Wirtschaft

"Große Anstrengungen vor uns" Volkswagen verdient 3,3 Milliarden Euro

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Eine Milliarde Geldbuße, drei Milliarden verdient: Mitarbeiter arbeiten im Volkswagen-Werk an einer Fertigungsstrecke des "Golf 7".

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Diesel-Strafe der Braunschweiger Staatsanwaltschaft scheint Deutschlands größten Autobauer kaum zu belasten: In den Monaten April, Mai und Juni fährt Volkswagen trotzdem einen fast sieben Prozent höheren Gewinn ein. VW-Chef Diess bleibt jedoch vorsichtig.

Der Automobilkonzern Volkswagen stellt sich trotz eines guten Laufs im Tagesgeschäft auf ein schwieriges zweites Halbjahr ein. Im zweiten Quartal verdiente Volkswagen zwar vor Sondereinflüsssen, Zinsen und Steuern mit 5,6 Milliarden Euro 22,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie der Dax-Konzern mitteilte.

VW Vorzüge
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Zugleich warnte der Wolfsburger Autobauer mit seinen Marken VW, Audi, Porsche, Skoda und anderen großen Namen der Branche vor anstehendem Gegenwind. "In den kommenden Quartalen liegen große Anstrengungen vor uns - vor allem im Hinblick auf die Umstellung auf den neuen WLTP-Prüfzyklus", erklärte Vorstandschef Herbert Diess.

Die ursprünglich angepeilte operative Rendite von 6,5 bis 7,5 Prozent vom Umsatz sei für Volkswagen im laufenden Jahr demnach nur noch unter Ausklammerung von Sonderbelastungen erreichen. Der Hersteller hat bereits tausende zusätzliche Stellplätze deutschlandweit angemietet, um nicht zugelassene Neuwagen zwischenzuparken. "Auch der wachsende Protektionismus stellt die global vernetzte Automobilindustrie vor große Herausforderungen", sagte Diess.

Im zweiten Quartal verbuchten die Wolfsburger für die Bewältigung der Dieselaffäre weitere 1,6 Milliarden Euro an Belastungen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte den Konzern im Juni mit einer Geldbuße von einer Milliarde Euro belegt. Die Sonderkosten sorgten dafür, dass VW unter dem Strich mit 3,3 Milliarden Euro nur 6,8 Prozent mehr verdiente als im Vorjahreszeitraum.

Diess: Zuwächse sind "sehr solide"

Angetrieben von guten Autoverkäufen der Kernmarke sowie Seat konnte Volkswagen im zweiten Quartal auch seinen Umsatz ausbauen. Rückenwind erhielt der Konzern unter anderem auch von einem guten Lkw-Geschäft. Der Umsatz kletterte um 3,4 Prozent auf 61,1 Milliarden Euro.

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz von 115,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf aktuell 119,4 Milliarden Euro. Der Gewinn in dieser Sechsmonatsspanne legte um 2,1 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro zu. "Die Umsatz- und Ergebniszuwächse sind sehr solide", erklärte Volkswagen-Chef Diess dazu. "Und wir haben mehr Fahrzeuge ausgeliefert als jemals zuvor".

Weltweit lieferte der Volkswagen-Konzern im ersten Halbjahr 5,5 Millionen Fahrzeuge an Kunden aus. Das bedeutete ein Plus von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Umsatz- und Gewinnwachstum konnten fast alle der insgesamt zwölf Marken des Konzerns verbuchen. Besonders stark stieg der Umsatz in der Kernmarke VW mit 7,7 Prozent. Einzig Bentley schrieb rote Zahlen.

An der Börse lösten die Zwischenergebnisse des VW-Konzerns weder Begeisterung noch größeres Aufsehen aus. In den Zahlen seien keine "großen Kurs-Trigger" zu erkennen, meinten Händler am Morgen. Der Vorsteuergewinn liege etwas über, der operative Gewinn etwas unter den Erwartungen. "Trotzdem läuft es operativ noch einigermaßen", fasste ein Börsianer seine Eindrücke zusammen. Die Kursperspektiven hingen aber stark von der Entwicklung des Handelsstreits ab, warnte er. Am Vormittag gaben die im Dax gelisteten VW-Vorzugsaktien knapp 1,5 Prozent nach auf 150,00 Euro.

Ausblick bekräftigt

Im Hintergrund schwelen anhaltende Unwägbarkeiten: US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Monaten wiederholt mit Einfuhrzöllen auf deutsche Autos gedroht. Ganz vom Tisch sind diese Drohungen noch nicht. Dazu kommen aus Sicht der deutschen Autoindustrie etwaige Probleme, die sich aus Wechselwirkungen der Zoll-Streitigkeiten zwischen Washington und Peking ergeben könnten.

Am Ausblick für das Gesamtjahr hält der Wolfsburger Konzern trotz einiger Risiken fest. Demnach sollen die Auslieferungen 2018 moderat und der Umsatz um bis zu 5 Prozent steigen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/DJ

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