Wirtschaft
Donald Trump fordert die EU und China heraus.
Donald Trump fordert die EU und China heraus.(Foto: REUTERS)
Montag, 05. März 2018

Trump vernichtet Arbeitsplätze: Warum Handel ein Segen ist

Von Jan Gänger

Donald Trump macht das Leben aller US-Amerikaner teurer, indem er Zölle auf Aluminium und Stahl verhängt - und bringt zahlreiche heimische Jobs in Gefahr. Das liegt daran, dass der US-Präsident den Begriff "Handel" eigenwillig interpretiert.

In Donald Trumps Version von Kapitalismus gilt das Recht des Stärkeren. Im Wahlkampf hatte er einen Handelskrieg angedroht, jetzt macht der US-Präsident seine Ankündigung wahr. Das ist auch deshalb konsequent, weil Trump die USA mit den Mitteln der Wirtschaftspolitik zu einstiger Größe führen will.

Damit demonstriert der US-Präsident eindrucksvoll, dass er Handel nicht als etwas sieht, von dem beide Seiten profitieren. Er sieht darin einen Wettstreit, in dem die Gewinne der einen Seite zwingend die Verluste der anderen Seite sind. Daraus resultiert seine Abneigung gegen Freihandel und seine Sympathie für Protektionismus. Und so kündigte Trump vollmundig an: "Handelskriege sind gut, und sie sind leicht zu gewinnen."

Dabei ist Handel im Prinzip etwas sehr Gutes, von dem beide Seiten profitieren. Vereinfacht ausgedrückt: Ich kaufe meine Milch aus naheliegenden Gründen im Supermarkt und habe keine Kuh auf dem Balkon, um mich täglich mit frischer Milch zu versorgen. Ich zimmere mir weder meine Möbel zusammen, noch laufe ich zu Fuß ins Büro.

Abstrakter ausgedrückt: Die Alternative zum Handel heißt Selbstversorgung. Das würde bedeuten, dass eine Volkswirtschaft alle benötigten Waren und Dienstleistungen selbst anbietet. Das ist in unserer komplexen Welt nicht vorstellbar.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Video

Vom Handel profitieren im Prinzip beide Seiten, also der Verkäufer und der Käufer. Ein Geschäft bedeutet nicht, dass der eine gewinnt und der andere verliert. Es wird in der Regel zum Vorteil beider abgeschlossen.

Der Grundgedanke: Jeder (egal, ob eine Volkswirtschaft oder der Einzelne) stellt das her oder bietet das auf dem Arbeitsmarkt an, was er am besten kann - also beispielsweise Autos oder das Schreiben von Wirtschaftstexten. Im Gegenzug werden Güter und Dienstleistungen von anderen bezogen.

Selbstverständlich stellen Volkswirtschaften ähnliche Produkte her, und andere Menschen mit ähnlicher Qualifikation bieten ihre Arbeitskraft an. Es gibt Wettbewerb. Diese Konkurrenz führt unter anderem tendenziell zu günstigeren Preisen und zu besserer Qualität als im Falle eines einzelnen konkurrenzlosen Anbieters. Und sie führt zur Spezialisierung.

Doch die Einfuhren aus anderen Ländern vernichten durchaus auch Arbeitsplätze im Inland. Abschottung vor der Konkurrenz etwa durch Schutzzölle ist allerdings in der Regel wenig zielführend: Das macht die Produkte teurer und bindet Ressourcen, die anderswo besser eingesetzt werden könnten. Ein Beispiel: Die deutsche Steinkohle wurde lange teuer subventioniert. Das hat weder große Jobverluste verhindert noch den Strukturwandel überflüssig gemacht.

Bushs Zölle vernichteten Jobs

Die bessere Antwort ist, dass sich eine Volkswirtschaft auf die Bereiche spezialisiert, in denen ihre Produkte hochwertiger, günstiger oder innovativer sind als anderswo, oder die frei gewordenen Ressourcen in Bildung und Forschung steckt. Was allerdings nichts daran ändert, dass solche Transformationen für die betroffenen Industrien und die dort arbeitenden Menschen hart sind - ein Blick in Richtung Ruhrgebiet oder auf den "Rust Belt" in den USA genügt.

Womit wir beim Stahl und beim Aluminium und bei Trump sind. Seine Schutzzölle bedeuten zweierlei: Die EU und China werden zurückschlagen. Und in den USA werden Stahl und Aluminium teurer - mit unschönen Konsequenzen.

Denn werden Zölle verhängt, um eine Industrie zu schützen, schadet das in der Regel anderen Branchen. Höhere Preise für Aluminium und Stahl in den USA bedeuten, dass etwa Autos, Hochhäuser, Konservendosen oder Kühlschränke teurer werden. Schätzungen zufolge sind in den USA 6,5 Millionen Menschen in Unternehmen beschäftigt, die Aluminium oder Stahl verwenden. Jedoch nur 140.000 US-Amerikaner arbeiten an deren Herstellung.

"Das ist eine Steuer auf amerikanische Familien", so Matthew Shay, Vorsitzender des US-Einzelhandelsverbands. "Wenn Kosten von Rohstoffen wie Aluminium und Stahl künstlich nach oben getrieben werden, müssen letztendlich alle Amerikaner die Rechnung in Form höherer Preise zahlen."

Das sehen die US-Bierbrauer ähnlich: "Wir verkaufen zunehmend Bier in Dosen", twitterte MillerCoors aus Chicago. Diese Maßnahme werde wahrscheinlich zu Job-Verlusten in der Bier-Industrie führen. "Wir kaufen so viel heimisches Aluminium wie möglich, doch es gibt hier einfach nicht ausreichend Angebot, um die Nachfrage der US-Bierbrauer zu erfüllen."

Die Autohersteller stoßen in dasselbe Horn: Sie fürchten, dass höhere Stahl- und Aluminiumpreise in den USA der europäischen und asiatischen Konkurrenz helfen. "Das führt zu einem Wettbewerbsnachteil der US-Autoindustrie, an der sieben Millionen Jobs hängen, so Matt Blunt vom Verband AAPC, der von General Motors, Ford und Chrysler gegründet wurde.

In Zahlen ausgedrückt: Das letzte Mal hatten die USA im Jahre 2002 Stahl-Zölle erhoben - und sie nach 20 Monaten wieder zurückgenommen. Einer Studie zufolge hatten die von George W. Bush verhängten Maßnahmen rund 200.000 Jobs gekostet - und damit mehr Arbeitsplätze vernichtet, als damals Menschen in der gesamten US-Stahlindustrie beschäftigt waren.