Wirtschaft
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Freitag, 02. Februar 2018

Rasanter Absturz: Warum es für die Kryptos nach unten geht

Von Nicolas Saurenz

Für Kryptowährungen geht es steil bergab. Der Kursverfall gewinnt an Fahrt. n-tv.de hat die fünf wichtigsten Gründe für den Absturz zusammengestellt.

Das sieht unerfreulich aus: Kryptowährungen verlieren kräftig an Wert. Bitcoin durchbricht die Marke von 8000 Dollar, im Dezember hatte der Preis noch bei fast 20.000 Dollar gelegen. Wieso geht es so kräftig abwärts?

1. Der verflixte Januar

Nach der imposanten Kursrally von rund 2000 Prozent im vergangenen Jahr war Bitcoin reif für eine Korrektur. Mittlerweile kostet ein Bitcoin weniger als 8000 Dollar - und ist dennoch rund zehn Mal so teuer wie vor einem Jahr. Auch in den Vorjahren hatte die Krypto-Rally im Januar eine Pause eingelegt - und die Kurse korrigierten deutlich. In Zahlen ausgedrückt: In den vergangenen drei Jahren lag die Spanne für den Verlust im Januar zwischen 22 und 49 Prozent. Und das kann Bitcoin-Fans Hoffnung machen: Die jeweils im Januar ausgebildete Tiefpunkte waren gleichzeitig das Jahrestief.

2. Grenzenlose Euphorie

"There ain't no such thing as a free lunch" - an der Börse gibt es nichts umsonst. Diese Weisheit wird gerne von Börsianern zitiert, und sie wurde von Kryptoanlegern deutlich überstrapaziert. Die Euphorie war nicht nur bei Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen groß. Zahlreiche Unternehmen wollten die Gunst der Stunde nutzen und auf der Bitcoin-Welle reiten. Unverbindliche Ankündigungen, "was mit Blockchain" zu machen, sorgen für satte Kursgewinne. Ein Beispiel: Eine US-amerikanische Eistee-Frima mit 29 Mitarbeitern teilte mit, sie werde sich umbenennen - und zwar in Long Blockchain Corp. Außerdem sei der künftige Fokus "die Erforschung von und das Investieren in Möglichkeiten, die dem Nutzen der Blockchain-Technologie zum Durchbruch verhelfen".  Auf dieser Technologie basieren Kryptowährungen wie Bitcoin. Die Aktie stieg daraufhin um 500 Prozent.

Rund 1500 Kryptowährungen gibt es bereits - und einige Erfinder tun nicht einmal so, ein seriöses Konzept zu haben. So wurde der "Spaß-Coin" Dogecoin nur erfunden, um die grenzenlose Euphorie zu persiflieren. Das Ganze wurde zur Real-Satire: Anleger trieben die Bewertung auf zwei Milliarden US-Dollar in die Höhe.

3. Regulierung

Am 7. Januar hatte die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen bei 830 Milliarden US-Dollar gelegen. Sie waren damit fast so viel wert wie der wertvollste Konzern der Welt - Apple. Seitdem hat sich ihr Wert zwar auf knapp 400 Milliarden mehr als halbiert. Doch angesichts dieser Größe war es nur eine Frage der Zeit, bis Regierungen beginnen, den Kryptomarkt zu regulieren.

Neben praktischen Interessen im Kampf gegen Steuerhinterziehung oder Geldwäsche haben sie das Ziel, den relativ neuen Markt für virtuelle Währungen mit seinen drastischen Kursausschlägen zu zügeln. So will beispielsweise die indische Regierung Zahlungen mit Kryptowährungen verbieten. In Südkorea, einer Hochburg der Spekulation mit Cyber-Devisen, kündigte die Regierung eine Regulierung an und schaffte beispielsweise die Anonymität ab. Nutzer müssen sich mit ihrem echten Namen auf den Handelsplattformen registrieren. Ursprünglich hatte die Regierung sogar erwogen, den Handel komplett zu verbieten. In China wurden die Internet-Zugänge zu Kryptobörsen blockiert. Außerdem sind dort so genannte Initial Coin Offerings verboten, bei denen Firmen durch die Ausgabe neuer virtueller Währungen Geld bei Investoren einsammeln.

Derzeit sorgen Nachrichten über mehr Regulierung für Rücksetzer. "Für Krypto-Trader in Südkorea und Japan war es lange Zeit normal, pro Coin 20 bis 30 Prozent mehr zu zahlen als der Rest der Welt. Diese Entwicklung war aus meiner Sicht eine der wichtigsten Ursachen für den jüngsten Pullback", glaubt Mati Greenspan von der Social-Trading-Plattform eToro. Langfristig liege in der Regulierung jedoch die Chance, aus Kryptowährungen eine "solide" Anlageklasse zu schaffen.

4. Sicherheit

Auch im noch jungen Jahr setzten sich die Sicherheitsprobleme vieler Kryptowährungen und -börsen fort. Auf der japanischen Plattform Coincheck erbeuteten Hacker Tokens der Währung NEM im Gegenwert von 500 Millionen US-Dollar. Bei IOTA überlisteten Diebe zahlreiche Nutzer mit gefälschten Internetseiten und räumten deren Wallets, also die digitalen Krypto-Depots, leer.

5. Dubiose Anbieter

Den letzten Hieb erhielt Bitcoin von den Vorwürfen gegen die Handelsplattform Bitfinex und die Währung Tether. Er soll eine Art Reservewährung sein und ist theoretisch an den US-Dollar gekoppelt. Die Idee dahinter: Im Krisenfall können Krypto-Investoren ihre Bestände in Tether tauschen, dort "parken" und müssen nicht den Weg in Dollar oder Euro suchen.

Der Wert eines Tether beträgt immer einen Dollar. Schließlich kann er beim gleichnamigen Unternehmen - angeblich - gegen einen Dollar eingelöst werden. Die Macher von Tether haben angeblich mehr als zwei Milliarden Dollar auf dem Konto - als Sicherheit für ihre Digitalwährung.

Daran gibt es Zweifel, Bitfinex und Tether konnten die Hinterlegung nicht nachweisen. So verdächtigt unter anderem Star-Ökonom Nouriel Roubini Tether, nichts anderes als ein Milliardenbetrug zu sein, der vor allem dazu dient, den Bitcoin-Kurs nach oben zu manipulieren.

Quelle: n-tv.de