Wirtschaft

Bundesweite Warnstreiks Verdi erhöht Druck auf Post im Tarifstreit

7ac4634cff1f6d9a4ea70ad2a420b74b.jpg

Auch heute verließen wieder viele Zustellfahrzeuge nicht die Betriebshöfe von DHL und Post.

(Foto: dpa)

Der Post geht es gut, die Gewerkschaft Verdi will deshalb für die Angestellten einen guten Tarifabschluss erreichen. Das bisherige Angebot reicht Verdi nicht, daher warten fast im ganzen Bundesgebiet heute Kunden vergeblich auf Briefe und Pakete.

Im Tarifstreit bei der Deutschen Post haben Beschäftigte an mehreren Standorten im Land die Arbeit niedergelegt. Mehr als 11.000 Beschäftigte beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben an neuen Warnstreiks. Betroffen waren gut 300 Standorte im gesamten Bundesgebiet, wie die Gewerkschaft Verdi am Nachmittag weiter mitteilte. Die Warnstreiks fanden bereits den vierten Tag in Folge statt.

Das Unternehmen sprach von rund 2200 Beschäftigten, die bundesweit an "punktuellen Warnstreiks" teilgenommen hätten. Derzeit seien rund 160.000 Pakete und 1,6 Millionen Briefe betroffen, das entspreche rund zwei beziehungsweise drei Prozent der Tagesmenge, teilte die Post mit. "In den stärker durch die Warnstreiks betroffenen Regionen werden die verzögerten Sendungen in den Folgetagen zugestellt", sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Die Warnstreiks laufen bereits seit Mittwoch. Verdi fordert eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent für die rund 140.000 Tarifbeschäftigten bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten. Der Arbeitgeber hatte dies zu Beginn der Gespräche mit Blick auf die unsichere wirtschaftliche Lage durch die Corona-Krise zurückgewiesen. Auch in der zweiten Verhandlungsrunde Anfang September legte die Post kein Angebot vor.

Post profitiert vom Boom beim Online-Shopping

Personalvorstand Thomas Ogilvie kündigte für die dritte Runde am 21. und 22. September ein Angebot an, bei dem unter anderem überproportionale Lohnsteigerung der unteren Lohngruppen vorstellbar seien. "Eine 1,5-prozentige Erhöhung der Entgelte, wie zuletzt vom Arbeitgeber angedeutet, findet bei unseren Mitgliedern keinerlei Akzeptanz", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis.

Der Deutschen Post AG gehe es wirtschaftlich gut, "das ist für alle offensichtlich. Wir erwarten, dass der Arbeitgeber in der kommenden Verhandlungsrunde auf unsere Forderung einer deutlichen prozentualen Steigerung der Löhne für alle von 5,5 Prozent eingeht", sagte Kocsis. Die Post profitiert vom gestiegenen Online-Handel im Zuge der Corona-Pandemie und verzeichnete ein rasantes Wachstum im Paket-Geschäft. Der Bonner Konzern wird nach Einschätzung seines Vorstandschefs Frank Appel gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/rts