Wirtschaft

Konzern: Genaue Eigner unbekannt Verschleiert Oligarch Mordaschow seine TUI-Anteile?

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Alexej Mordaschow 2018 als TUI-Aufsichtsratsmitglied bei der Hauptversammlung.

(Foto: dpa)

Der bisher größte TUI-Einzelaktionär Alexej Mordaschow ordnet vor dem Inkrafttreten der Sanktionen gegen ihn seine Anteile neu. Der Konzern weiß nun nicht, wer hinter der Firma steckt, die den neuen größten Aktionär bildet. Mordaschow könnte zu ihren Gesellschaftern zählen.

TUI ist nach eigenen Angaben nicht bekannt, wer hinter dem Unternehmen steckt, das nun den größten Aktionär des weltgrößten Reisekonzerns bildet. Eine Firma namens Ondero Limited auf den britischen Jungferninseln hält seit Kurzem über Unifirm einen Anteil von 29,9 Prozent an TUI. Wer das umfangreiche Paket jetzt genau besitzt oder verwaltet, ist offenbar sogar in Hannover unklar. "Wir wissen nicht, wer die Gesellschafter von Ondero sind", sagte ein TUI-Sprecher. Damit ist offen, ob auch der russische Oligarch Alexej Mordaschow dazugehört, bisher größter TUI-Einzelaktionär.

Mordaschow steht auf der Sanktionsliste der EU. Kürzlich war bekannt geworden, dass der schwerreiche Geschäftsmann mit mehreren Firmenbeteiligungen bereits kurz vor der Verhängung der Strafmaßnahmen aus Brüssel Ende Februar seine Anteile am TUI-Konzern im Hintergrund neu geordnet hatte. Von den bislang 34 Prozent, die Mordaschow über die Firma Unifirm im EU-Land Zypern gehalten hatte, übertrug er 4,1 Prozent zu seiner russischen Holding Severgroup. Die Anteile an Unifirm, die er über zwei Tochtergesellschaften gehalten hatte, verkaufte er wiederum an Ondero.

Die Jungferninseln gelten als Steueroase, in der viele Briefkastenfirmen ihren Sitz haben. Es könnte sich möglicherweise um ein Manöver Mordaschows handeln, die Anteile indirekt weiter zu halten, aber von Vertrauten managen zu lassen - sodass die persönlichen Sanktionen der EU und der Zugriff auf sein TUI-Vermögen formal ins Leere laufen. Mit der Übertragung von weniger als 30 Prozent der TUI-Aktien vermied er, dass Ondero eine Übernahmeofferte für den deutschen Reisekonzern abgeben und damit genauere Details zu seiner eigenen Struktur nennen musste. Aus dem TUI-Aufsichtsrat schied Mordaschow nach dem Beginn des Krieges aus. In der vergangenen Woche war seine Luxusjacht "Lady M" im Hafen der italienischen Stadt Imperia sichergestellt worden.

Mordaschows Familie steht auch hinter TUI Russia. Dem früheren Russland-Ableger entzog der TUI-Konzern nun die Nutzung der Markenrechte. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde ein entsprechender Vertrag gekündigt. Die TUI AG mit Hauptsitz in Hannover betonte, dass dieses Unternehmen nach dem Verkauf der letzten Anteile 2021 "keine Gesellschaft der TUI Group" mehr sei. Bisher durfte TUI Russia etwa auch in Russland, Belarus, der Ukraine, Kasachstan oder Usbekistan den Namen TUI verwenden. TUI-Vorstandschef Fritz Joussen erklärte: "Die TUI verurteilt den Angriff und den Krieg Russlands. Die Marke TUI darf nicht länger von TUI Russia für ihr Geschäft und den Auftritt des Unternehmens genutzt werden."

Quelle: ntv.de, chl/dpa

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