Wirtschaft

"Tut das, was Nancy tut" Warum das Netz Trades von Nancy Pelosi feiert

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Das Gesetz verpflichtet Kongressmitglieder, nicht nur die eigenen Aktiengeschäfte, sondern auch die ihrer Familie offenzulegen.

(Foto: REUTERS)

Beiträge auf verschiedenen Online-Plattformen lassen glauben, die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sei eine überaus erfolgreiche Investorin. Das ist seltsam, denn sie selbst besitzt gar keine Aktien. Was es mit ihren heißen Wetten auf sich hat.

Nancy Pelosi ist die größte Investorin aller Zeiten, da ist sich ein Nutzer des Online-Portals Reddit sicher. Nicht Warren Buffett oder Peter Lynch oder Bill Gates, schreibt der Verfasser, der sich gorays21 nennt, sondern Nancy Pelosi.

Sie habe Calls auf Roblox, einer Onlinespieleplattform - die am Mittwoch Gewinnzahlen vorgelegt hat. "Erinnert euch, das Genie Pelosi hat Google-Calls vor dem Aktiensplit gekauft, und Disney-Calls - mit spektakulären Ergebnissen."

Gorays21 steht mit seiner Bewunderung für Pelosi nicht alleine da: Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses von den Demokraten ist auf diversen Plattformen zu einer Investmentikone avanciert. Dabei kauft und verkauft sie selbst gar keine Aktien, besitzt nicht einmal welche, wie Sprecher im Sommer des vergangenen Jahres verrieten. Auch wenn ein Reddit-Nutzer schreibt "Tut das, was Nancy tut": Die Trades, die der Demokratin auf diversen Plattformen zugeschrieben werden, sind eigentlich die ihres Mannes.

Trades sind öffentlich einsehbar

Paul Pelosi ist ein 81-jähriger Geschäftsmann, dem eine Immobilien- und Kapitalanlagefirma gehört - und der offenbar ein glückliches Händchen an der Börse hat. Was seine Trades für die Forenteilnehmer so interessant macht: Sie können sie minutiös nachverfolgen – und damit auch nachahmen.

Denn die US-amerikanische Gesetzgebung verpflichtet Kongressmitglieder, nicht nur die eigenen Aktiengeschäfte, sondern auch die ihrer Familie offenzulegen. So kann zum Beispiel in einer Meldung aus dem Dezember 2021 jeder einsehen, dass Paul Pelosi unter anderem auf Aktien von Alphabet, Micron Technology, Walt Disney und Roblox gesetzt hat. Generell stehen Tech-Aktien bei ihm hoch im Kurs.

In dem Reddit-Forum "WallStreetBets" werden die Trades heiß diskutiert, mal gefeiert, mal kritisiert. Manch ein Teilnehmer wünscht sich gar einen "Pelosi-ETF", der die Aktienkäufe abbildet. Die Teilnehmer des Forums "WallStreetBets" waren es übrigens auch, die Anfang 2021 die Gamestop-Aktie in ungeahnte Höhen schießen ließen. Hedgefonds verloren damals massiv, laut dem Forschungs- und Analyseunternehmen Ortex waren es rund elf Milliarden Dollar.

Auf Tiktok bekommen Videos über Pelosis Trades Tausende, manchmal sogar Hunderttausende Aufrufe. Und auch bei Twitter häufen sich Diskussionen über die Investments.

Die von Nancy Pelosi gemeldeten Trades erregen besondere Aufmerksamkeit, wohl weil sie als Sprecherin des Repräsentantenhauses unter besonderer Beobachtung steht, dazu sind die Pelosis enorm wohlhabend. Dabei ist sie bei weitem nicht die einzige Abgeordnete, die Aktiengeschäfte meldet - und auch nicht die erfolgreichste: Der Blog "Unusual Whales" hat die Pflicht-Meldungen ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass die Trades der Pelosis zwar die erfolgreichsten unter den Demokraten sind - allerdings gibt es demnach fünf Republikaner, die 2021 erfolgreicher waren.

Politisch heikel

Nancy Pelosi selbst, das betonte ein Sprecher, sei in keinerlei Transaktionen eingebunden. Denn auch wenn viele Forenteilnehmer sie - beziehungsweise ihren Mann - bewundern, sind die Aktiengeschäfte ein politisch heikles Pflaster für die Demokratin.

Hinzu kommt, dass in den USA gerade über ein Gesetz debattiert wird, das den Handel mit einzelnen Aktien für Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus verbieten soll. Nancy Pelosi galt lange als Gegnerin der Regelung, sagte, auch Parlamentarier sollten sich am freien Markt beteiligen können.

Mit dieser Position machte sich Pelosi bei den Linken in ihrer Partei nicht unbedingt beliebt. Der Hintergrund: Abgeordnete, so der Vorwurf, haben Zugang zu Informationen, die ihnen am Aktienmarkt einen Vorteil verschaffen können.

Alexandria Ocasio-Cortez zum Beispiel, ebenfalls Abgeordnete im Repräsentantenhaus, spricht sich deutlich für Einschränkungen aus: Es sei "absolut lächerlich", dass Kongressmitglieder während ihrer Amtszeit Einzelaktien halten und handeln können. "Der Zugang und Einfluss, den wir haben, sollte für das öffentliche Interesse genutzt werden, nicht für unseren Profit", schreibt sie auf Twitter. "Es sollte nicht legal sein, dass wir mit den Informationen, die wir haben, mit einzelnen Aktien handeln."

Zuletzt lenkte auch Pelosi ein, wenn auch nicht euphorisch: Wenn andere Abgeordnete für das neue Gesetz seien, dann würde sie es auch unterstützen. Das Gesetz soll nicht nur Aktiengeschäfte von Abgeordneten, sondern auch von deren Ehepartnern verbieten. Pelosi merkte an, das Verbot, mit Einzelaktien zu handeln, solle dann aber auch für den Supreme Court gelten – denn bislang müssen dort Aktiengeschäfte nicht gemeldet werden.

Der Artikel erschien zuerst bei Capital.de.

Quelle: ntv.de

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