Wirtschaft

Delta sorgt für offene Schleusen Wall Street nimmt Rekordjagd wieder auf

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(Foto: zz/STRF/STAR MAX/IPx)

Der Fed-Schrecken ist endgültig verflogen. An den US-Börsen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass zwischen der Ankündigung des Taperings und dem Beginn noch viel Zeit ins Land gehen wird. Zudem mehren sich die Zeichen für eine Verlangsamung der Erholung. Und das spräche klar gegen ein Versiegen der Notenbank-Milliarden.

Die Wall Street hat zu Wochenbeginn an die positive Entwicklung vom Freitag angeknüpft. Der S&P-500 und der Nasdaq-Composite erreichten neue Allzeithochs. Gut kam bei den Investoren an, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer jetzt endgültig in den USA zugelassen hat. Bislang bestand lediglich eine Notfallzulassung. beide Werte legten zu. Mit der vollen Zulassung verbindet sich die Hoffnung, dass bislang zögernde Bevölkerungsgruppen zur Impfung ermutigt werden. Im Fahrwasser stiegen Moderna um 7,5 Prozent.

Auch die Markit-Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, jeweils für August, waren ganz nach dem Geschmack der Börsianer. Einerseits lagen sie mit Werten deutlich über 50 klar im Expansionsbereich, andererseits kamen sie unter den Prognosen herein und verminderten so die Sorge vor einer Straffung der Geldpolitik. Der vorbörslich veröffentlichte Chicago Fed National Activity Index für Juli hatte die Prognosen übertroffen. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,6 Prozent auf 35.336 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,9 Prozent und der technologiebasierte Nasdaq Composite 1,5 Prozent.

Übergeordnet waren die Blicke auf das diese Woche beginnende Notenbanker-Treffen in Jackson Hole gerichtet. Hier wird vor allem auf Aussagen von US-Notenbankpräsident Jerome Powell geschaut, ob er einen Beginn des Tapering ankündigt. Der Präsident der Fed von Dallas, Rob Kaplan, hatte am Freitag erklärt, dass er seine Forderung nach einer raschen Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe überdenken könnte, wenn es so aussieht, als würde die Ausbreitung der Delta-Variante das Wirtschaftswachstum bremsen. Dies hatte zum Wochenausklang die Wall Street gestützt. Zuvor hatten sich die Stimmen aus der Fed gemehrt, die sich für einen baldigen Beginn des Ausstiegs stark gemacht haben.

"Wenn es irgendein Anzeichen dafür gibt, dass sich die US-Wirtschaft verlangsamt, wird die Fed die Käufe nicht zurückfahren", sagte Michael Hewson, Chefanalyst bei CMC Markets. Es sei ein weiter Weg zwischen der Ankündigung eines Tapering und der tatsächlichen Umsetzung, so der Teilnehmer. "Wir werden wahrscheinlich Anzeichen für eine Abschwächung des globalen Wachstums sehen", so Carsten Brzeski, Global Head of Macro bei ING. "Dafür gibt es zwei Gründe: etwas mehr Angst und Unsicherheit aufgrund der Delta-Variante und Spannungen in den Lieferketten."

Mit einem kräftigen Plus um mehr als fünf Prozent zeigten sich die Ölpreise und holten damit einen Teil der jüngsten Verluste wieder auf. Hier stütze der schwache Dollar, hieß es. Teilnehmer sprachen aber vor allem von einer Erholungsbewegung - Brent hatte seit Monatsbeginn rund elf Prozent verloren, bei WTI waren es 13 Prozent. Übergeordnet belastete weiter die Sorge, dass eine Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus die Nachfrage belasten wird. Am Aktienmarkt legte der Energiesektor mit den festen Ölpreisen kräftig zu. Chevron steigerten sich um 2,6 Prozent, Exxon um 4,1 Prozent.

Pfizer erwirbt die restlichen Aktien von Trillium Therapeutics, die der Pharmakonzern noch nicht besaß. Pfizer zahlt hierfür 18,50 Dollar pro Aktie in bar. Trillium-Aktien hatten am Freitag an der Nasdaq bei 6,09 US-Dollar geschlossen. Daraus ergibt sich eine Bewertung von 2,6 Milliarden Dollar. Die Trillium-Aktie schoss um 189 Prozent auf 17,59 Dollar nach oben.

Boeing-Papiere stiegen um 3,2 Prozent. Der Konzern will nach Angaben informierter Kreise im Rahmen der geplanten 3,2 Milliarden US-Dollar schweren Spac-Börsenpläne von Virgin Orbit in das Raumfahrtunternehmen von Richard Branson investieren.

Die Paypal-Aktie gewann 1,5 Prozent. Der US-Zahlungsdienstleister führt in dieser Woche den Kauf, Verkauf und Besitz von Kryptowährung auch in Großbritannien ein. Auch der Bitcoin legte in der Folge kräftig zu und notierte zeitweise wieder über der Marke von 50.000 Dollar - erstmals seit Mai.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ

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