Wirtschaft

Nach China und Amerika VW verlagert wegen Ukraine-Krieg seine Produktion

Das Logo des Automobilherstellers Volkswagen ist am VW-Tower in Hannover zu sehen.

"Der Krieg in der Ukraine hat unseren bisherigen Ausblick aber infrage gestellt", sagt Konzern-Chef Diess bei der Bilanzpräsentation.

(Foto: Moritz Frankenberg/dpa/Symbolbil)

Unter normalen Umstände hätte VW laut Konzern-Chef Diess jeden Grund gehabt, optimistisch auf 2022 zu blicken. Der Krieg in der Ukraine wirft allerdings nicht nur Schatten auf den Geschäftsausblick, sondern zwingt den Autobauer auch zum Umbau seiner Lieferketten.

Der Ukraine-Krieg setzt ein dickes Fragezeichen hinter den optimistischen Ausblick von Volkswagen. Weil die Produktion von Kabelbäumen seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine weitgehend ausgefallen ist, muss der Wolfsburger Konzern seine Bezugsquellen neu ordnen. Sollte die Fertigung in der Ukraine nicht binnen drei bis vier Wochen durch andere Länder Osteuropas und in Nordafrika wettgemacht werden, müsste Volkswagen seine Geschäftsprognose für das laufende Jahr überarbeiten, sagte Konzernchef Herbert Diess bei der Bilanzpräsentation 2021 in Wolfsburg. Wegen der Engpässe in Europa kündigte er außerdem die vorübergehende Verlagerung der Produktion von einigen zehntausend Fahrzeugen von Europa nach Nord- und Südamerika sowie nach China an. "Unter normalen Umständen hätten wir jeden Grund gehabt, optimistisch auf 2022 zu blicken", sagte Diess.

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VW habe gute finanzielle Ergebnisse erzielt, die Pandemie lasse nach und die Versorgung mit Halbleitern dürfte sich im Jahresverlauf stetig verbessern. "Der Krieg in der Ukraine hat unseren bisherigen Ausblick aber infrage gestellt." Nach der Gewinnverdopplung im vergangenen Jahr rechnet das VW-Management bisher mit einem Umsatzplus von acht bis 13 Prozent. Die operative Rendite soll zwischen sieben und 8,5 (2021: 7,7) Prozent landen. Die Prognose machen die Niedersachsen abhängig vom weiteren Verlauf des Ukraine-Kriegs, insbesondere den Auswirkungen auf die Lieferketten und die Weltwirtschaft insgesamt.

Mit Blick auf eine mögliche Enteignung von Unternehmensteilen als Reaktion Russlands auf westliche Sanktionen sagte Diess, ein Rückzug aus dem Land könne geboten sein. Volkswagen werde alle Sanktionen gegen Russland umsetzen. Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin müsse Einhalt geboten werden. Den Vermögenswert von Volkswagen in Russland bezifferte er mit Blick auf mögliche Abschreibungen auf 0,5 Prozent der Bilanz.

An Börsenplänen für Porsche ändert sich nichts

Ungeachtet der Marktturbulenzen durch den Ukraine-Krieg hält Volkswagen an seinen Börsenplänen für die Sportwagentochter Porsche fest, die ihre Position als profitabelste Marke des Konzerns mit einer operativen Rendite von 16,6 Prozent im vergangenen Jahr ausbaute. Finanzchef Arno Antlitz sagte, die Vorbereitungen für einen Teil-Börsengang im Schlussquartal liefen weiter. Es sei noch zu früh, über mögliche Konsequenzen nachzudenken, sollte der Krieg länger dauern. "Wir sind überzeugt, dass eine potenzielle separate Börsennotiz der Porsche AG ein logischer nächster Schritt ist und großen Wert schaffen würde", betonte Antlitz.

Porsche habe bei der Integration in die Volkswagen-Gruppe immer ein hohes Ausmaß an Eigenständigkeit beibehalten. Der Konzern sei entschlossen, verstärkt in Zukunftstechnologie zu investieren. "Ein Porsche-Börsengang könnte uns dabei helfen, die Umsetzung dieser Strategie zu beschleunigen und zusätzliche Flexibilität zu schaffen." Konzernkenner halten es für wahrscheinlich, dass Volkswagen auch bei einer längeren Talfahrt der Aktienmärkte an den Plänen festhält.

Nachdem starke Widerstände in dem Unternehmen überwunden worden seien, werde niemand das Vorhaben ohne weiteres wieder vom Tisch nehmen, sagte ein Insider. Einige sehen einen Börsengang auch als möglichen Impuls für weitere Abspaltungen oder Neuordnungen in dem Konzern. "Das könnte ein Brustlöser sein", sagte die Person mit Kenntnis der Diskussion. Damit würde sich Volkswagen womöglich neues Potenzial für Kurssteigerungen erschließen, die nach der Bekanntgabe der Pläne für eine eigene Batterieproduktion vor einem Jahr verpufft sind.

Umbau auch in Krisenzeiten weiter stemmbar

Auch einen schon länger ins Visier genommenen Börsengang der Batterieaktivitäten schließt Volkswagen nach wie vor nicht aus. Derzeit suche man strategische Partner. Als groben Zeitrahmen für einen Börsengang nannte Antlitz zwei bis drei Jahre. Die Zahlen für das vergangene Jahr hatte Volkswagen bereits am Freitag vorgelegt. Demnach verdoppelte sich der Betriebsgewinn trotz Chip-Mangel und höherer Rohstoffkosten fast auf 19,3 Milliarden Euro. Dabei kam VW auch zugute, dass die Kosten deutlich gesenkt wurden. So wurden seit 2019 vier Milliarden Euro an Fixkosten gespart. "Alles in allem haben wir gezeigt, dass unser Geschäft robust ist und wir besser als in Vergangenheit in der Lage sind, mit Schwierigkeiten zurechtzukommen", erläuterte Diess.

Volkswagen sehe sich in der Lage, den Umbau auch in Krisenzeiten weiter zu stemmen. Seinen Barmittelzufluss im Automobilgeschäft steigerte der Konzern um 35 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Die Netto-Liquidität lag mit 26,7 Milliarden Euro nahezu auf Vorjahreshöhe, obwohl Volkswagen kräftig investierte und auch die Übernahme des Lkw-Bauers Navistar in diesen Zeitraum fiel. In Südamerika, wo der Autobauer wegen einer verfehlten Modellpolitik jahrelang auf keinen grünen Zweig gekommen war und viel Geld verbrannte, sei die Ertragswende gelungen, erklärte Volkswagen. In Nordamerika - also den USA, Kanada und Mexiko - sei die Hauptmarke Volkswagen nach einigen Jahren wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt.

Quelle: ntv.de, jki/rts

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