Wirtschaft

Teilweise "Extremkäufe" Verbraucher bunkern Fischkonserven

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Die Deutschen horten in der Corona-Krise lang haltbare Fischkonserven.

(Foto: imago images/CHROMORANGE)

Von Corona profitierte in den Anfangstagen vor allem der Einzelhandel. Die Deutschen füllten ihre Vorräte auf. Im Fokus dabei unter anderem Haltbares. Davon profitierte auch die Fischindustrie. Allerdings brach ihr an anderer Stelle Absatz weg.

In der Corona-Krise haben sich die Deutschen bekanntlich auf Toilettenpapier und Nudeln gestürzt - doch ebenso hamsterten die Verbraucher Fischkonserven. Im ersten Halbjahr habe es eine Vielzahl von "Extremkäufen" gegeben, berichtete der Vorsitzende des Fisch-Informationszentrums (FIZ), René Stahlhofen. So sei der Absatz von Fischkonserven in den Monaten Februar und März um fast die Hälfte gestiegen. Auch in den Wochen danach hätten Kunden viele lang haltbare Fischprodukte gekauft.

"Der Griff zur Fischkonserve in der Corona-Krise ist verständlich, aber auch der Fisch in der Dose steckt in der Krise", sagte Catherine Zucco von der Umweltstiftung WWF Deutschland. "Thunfischfänge haben sich seit den 80er Jahren verdoppelt, das bringt viele Bestände in Gefahr." Beim Fischeinkauf sei es wichtig auf die Art, Herkunft und Produktionsmethode zu achten.

Auch der europäische Iglo-Mutterkonzern Nomad Foods (London) berichtete, dass Menschen in Corona-Zeiten beim Einkauf verstärkt zu Tiefkühlprodukten greifen. Er verzeichnete im ersten Halbjahr 2020 ein Umsatzwachstum in Europa von fast elf Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro, wie Iglo Deutschland mitteilte. Allerdings seien in Folge der Pandemie auch die betrieblichen Aufwendungen um sieben Prozent gestiegen. Die Gruppe erhöhte ihre Jahresprognose und erwartet nun ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich.

Mehr Geld für weniger Fisch

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Für Ostsee-Fischer ist die höhere Nachfrage angesichts der unveränderten Fangquoten wohl eher kein grund zur Freude. Auf Hiddensee haben sie sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen, um ihre Konserven besser vermarkten zu können.

(Foto: imago images/Shotshop)

Die zeitweise Schließung von Restaurants, Kantinen oder Imbissbuden in der Pandemie wirkte sich jedoch nicht nur gewinnbringend auf die Absatzkanäle der Fischwirtschaft aus. Der Außer-Haus-Verkauf werde in diesem Jahr nach aktueller Schätzung einen Rückgang um fast 40 Prozent auf 165.750 Tonnen (Fanggewicht) zu verkraften haben, teilte das FIZ mit. Gleichzeitig werde eine Zunahme der Einkäufe über den Lebensmitteleinzelhandel um knapp 15 Prozent auf 953.062 Tonnen erwartet. Insgesamt rechnet das FIZ im laufenden Jahr mit einem kleinen Zuwachs im Pro-Kopf-Fischkonsum von 1,5 Prozent auf 13,5 Kilogramm.

2019 gaben die Verbraucher in Deutschland nach Angaben des FIZ erneut für Fisch und Meeresfrüchte mehr Geld aus als im Vorjahr. Das Plus belief sich demnach auf fast fünf Prozent. Am Ende ließen sich die Deutschen Sprotte, Hering und Co. 4,1 Milliarden Euro kosten - neuer Rekord. Die größte Menge an Fisch und Meeresfrüchten setzten im vergangenen Jahr wieder die Discounter um, berichtete Stahlhofen. Besonders beliebt sei weiterhin Alaska-Seelachs. Auf den Plätzen folgten Lachs, Thunfisch, Hering und Garnelen. Trotz gestiegener Ausgaben sank im vergangenen Jahr aber der Pro-Kopf-Verbrauch um 500 Gramm auf 13,3 Kilogramm. Die meisten Fischprodukte kauften laut Mitteilung des FIZ die Verbraucher in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein. Im Ländervergleich wird in Baden-Württemberg am wenigsten Fisch eingekauft.

Kritik kam von Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack: Gemessen am Grad der weltweiten Überfischung werde in Deutschland zu viel Fisch gegessen, betonte er. Die zerstörerischen Fangmethoden mit ihren Beifängen und ihrer Lebensraumvernichtung seien Hauptgründe für die historische Krise der Meere. "Fisch muss wieder viel mehr als Delikatesse angesehen werden, die es nur zu besonderen Gelegenheiten gibt."

Quelle: ntv.de, jwu/dpa