Wirtschaft

Kampf gegen den Kollaps Venezuela will Ölhahn weit aufdrehen

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Blick auf das Ölfeld in Morichal im Orinoco-Gürtel in Venezuela

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Wirtschaft Venezuelas hängt größtenteils vom Öl ab, aber das rohstoffreiche Land produziert so wenig wie seit 15 Jahren nicht. Dieses Jahr soll sich das ändern. "2018 wird das Jahr der Erholung", verspricht die Regierung.

Die Ölförderung im krisengeplagten Venezuela wird Regierungsangaben zufolge in diesem Jahr deutlich ausgeweitet. Die Produktion werde Werte von mehr als 2,4 Millionen Barrel pro Tag erreichen, sagte Ölminister Manuel Quevedo in einem TV-Interview.

Ende vergangenen Jahres ist die Förderung auf gut 1,7 Millionen Fässer am Tag gefallen. Das waren 100.000 pro Tag weniger als im Vormonat und ein 15-Jahrestief. Ein Barrel entspricht 159 Liter. Damals hatte ein Generalstreik von Dezember 2002 bis Februar 2003 die Förderung massiv behindert. Lässt man die vom Streik betroffenen Monate außer Acht, ist die Förderung seit August 1989 - also seit 28 Jahren - noch nie so schwach gewesen wie derzeit.

Laut Quevedo hat sich die Produktion mittlerweile wieder bei etwa 1,9 Millionen Barrel stabilisiert. "2018 wird ein Jahr der Erholung nach dem historischen Tief", versprach der Ölminister, der gleichzeitig auch Präsident des größten staatlichen Ölkonzerns PDVSA ist.

Auf diese Erholung wartet das zutiefst gebeutelte Land seit Langem. Venezuela befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise, für die weite Teile der Bevölkerung Präsident Nicolas Maduro verantwortlich machen. Engpässe bei Lebensmitteln und Medikamenten sind an der Tagesordnung, die Inflation ist extrem hoch.

Riesige geopolitische Risiken

Das Opec-Land hängt fast komplett vom Ölexport ab. Während die Regierung in Caracas den USA die Schuld am Einbruch der Ausfuhren gibt, macht die Opec die Schulden des Landes, eine veraltete Ausrüstung und Infrastruktur sowie die schlechte Stimmung unter den Arbeitern dafür verantwortlich.

Venezuela steht laut Marktanalysten an der Spitze der Staaten mit den größten geopolitischen Risiken. Aufgrund der wirtschaftlichen Risiken und der Schieflage im Konzern PDVSA wird befürchtet, dass sich die gegenwärtige Lage verschlimmern oder zumindest fortsetzen könnte.

"Die venezolanische Wirtschaft kann jeden Moment kollabieren," sagte der Ölanalyst der norwegischen DNB Bank, Torbjorn Kjus, der Agentur "Deutsche Wirtschaftsnachrichten": Und: "Man könne sich Szenarien vorstellen, die von einem direkten Bürgerkrieg über einen Staatsstreich oder Generalstreik bis hin zu einem mehrere Jahre andauernden Erstickungstod der Konjunktur reichen. Keine dieser Optionen verheißt etwas Positives für die venezolanische Ölförderung."

Quelle: n-tv.de, ddi/rts

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