Wirtschaft

Ende historischer Preisrally?Warum Zentralbanken tonnenweise Gold verkaufen

29.04.2026, 13:25 Uhr
imageVon Max Borowski
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Die Bundesbank sitzt auf dem zweitgrößten Goldschatz der Welt. Ökonom Marcel Fratzscher regte kürzlich an, diese Reserven zu Geld zu machen und für Investitionen zu nutzen. (Foto: picture alliance / Bundesbank/Bundesbank/dpa)

In den vergangenen Jahren kauften Zentralbanken Tausende Tonnen Gold, um ihre Währungsreserven zu diversifizieren. Damit heizten sie eine historische Goldpreisrally an. Seit Beginn des Iran-Kriegs gibt es Berichte über massive Verkäufe.

Niemand hat in den letzten beiden Jahren so viel Gold gekauft und damit dazu beigetragen, den Preis des Edelmetalls auf Rekordhöhe zu treiben, wie Adam Glapinski. Doch kürzlich erstaunte der Chef der polnischen Zentralbank mit einer Äußerung, die darauf hindeutet, dass sich der wichtigste Trend hinter der historischen Goldrally der letzten Jahre abschwächen oder sogar enden könnte. Glapinski schlug vor, erhebliche Teile Zentralbankgoldes zu verkaufen, um Aufrüstung zu finanzieren. Zugleich haben mehrere andere Staaten in den vergangenen Wochen größere Mengen Gold auf den Markt geworfen.

Polens Notenbank hat in den vergangenen Jahren rund ein Viertel seiner Währungsreserven seines Landes in Gold umgeschichtet. Mit 550 Tonnen Gold verfügt die Notenbank in Warschau bereits über einen der zehn größeren Bestände der Welt. Glapinski hatte das damit begründet, dass Gold besonders geeignet sei, um für Notlagen vorzusorgen. Genauso sahen das viele andere Notenbankchefs auch. Insgesamt kauften die Währungshüter weltweit in den Jahren von 2022 bis 2024 jeweils mehr als 1000 Tonnen Gold, 2025 waren es noch gut 860 Tonnen. Das geht aus Daten des Branchenverbands World Gold Council (WGC) hervor.

Diese Käufe waren eine der treibenden Kräfte für die Vervielfachung des Goldpreises innerhalb weniger Jahre. Der Preis für eine Feinunze knackte einen Rekord nach dem anderen - bis zu einem Höchststand von fast 5600 Dollar Ende Januar dieses Jahres. Seitdem sackte der Goldpreis um mehr als 1000 Dollar ab. Allein seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar fiel der Goldpreis zeitweise um rund 700 Dollar. Derzeit kostet eine Feinunze rund 4600 Dollar.

Für die Zeit seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar liegen noch keine vollständigen Daten vor. In den ersten drei Monaten des Jahres sollen die Zentralbanken dem WGC zufolge ihre Goldbestände netto weiter um gut 240 Tonnen erhöht haben. Das passt zum Preisrekord des Edelmetalls im Januar.

"Krisenwährung" erfüllt ihre Funktion

Nach Kriegsbeginn dürften allerdings die Verkäufe stark angestiegen sein. Bekannt ist, dass allein die türkische Notenbank ihren Goldbestand im März um 131 Tonnen verringert - nicht nur durch Verkäufe, sondern auch durch sogenannte Swapgeschäfte. Das heißt, sie hinterlegte das Gold für einen zeitlich begrenzten Tausch gegen Devisen. Das Geld brauchte die Zentralbank, um am Devisenmarkt die türkische Lira zu stützen. Die Währung ist seit Beginn des Kriegs im Nachbarland Iran vor allem durch die steigenden Energiepreise unter Druck geraten.

Insbesondere von Energie-Importen abhängige Schwellen- und Entwicklungsländer benötigen wegen des stark gestiegenen Ölpreises zusätzliche Liquidität, um Devisen für den Energie-Import bereitzustellen. Bekannt ist unter anderem, dass jüngst auch Ghanas Zentralbank Gold verkaufen musste, um sich Liquidität zu verschaffen. Zu den größten Goldverkäufern in diesem Jahr gehörte auch die russische Zentralbank, die der "Moscow Times" zufolge bis Ende März knapp 22 Tonnen Gold verkaufte. Mit dem Erlös sollen offenbar Löcher im russischen Staatshaushalt gestopft werden.

Aus dieser Verkaufswelle folgt nicht zwingend, dass die Zentralbanken weltweit ihre Goldbestände insgesamt abbauen. Einige Währungshüter nutzen offenbar die Preiskorrektur, um weiter kräftig zuzukaufen, darunter - trotz der Verkaufserwägungen ihres Chefs - auch die polnische Notenbank.

Die größeren Verkäufe im Zuge der Iran-Krise und der Preisrückgang bedeuten nach Ansicht des WGC auch nicht, dass Gold seine Rolle als "Krisenwährung" oder "sicherer Hafen" nicht erfülle. Im Gegenteil: Die Entwicklung unterstreiche, warum Zentralbanken Goldreserven aufbauten, sagte der Zentralbankexperte des WGC, Shaokai Fan, dem US-Sender CNBC: Weil Gold ein liquider Wert sei, der sich auch in unsicheren Zeiten typischerweise gut entwickle "und deshalb dann eingesetzt werden kann, wenn er gebraucht wird". Dieser Zeitpunkt ist für einige Zentralbanken offenbar jetzt in der Iran-Krise gekommen.

Quelle: ntv.de

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