Wirtschaft

Entwicklungshilfe für Gründer Venture Capital ist eine Kunstform

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Wohin blicken Investoren, bevor sie Geld in ein Startup stecken?

(Foto: REUTERS)

Selbst die gründlichste Analyse bringt keine Gewissheit über den Erfolg oder Misserfolg eines Startups. Wie finden Investoren trotzdem das richtige Unternehmen?

Während die meisten Private-Equity-Fonds in etablierte Unternehmen investieren und ihnen durch Restrukturierungen helfen, noch mehr Profit zu erwirtschaften, suchen Venture-Capital-Fonds (VCs) nach Menschen, die entweder neue große Märkte schaffen oder bestehende Märkte neu erfinden. Dabei sind es meistens sehr junge, schnell wachsende Technologieunternehmen, die Kapital von Venture Investoren erhalten.

Investitionsentscheidungen erfolgen hier in der Regel auf Grundlage sehr weniger Informationen. Viele der neuen Geschäftsmodelle wurden noch nicht am Markt validiert und sind somit riskante Investitionsobjekte. Durch das sehr hohe Risiko hält der Venture Capitalist oft viele Anteile an dem Unternehmen und verbucht bei Erfolg des Startups auch hohe Gewinne. Stellt sich die Frage, wie VCs trotz unzureichender Informationslage bahnbrechende Innovationen ausfindig machen, die unser Leben vereinfachen und bestehende Industrien grundlegend verändern können.

Was benötigt man also für einen so genannten "Home Run", ein Investment, das die weniger erfolgreichen Investments durch sehr hohe Gewinne abfedern kann? Sind es die systematischen Analysen und die finanzmathematischen Berechnungen der großen Private-Equity-Fonds, oder basiert die Investmententscheidung doch eher auf Erfahrung, subjektiver Wahrnehmung und Intuition? Sind VC-Investments also eine Wissenschaft mit klaren Regeln, Verfahren und Richtlinien oder doch eher eine Kunstform, die auf individueller Wahrnehmung basiert?

Viele setzen Venture Capital gleich mit Finanzen, bei denen es sich nur um Gelder dreht. Wer dieses Geschäft allerdings auf eine reine Kreditform reduziert, verkennt die dahinterstehende Komplexität. Denn viel mehr als das ist Venture Capital eher eine Form Entwicklungshilfe für Unternehmer. Dazu ist neben Zugang zu Kapital vor allem Zugang zu Menschen nötig, die bereit sind, ihre Idee trotz erheblichen Widerstands zu verfolgen und konsequent umzusetzen.

Es kommt auf den Gründer an

Ein erfolgreicher VC muss zwar ein fundiertes Verständnis von Finanzkennzahlen haben und über entsprechende analytische Fähigkeiten verfügen. Allerdings braucht es keinen Abschluss in Mathematik, um in diesem Geschäft einen "Home Run" zu schlagen. Statistiken können mit Wahrscheinlichkeiten helfen, aber selbst die gründlichste Analyse wird keine Gewissheit über den Erfolg oder Misserfolg eines Startups bringen.

Die Schwierigkeit besteht darin, den intrinsischen Wert des jungen Unternehmens anhand sehr weniger Datenpunkte zu erkennen und richtig zu bemessen. Angesichts der vielen Unbekannten in der Gleichung einer Unternehmensbewertung eines frühphasigen Unternehmens handelt es sich bei Venture-Investitionen mehr um eine Kunstform als um eine Wissenschaft.

Die Realität ist, dass Venture Capital ein People-Business ist. Es geht darum, die richtige Auswahl über die richtige Kombination von Menschen, Produkten und Ideen zu treffen. Die Kunst des VC-Geschäfts besteht darin, nur die besten Leute mit den stärksten Ideen auszuwählen - die Gründer mit dem größten Antrieb, diejenigen, die schnell ausführen und couragiert genug sind, ihre Ideen umzusetzen.

Im VC verhält es sich ähnlich wie im Sport: Baseball-Pitcher verwenden die Wissenschaft der Physik, wenn sie einen Curveball werfen, aber es ist eine Kunst, einen perfekten Curveball zu werfen.

Als VC kann man zwar gewissen Regeln der Fundamentalanalyse folgen, aber es bleibt eine Kunst, den intrinsischen Wert eines Startups zu erkennen. Wenn einem das gelingt, schlägt er auch einen "Home Run".

Niklas Schwake ist Director bei Earlybird Venture Capital. Bevor er auf die Investorenseite wechselte, baute er für die größte europäische Startup-Fabrik, Rocket Internet, Unternehmen wie HelloFresh oder CupoNation mit auf.

Quelle: n-tv.de

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