Wirtschaft
US-Präsident Donald Trump bezeichnet sich als "Zoll-Mann".
US-Präsident Donald Trump bezeichnet sich als "Zoll-Mann".(Foto: imago/ZUMA Press)
Mittwoch, 05. Dezember 2018

Zurück ins 19. Jahrhundert: Warum Trump auf Zölle steht

Von Jan Gänger

Donald Trump bekennt sich zu Zöllen. Der US-Präsident hält sie für ein geeignetes Mittel, um die Interessen seines Landes durchzusetzen. Seine Sympathie für Zölle dürfte allerdings auch auf einem Missverständnis beruhen.

Donald Trump mag Zölle. "Ich bin ein Zoll-Mann", twitterte der US-Präsident mit Blick in Richtung China und ergänzte: "Das ist der beste Weg, um die ökonomische Macht auszureizen". Das ist durchaus konsequent. Schließlich hat Trump immer wieder betont, dass die weltweit größte Wirtschaftsmacht Zölle als Waffe nutzen solle, um ihren Willen in Handelsfragen durchzusetzen. Oder wie es Trump ausdrückt: "Handelskriege sind gut, und sie sind leicht zu gewinnen."

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Trumps Handelsberater Peter Navarro sagte in einem Interview, der Präsident beziehe sich in seinem "Zoll-Mann"-Tweet auf einen seiner Lieblings-Vorgänger, William McKingsley. Der sei 1896 im Wahlkampf mit den Schlagworten "Wohlstand, Schutz, Patriotismus" unterwegs gewesen und habe sich als "Zoll-Mann mit einem Zoll-Programm" bezeichnet. Bekannt war McKingsley dafür, als Kongressabgeordneter im Jahre 1890 Zölle von bis zu 50 Prozent durchgesetzt zu haben.

Zur Einordnung: Zölle waren damals - im Gegensatz zu heute - eine der wichtigsten Einnahmequellen des Staates, da es beispielsweise keine Einkommenssteuer gab. Außerdem sind heutzutage die Lieferketten in einer globalisierten Industrie sehr viel komplexer als Ende des 19. Jahrhunderts. Für in den USA gefertigte Produkte werden Teile aus der ganzen Welt geliefert. Das heißt: Werden Zölle verhängt, um eine Industrie zu schützen, schadet das in der Regel anderen Branchen.

Der Gedanke hinter den Zöllen: Sie sollen die heimische Produktion vor ausländischer Konkurrenz schützen, indem Importe verteuert werden. Das soll US-Konsumenten dazu bewegen, in den Vereinigten Staaten Hergestelltes zu kaufen.

So helfen Woll-Zölle zwar denjenigen, die für den Heimatmarkt Wolle produzieren. Sie können ihre Ware teurer verkaufen. Das bedeutet aber auch, dass die Kosten für diejenigen steigen, die Wolle verarbeiten - und das führt dazu, dass sie den Preis für ihre Produkte erhöhen und Konsumenten beispielsweise für Kleidung mehr Geld ausgeben müssen. Mit anderen Worten: Der Verbraucher zahlt für die Zölle.

Recht des Stärkeren

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Höhere Preise für Aluminium und Stahl in den USA verteuern dort Autos, Hochhäuser, Konservendosen und Kühlschränke. Schätzungen zufolge sind in den USA 6,5 Millionen Menschen in Unternehmen beschäftigt, die Aluminium oder Stahl verwenden. Jedoch nur 140.000 US-Amerikaner arbeiten an deren Herstellung. Im Jahre 2002 hatten die USA wie im vergangenen Jahr Stahl-Zölle verhängt - und sie nach 20 Monaten wieder zurückgenommen. Einer Studie zufolge hatte die Maßnahme in den USA rund 200.000 Jobs gekostet und damit mehr Arbeitsplätze vernichtet als damals Menschen in der gesamten US-Stahlindustrie beschäftigt waren.

Doch Zölle haben für Trump einen politischen Zweck: Sie sollen seiner Kernwählerschaft helfen, beispielsweise Industriearbeitern im sogenannten Rust Belt, die sich als Verlierer der Globalisierung sehen.

Hinzu kommt: In Trumps Version von Kapitalismus gilt das Recht des Stärkeren. Das hat er als schon Immobilienmagnat vorgelebt. Er sieht in Handel nicht etwas, von dem beide Seiten profitieren. Für Trump ist Handel ein Wettstreit, in dem die Gewinne der einen Seite zwingend die Verluste der anderen Seite sind. Das enorme Handelsdefizit mit China oder Deutschland ist in den Augen Trumps eine Niederlage der USA. Daraus resultiert seine Abneigung von Freihandel und Sympathie für Handelsprotektionismus, mit dem er die USA "wieder groß machen" will.

Dass Trump sich zu Zöllen bekennt, dazu könnte auch ein Missverständnis wesentlich beitragen. Er ist offenbar davon überzeugt, dass Zölle von denjenigen Ländern oder ausländischen Firmen entrichtet werden, gegen die US-Zölle verhängt werden. "Milliarden von Dollar strömen in das Staatssäckel der USA aufgrund der Zölle, die von China verlangt werden", twitterte der Präsident etwa Ende November. Das ist allerdings ein Irrtum.

Die Zölle werden von den Importeuren bezahlt, die die entsprechenden Waren im Auftrag eines US-Unternehmens einführen. Diese reichen die Kosten meistens an ihre Kunden weiter oder übernehmen sie selbst. Gelegentlich gelingt es ihnen, bei ihren chinesischen Lieferanten Preisnachlässe durchzusetzen - so kommt die chinesische Seite zumindest indirekt für höhere Zölle auf. Es ist aber nicht so, dass der Zoll direkt von Fabriken in Shenzen oder Guangzhou kassiert wird. In der Regel zahlen US-Unternehmen oder amerikanische Verbraucher die von der US-Regierung verhängten Zölle.

Doch davon lässt sich Trump nicht beeindrucken.

Quelle: n-tv.de