Wirtschaft

"Innenstädte kommen nicht voran" Verbraucher benoten deutsche Einkaufsstraßen

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Zu den Spitzenreitern in ihren jeweiligen Größenklassen zählt unter anderem Trier.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Auf den Umbruch im deutschen Einzelhandel sind die Fußgängerzonen in den Innenstädten eher schlecht vorbereitet. Ihr Ambiente lässt in den Augen vieler Verbraucher zu wünschen übrig. Die Benotung fällt daher im Schnitt mittelmäßig aus.

Die Einkaufsstraßen in den deutschen Innenstädten sorgen bei den meisten deutschen Verbrauchern allenfalls für lauwarme Begeisterung. Bei einer Befragung von mehr als 59.000 Innenstadtbesuchern in 116 Städten durch das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) gaben die Verbraucher den Stadtzentren im Durchschnitt nur die Schulnote "Drei plus". Am besten schnitten noch die Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern ab. Sie erhielten immerhin eine "Zwei minus", wie das IFH mitteilte.

"Die Innenstädte kommen nicht voran. Eine "Drei plus" reicht auf Dauer nicht, um in Zeiten des Strukturwandels konkurrenzfähig zu sein", urteilte IFH-Geschäftsführer Boris Hedde. Der Handelsexperte drängte die Kommunen, mehr für die Aufwertung ihrer Innenstädte zu tun. Denn der Handel befinde sich in einem knallharten Standortwettbewerb. "Viele Standorte, die kein klares Profil haben, werden das nicht überleben."

"Während der Einzelhandel in den vergangenen Jahren insgesamt wuchs, schrumpften ausgerechnet die Kategorien, die für die Innenstädte besonders relevant sind, wie der Textilhandel. Dem Handel sind hier Umsätze in Milliardenhöhe verloren gegangen", erklärt Hedde. Statt für Mode geben viele Konsumenten ihr Geld inzwischen lieber für Essen und Trinken, Streaming-Abos oder Konzertbesuche aus. Der Kampf um die verbliebenen Kunden wird umso erbitterter geführt.

"Einkaufen so bequem wie möglich machen"

"Der größte Gegner für die Einzelhändler in den Innenstädten ist aktuell noch nicht der Online-Handel, sondern die Einkaufsstraße in der Nachbarstadt", betont Hedde. Wer überleben wolle, dürfe die Wünsche der Kunden deshalb nicht ignorieren.

Wichtig ist den Verbrauchern der Umfrage zufolge vor allem das Ambiente der Innenstädte und die Vielfalt des Einzelhandelsangebots. "Wer mit einer historischen Altstadt oder einer in Jahrhunderten gewachsenen Stadtsilhouette punkten kann, hat es immer einfacher. Aber auch Städte, die das nicht haben, können bei den Verbrauchern Erfolg haben, wenn sie Events und gastronomische Erlebnisse bieten und das Einkaufen für die Kunden so bequem wie möglich machen", betonte Hedde.

Das IFH kürte gleichzeitig die attraktivsten Innenstädte in verschiedenen Größenklassen. Sieger bei den Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern war in der Verbraucherwertung Leipzig. Spitzenreiter in ihren jeweiligen Größenklassen waren außerdem Erfurt, Trier, Stralsund und Wismar.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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