Wirtschaft

Funktürme an die Börse? Vodafone kämpft um Einnahmen

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Vodafone prüft, seine knapp 62.000 Funktürme an die Börse zu bringen.

(Foto: REUTERS)

Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone beginnt das neue Geschäftsjahr mit sinkenden Einnahmen. Konzernchef Read verweist auf das geringer ausgefallene Minus. Um seinen Schuldenberg abzubauen, prüft das Unternehmen Einnahmen durch Ausgliederungen.

Dem Mobilfunkkonzern Vodafone machen widrige Wechselkurseffekte und der harte Wettbewerb in Italien und Spanien zu schaffen. Im ersten Quartal seines neuen Geschäftsjahres kam weniger in die Kasse, obwohl in der Mehrheit der Märkte die Umsätze zulegten, wie der Konzern mitteilte. Dennoch bestätigten die Briten ihre Jahresprognose. Zugleich teilte der Konzern mit, angesichts klammer Kassen und der Kritik von Investoren seine europäischen Funktürme abspalten und möglicherweise an die Börse bringen zu wollen.

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Insgesamt summierten sich die Erlöse zwischen April und Ende Juni auf knapp 10,7 Milliarden Euro. Das waren 2,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Organisch stand ein Minus von 0,9 Prozent zu Buche. Das sei ein geringerer Rückgang als im Vorquartal, sagte Vorstandschef Nick Read und sah darin einen positiven Trend. Die Deutschland-Tochter meldete ein Wachstum des Serviceumsatzes um 0,4 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Ohne Rückgänge im Vermietungsgeschäft von Netzkapazitäten an Dritte wäre er um 1,8 Prozent gestiegen. Während der Umsatz im Festnetzbereich dank des guten Kabelgeschäfts um 1,5 Prozent zulegte, ging er im Bereich Mobilfunk um 0,5 Prozent zurück. Gewinnkennzahlen legt Vodafone nur halbjährlich vor.

"Wir haben ein solides Momentum", sagte Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. "Die Integration von Unitymedia ermöglicht uns zukünftig, unseren Kunden deutschlandweit Gigabit-Anschlüsse zur Verfügung zu stellen. Und als erster Anbieter haben wir das 5G-Zeitalter eingeläutet." Ergebniskennziffern nennt Vodafone im ersten Quartal nicht.

Die Konzernzahlen zum ersten Quartal seien im Rahmen der Erwartungen des Managements ausgefallen, hieß es weiter. Das Unternehmen geht weiterhin davon aus, im laufenden Jahr ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 13,8 Milliarden bis 14,2 Milliarden Euro zu erzielen. Der freie Cashflow soll sich auf mindestens 5,4 Milliarden Euro belaufen.

Vermögensteile versilbern

Die Funkturm-Sparte soll bis Mai 2020 abgetrennt werden und mit 61.700 Funktürmen in 10 Ländern das größte Portfolio seiner Art in Europa sein, wie Vodafone mitteilte. Der Konzern habe eine ganze Reihe von Alternativen, die Vermögensteile in den kommenden 18 Monaten zu Geld zu machen - eine davon sei ein möglicher Börsengang. Vodafone hatte zuletzt erstmals die Dividende gekappt, um den Schuldenberg abzubauen und Geld für Investitionen in die Netze freizumachen.

In drei der vergangenen vier Geschäftsjahre haben die Briten teils hohe Milliardenverluste eingefahren. Jetzt will sich Vodafone-Chef Nick Read vorwiegend auf das Geschäft in Europa konzentrieren. Erst vergangene Woche erhielt Vodafone die Genehmigung für den Kauf großer Teile der Kabelnetze von Liberty Global in Europa für 18,4 Milliarden Euro inklusive Schulden - darunter auch der deutsche Anbieter Unitymedia.

Beim Verkauf von Funktürmen geht es nur um die Masten und Grundstücke an sich, aktive Sendeanlagen des Netzes sind damit nicht gemeint. Der spanische Telefonica-Konzern hatte seine Funkturmsparte bereits vor einigen Jahren an die Börse gebracht.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa/DJ/rts

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