Wirtschaft

Leitindizes rauschen ins Minus Wall Street erlebt Horrorwoche

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(Foto: picture alliance/dpa/XinHua)

Die Sorge vor steigenden Zinsen macht die Anleger an der Wall Street nervös. Als Konsequenz müssen die US-Leitindizes kräftige Abschläge hinnehmen. Im Tech-Bereich wird der Trend verstärkt durch die maue Wachstumsprognose des Streaming-Giganten Netflix.

Die Talfahrt der vergangenen Tage hat sich an der Wall Street fortgesetzt. Damit endete eine tiefrote Börsenwoche geprägt von Zinsängsten und geopolitischen Spannungen. Wie schon an den Vortagen hatten leichte Erholungsansätze keinen Bestand, wieder schlossen die Indizes auf Tagestief. Der Dow-Jones-Index verlor weitere 1,3 Prozent auf 34.265 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite büßten 1,9 bzw. 2,7 Prozent ein.

Nasdaq Composite
Nasdaq Composite 12.131,13

Der technologielastige Nasdaq-Composite rutschte tiefer in den Korrekturmodus. Dass es hier so wenig Gegenwehr gab, werteten Händler als Alarmsignal. Denn vom Rentenmarkt kam eigentlich Unterstützung, die Renditen sanken abermals recht deutlich. Technologiewerte gelten als besonders zinssensibel. Im Handel verwies man auch auf die Baisse bei Netflix.

Je näher die US-Notenbanksitzung in der kommenden Woche rücke, desto mehr steige die Nervosität, hieß es im Handel. Gedrückt wurde die Stimmung unverändert von der Verunsicherung über Tempo und Ausmaß der anstehenden Zinserhöhungen. Hinweise erhofften sich Investoren von der anstehenden Fed-Sitzung. Doch wurde im Handel auch auf die wachsenden Spannungen zwischen Russland und dem Westen im Konflikt um die Ukraine hingewiesen, die Anleger aus risikoreichen Anlagen wie Aktien getrieben hätten.

Netflix
Netflix 181,50

"Das geopolitische Risiko spielt eine Rolle, die Neubewertung der Geldpolitik spielt eine Rolle und die Inflation im Sinne des Kostendrucks. Nimmt man all diese Faktoren zusammen, so ergibt sich eine ziemliche Veränderung", erläuterte Fondsverwalterin Georgina Taylor von Invesco. Ihr klares Fazit: "Die Risikoprämie für Aktien muss steigen". Die Citigroup verwies indes auf die im Januar deutlich gesunkenen Aufwärtsrevisionen der Ergebniserwartungen bei den Unternehmen. "Der Höhepunkt der Revisionsdynamik könnte ein Katalysator für die Marktschwäche sein", urteilten die Analysten.

Peloton zeigt sich erholt

Im Technologiesektor knickten Netflix um 21,8 Prozent ein - belastet von einer enttäuschenden Prognose zum Neukundenwachstum. Die Viertquartalszahlen fielen zum Teil besser als erwartet aus, interessierten aber nicht. Im Schlepptau sanken Walt Disney im Dow um 6,9 Prozent.

Peloton
Peloton 13,55

Die Peloton-Aktie erholte sich vom Kurseinbruch des Vortages. Die Aktie war um rund 24 Prozent eingebrochen, nachdem CNBC berichtet hatte, dass Peloton plane, die Produktion von Fitness-Geräten aufgrund der schwachen Nachfrage vorübergehend einzustellen. Der Titel kletterte nun um 11,6 Prozent. Das Unternehmen hatte angekündigt, "signifikante Korrekturmaßnahmen zu ergreifen, um die Rentabilitätsaussichten zu verbessern und die Kosten zu optimieren." Der Umsatz für das zweite Geschäftsquartal lag im Rahmen der Erwartungen.

Schlumberger (-1,9%) hatte die Schätzungen für das vierte Quartal übertroffen und geht davon aus, dass die Nachfrage der Branche vor einem mehrjährigen Wachstumszyklus stehe. Analysten lobten den Geschäftsausweis, doch sprangen Anleger in dem schwachen Börsenumfeld nicht darauf an. Die Titel der Eisenbahngesellschaft CSX gaben trotz positiver Geschäftszahlen und eines optimistischen Ausblicks 3,2 Prozent ab. Händler bemängelten steigende Kosten.

Ölpreise setzen Abwärtstrend fort

Der Dollar gab einen Teil seiner Vortagesgewinne wieder ab. Der Dollar-Index büßte 0,1 Prozent ein. Der Greenback hat laut RBC Capital im Januar überwiegend trotz eigentlich günstiger Renditeunterschiede unter Druck gestanden. Die Rally bei den Rohstoffpreisen und die Schwäche der US-Aktien seien zuletzt ein stärkerer Faktor als die Marktzinsen gewesen, so RBC-Experte George Davis. Allerdings reduzierten sich die Renditen am Rentenmarkt abermals recht deutlich und machten den Dollar so unattraktiver. Mit der gestiegenen Risikoscheu kamen indes Bitcoin und Co unter die Räder.

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 118,80

Die Ölpreise setzten ihre Abwärtstendenz des Vortages fort. Auch hier hätten Anleger auf Risikominimierung gesetzt, hieß es. Auf Wochensicht stand aber ein dickes Plus, es war der fünfte Wochenanstieg in Folge. Wetten darauf, dass die Omikron-Variante mildere Verläufe zeige, und geopolitische Spannungen im Nahen Osten und rund um die Ukraine-Krise mit dem Ölförderer Russland im Zentrum hatten die Erdölpreise in der Woche befeuert.

Die gesunkenen Marktzinsen drückten indes den Goldpreis, der aber wie Öl einen kräftigen Wochenaufschlag verbuchte. Das Edelmetall sei als Inflationsschutz wieder gefragter gewesen in der vergangenen Woche, hieß es. Daran änderten auch steigende Zinserwartungen nichts.

Am Rentenmarkt wurde erneut gekauft, was Händler mit der allgemeinen Flucht in vermeintliche Sicherheit erklärten. Die Verunsicherung am Aktienmarkt, aber auch die Ukraine-Krise hätten Anleger zur Risikoaversion verleitet.

Quelle: ntv.de, jpe/DJ

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