Wirtschaft

Erleichterung nach Fed-Entscheid Wall Street zündet nach Zinssprung Feuerwerk

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Nach einem düsteren Wochenstart sieht die Anlegerwelt jetzt viel heller aus.

(Foto: AP)

Der Fed-Chef sagt der US-Wirtschaft eine weiche Landung voraus. Obwohl Powell gerade eine drastische Zinserhöhung verkündet hat, entfacht die Erleichterung an der Wall Street ein Kursfeuerwerk. Erste Ökonomen warnen bereits vor zu viel Euphorie.

Die Wall Street hat sich zur Wochenmitte mit der Herausbildung einer Tendenz zunächst äußerst schwer getan. Doch dann löste US-Notenbankpräsident Jerome Powell ein Kursfeuerwerk bei Aktien und Rentennotierungen aus, der Dollar war dagegen der Leidtragende. Die Fed erwäge aktuell keine Anhebung der Leitzinsen um 75 Basispunkte, teilte Powell nach der Zinsentscheidung mit. Doch genau auf einen solchen "großen" Zinsschritt hatten Marktakteure mehrheitlich im Hinblick auf die nächste Fed-Sitzung bislang gesetzt.

Die US-Notenbank hatte ihre Geldpolitik zuvor wie erwartet gestrafft und den Leitzins um 50 Basispunkte angehoben. Zudem soll die aufgeblähte Bilanz verkleinert werden - Anleihebestände also veräußert werden. Volkswirte hatten die Zinserhöhung um 50 Basispunkte so prognostiziert. Mit der Aussicht, dass die Fed das aktuelle Tempo bei künftigen Zinserhöhungen nicht forcieren wird, schoss der Dow-Jones-Index um 2,8 Prozent auf 34.061 Punkte in die Höhe, S&P-500 und Nasdaq-Composite stiegen um 3,0 bzw. 3,2 Prozent. Es wurden an der Wall Street insgesamt 2691 (Dienstag: 2027) Kursgewinner und 624 (1293) -verlierer gezählt, unverändert schlossen 123 (111) Titel.

Der Fed-Chef äußerte sich außerdem zuversichtlich, dass der US-Konjunktur "eine weiche Landung" gelingen werde und eine Rezession verhindert werden könne. Die Konjunkturdaten des Tages, die für die Kursfindung keine Rolle spielten, deuteten bereits auf eine verlangsamte Expansion der US-Wirtschaft hin. "In den frühen 1990er Jahren konnten wir einen Zinserhöhungszyklus durchlaufen und einen Wirtschaftsabschwung vermeiden. Ehrlich gesagt war dies das einzige Mal in den vergangenen fünf Zinserhöhungszyklen, dass wir eine weiche Landung erreicht haben", warnte Chefvolkswirt Russell Price von Ameriprise Financial vor zuviel Euphorie wegen des Ausbleibens eines Zinsschrittes über 75 Basispunkte.

Dollar gerät mit Powell-Verlautbarungen unter Druck

US-Dollar / Euro
US-Dollar / Euro ,97

Die Aussicht auf wenige forsche Zinsanhebungen belastete den Dollar, der Dollarindex verlor 0,8 Prozent. Am Rentenmarkt zogen die Notierungen mit den Powell-Aussagen kräftig an, die Renditen stürzten gerade bei den kürzeren Laufzeiten ab. Der Goldpreis erholte sich im Tagesverlauf deutlich - gestützt von gesunkenen Marktzinsen und einem schwachen Dollar.

Die Ölpreise legten dagegen stark zu. Die EU will beim Embargo gegen russisches Erdöl Ernst machen, obwohl mit Ungarn, der Slowakei und Tschechien gleich drei Staaten Einwände vorbrachten. Doch will die EU für diese Staaten eine Ausnahmeregelung auf den Weg bringen, so dass für die übrigen EU-Staaten das Importverbot gelten würde. Dadurch verknappte sich das Angebot, was die Preise befeuerte. Dass die Rohöllagerbestände gemäß US-Regierungsdaten in den USA entgegen den Erwartungen nicht gesunken waren, bremst den Preisauftrieb bei Erdöl nicht. Dies war auch dem Umstand geschuldet, dass die Benzinbestände deutlicher abnahmen.

Berichtssaison gibt Takt vor

Airbnb
Airbnb 114,84

Die Ölpreisrally beflügelte die entsprechenden Branchenwerte (+4,1%), Halbleitertitel (+4%) profitierten von gesunkenen Rentenrenditen. Daneben bestimmte die Berichtssaison das Geschehen. Advanced Micro Devices (AMD) legten um 9,2 Prozent zu. Der Chiphersteller verbuchte einen Rekordumsatz und erhöhte zudem den Jahresausblick. Der Kurs wurde aber auch durch gesunkene Marktzinsen gestützt.

Starbucks (+9,8%) hatte im zweiten Geschäftsquartal Umsatz und Gewinn erhöht. Airbnb (+7,7%) setzte in den ersten drei Monaten 2022 mehr um und dämmte den Verlust stärker ein als erwartet. Der US-Biotechnologiekonzern Moderna (+5,8%) hatte im vergangenen Quartal deutlich mehr verdient und umgesetzt als erwartet. Den überwiegenden Teil des Umsatzes erzielte Moderna durch den Absatz des Covid-19-Impfstoffs.

Lyft brachen um knapp 30 Prozent ein, nachdem der Fahrdienstvermittler zwar überwiegend die Erwartungen im ersten Quartal übertroffen hatte, aber mit der Gewinn- und Umsatzprognose enttäuschte. Der Aktienkurs des Wettbewerbers Uber rutschte um 4,6 Prozent ab. Uber hatte den Umsatz im ersten Quartal mehr als verdoppelt. Unter dem Strich stand allerdings wegen Investitionen ein Milliardenverlust.

Quelle: ntv.de, mau/DJ

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