Wirtschaft

"Bis zur Ordnungshaft" VW will Lieferungen erzwingen

Inmitten der Abgas-Krise trifft den VW-Konzern die nächste Krise: Zwei Zulieferer liefern nicht mehr. Nun will VW schwere juristische Geschütze auffahren. Reicht das, um an die fehlenden Bauteile zu kommen?

Im Streit mit zwei Zulieferern will Volkswagen alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um ein Ende des Lieferstopps bei seinen externen Partnern durchzudrücken. Am Ende könnte also der Gerichtsvollzieher zur Not mit der Polizei im Schlepptau die dringend benötigten Teile vom Lieferanten holen. Der Autobauer sei gezwungen, "die zwangsweise Durchsetzung der Belieferung vorzubereiten, und zwar mit den uns zur Verfügung stehenden gesetzlich vorgesehenen Mitteln. Dazu gehören Ordnungsgeld, Ordnungshaft, Beschlagnahme, die über das Gericht beantragt werden", sagte ein VW-Sprecher.

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Die Ankündigung des Autobauers verwundert nicht. Allein schon zum Wohle seiner Aktionäre muss VW alle möglichen Hebel in Bewegung setzen, um die verfahrene Lage zu entschärfen. Bei dem Autobauer ruhen die Fließbänder teilweise schon, für 7500 Mitarbeiter steht bereits Kurzarbeit an, mehr als 20.000 könnten es noch werden. Die genauen Hintergründe des Streits und der Auslöser sind weiter unklar. Allerdings betonte der VW-Sprecher auch, dass der Autobauer die Lage keinesfalls einseitig weiter verschärfen mag. "Parallel versuchen wir weiterhin eine gütliche Einigung mit dem Lieferanten herbeizuführen."

VW liegt im rechtlichen Clinch mit zwei Zulieferern. Einerseits ist das der Getriebeteilespezialist ES Automobilguss, andererseits die Car Trim, ein Experte für Sitzbezüge. Beide sind eigenen Angaben der Prevent-Gruppe zuzurechnen. Zumindest deren deutscher Teil, die Prevent DEV GmbH aus Wolfsburg, reklamiert, "nicht juristisch" mit den Gesellschaften verbunden zu sein. "Wir haben auch keinen Durchgriff auf die betroffenen Gesellschaften. Gleichwohl bedauern wir die Eskalation des aktuellen Konflikts sehr", schreibt die Firma. Die Hintergründe des Streits liegen weitgehend im Dunkeln. Die Absage eines Zukunftsprojektes mit Car Trim soll zumindest eine Wurzel der Querelen sein.

Autokäufer sorgen sich indes um die Lieferung ihrer Autos. "Wir haben die ersten Anrufe von Kunden, die sich Sorgen machen, ob ihr Auto pünktlich kommt", sagte VW-Händler Ernst-Robert Nouvertné aus Solingen. Nouvertné sitzt zugleich im Vorstand des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK). Vom Konzern habe Nouvertné zu drohenden Lieferverzögerungen noch keine Auskünfte erhalten: "Außer besorgten Kundenanrufen haben wir zurzeit keine Informationen", sagte er am Freitagmorgen. "Das ist schon etwas befremdlich und natürlich unbefriedigend", ärgert sich der Händler.

Quelle: n-tv.de, bdk/dpa

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