Wirtschaft

Populistische Wirtschaftspolitik Was wir von Perón über Trump lernen können

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Die Trump-Rally an den Börsen könnte noch eine Weile andauern. Dass heißt Ökonomen zufolge aber nicht, dass seine Politik nachhaltig ist.

(Foto: AP)

Populisten glauben, dass es für ihre Wirtschaftspolitik keine Beschränkungen gibt - dass sie Ausgaben nicht gegenfinanzieren müssen. "Die brummende Wirtschaft" wird schon Geld in die Kassen spülen, sagt Trump zum Beispiel. Kurzfristig klappt das sogar.

Populisten können sich bestätigt fühlen - nicht nur durch den für etablierte Experten völlig überraschenden Wahlsieg von Donald Trump in den USA und den ebenso falsch vorhergesagten Ausgang des Brexit-Referendums in Großbritannien, sondern vor allem durch das, was seitdem in der Wirtschaft passiert. Nahezu alle bekannten Ökonomen hatten verheerende Folgen für beide Entscheidungen prophezeit, wovon bislang sowohl in den USA als auch in Großbritannien kaum etwas zu spüren ist. Vor allem in den USA boomt die Wirtschaft. Die Aktienindizes stellen einen Rekord nach dem anderen auf.

Ist die Kritik an Trumps krudem Wirtschaftsprogramm also widerlegt? Ein Blick in die Geschichte populistischer Wirtschaftsexperimente deutet eher auf das Gegenteil hin. Ein euphorischer Boom, angeheizt durch Steuersenkungen und großangelegte Ausgabenprogramme - oft flankiert durch eine Abschottung mittels protektionistischer Maßnahmen - stand oft am Anfang populistischer Politik, wie der deutsch-amerikanische Wirtschaftsforscher Rüdiger Dornbusch schon vor mehr als 20 Jahren analysierte.

Zwischen der Wirtschaftspolitik der lateinamerikanischen Populisten und dem bisher hauptsächlich aus Ankündigungen bestehenden Wirtschaftsprogramm Trumps gibt es viele Gemeinsamkeiten. "Populisten lehnen die Idee ab, dass es Beschränkungen für die Wirtschaftspolitik gibt", schreiben die Mitglieder European Economic Advisory Group, der unter anderem der Chef des Münchener Ifo-Instituts Clemens Fuest angehört.

Trumps Äußerungen sind typisch für diese Vorstellung. "Das Geld kommt von einer brummenden Wirtschaft", antwortete Trump jüngst auf die Frage, wie er sein milliardenschweres Investitionsprogramm finanzieren und gleichzeitig Steuern senken und die Schulden nicht erhöhen wolle. Trump ignoriere, "was wir in der Ökonomie 'Trade-offs' nennen, also Güterabwägung: Wenn ich etwas tue, das an einer Stelle hilft, erzeuge ich Kosten an anderer Stelle", erklärt Fuest.

In vier Phasen zum Crash

Langfristig, sind sich die Wirtschaftsexperten sicher, könne Trumps Politik ebensowenig erfolgreich sein, wie die auf ähnlichen Prämissen beruhende Wirtschaftspolitik eines Juan Perón in Argentinien oder eines Hugo Chavez und seines Nachfolgers Nicolas Maduro in Venezuela.

Dornbusch beschrieb vier typische Phasen eines populistischen Wirtschaftsexperiments: Zunächst scheint die neue Politik erfolgreich: Die durch zusätzliche Ausgaben angekurbelte Wirtschaft wächst kräftig, die Löhne steigen. Dann jedoch explodieren die Schulden und auch die Inflation steigt drastisch an. Die Populisten greifen noch stärker in die Wirtschaft ein - etwa mit Preiskontrollen, massiven Subventionen und Protektionismus. In Phase drei gerät das Experiment außer Kontrolle. Es kommt zu Versorgungsengpässen, Hyperinflation und Kapitalflucht. Die Wirtschaft bricht zusammen. In der letzten Phase kommt eine neue Regierung an die Macht, die die Scherben aufkehren muss.

Auch wenn Trumps Wirtschaftsprogramm zum Großteil auf denselben Annahmen beruht wie das der lateinamerikanischen Populisten, heißt das allerdings nicht, dass der US-Wirtschaft der unmittelbare Zusammenbruch droht. Wie lange das Experiment gut geht, hängt stark von den Voraussetzungen ab, die der Populist vorfindet. Und in den USA seien die günstig für Trump, schreibt der Wirtschaftsprofessor und ehemalige chilenische Finanzminister Andrés Velasco in einem Kommentar für "Project Syndicate". So seien unter anderem das Wirtschaftswachstum und die Inflationsgefahr derzeit eher niedrig und der Spielraum für steigende Preis noch hoch. Zudem seien die USA anders als die meisten lateinamerikanischen Länder in ihrer eigenen Währung verschuldet und die Zinsen lägen praktisch bei null. Eine Schuldenkrise ist auch bei einen erhöhten Defizit zunächst nicht in Sicht.

"Am Ende", schreibt Velasco, könne aber auch Trump die Prinzipien der Wirtschaftswissenschaften nicht außer Kraft setzen. Auch Trumps populistischer Wirtschaftskurs werde scheitern, wie von den Experten vorhergesagt. Allerdings könne es durchaus noch eine ganze Zeit dauern, bis dieses "Ende" kommt.  

Quelle: n-tv.de

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