurückkehren. Zwei Insider sagten, damit werde nach der für Mittwoch erwarteten Entscheidung des US-Bezirksgerichts in San Francisco über einen Kompromiss zum Rückkauf und die Reparatur von rund 85.000 größeren Dieselmotoren von Audi gerechnet. Allerdings sei VW nicht unter Zeitdruck und werde sich einen guten Zeitpunkt aussuchen. Marktteilnehmer erwarten, dass Volkswagen Anfang kommenden Jahres einen Bond über mehrere Milliarden Euro auflegen könnte.

Im Oktober hatte das Gericht bereits einen Kompromiss für rund 475.000 Dieselmotoren von VW mit einer illegalen Abschalteinrichtung abgesegnet, der den Konzern bis zu 16,2 Milliarden Dollar kosten könnte.

Zeugenaussage von Winterkorn noch fraglich

Derweil ist noch nicht entschieden, ob der ehemalige VW-Vorstandschef Martin Winterkorn als Zeuge in einem Schadenersatzprozess im Abgasskandal aussagen muss, ist noch nicht entschieden. Das Landgericht Paderborn hatte ihn ursprünglich für den 2. Dezember in den Zeugenstand gerufen, weil es sich Erkenntnisse über die Affäre um manipulierte Schadstoff-Messungen erhofft.

In dem Zivilprozess verlangt ein VW-Kunde Schadenersatz. Der Termin sei jedoch aufgehoben worden, weil die Richter zunächst über die Frage entscheiden müssten, ob Winterkorn von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch machen könnte, sagte ein Gerichtssprecher. Diese Frage soll zunächst in einer mündlichen Verhandlung am 20. Januar entschieden werden, in der Winterkorns Anwesenheit nicht notwendig sei. Hintergrund sei ein laufendes Ermittlungsverfahren gegen den früheren Konzernchef wegen möglicher Kursmanipulationen, erläuterte der Gerichtssprecher.

Geklärt werden müsse, ob dies klar von der in Paderborn verhandelten Schadenersatzklage zu trennen sei. Sobald sich die Dinge überlappten und die Gefahr bestehe, dass Winterkorn sich selbst belaste, sei ein Aussageverweigerungsrecht denkbar.

Quelle: ntv.de, wne/rts/dpa

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