Wirtschaft

Trump frohlockt über Jobprogramm Weißes Haus schreibt Exxon-Mitteilung ab

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Der Pressestab der US-Regierung rund um Sean Spicer hat offenbar bei den Kollegen vom Ölkonzern ExxonMobil abgeschrieben.

(Foto: REUTERS)

Der Ölriese ExxonMobil kündigt an, zehntausende neue Jobs in den USA zu schaffen. Donald Trump ist davon offenbar so begeistert, dass sein Pressestab die Jubelmeldung des Konzerns nahezu wortgenau abschreibt.

Als Donald Trump im Dezember Rex Tillerson zum Außenminister machte, musste er scharfe Kritik einstecken. Wegen Tillersons Vergangenheit als Boss des Ölkonzerns Exxon Mobil drohe eine Verschmelzung von Politik und Wirtschaft, warnten Kritiker damals. Nun scheinen sich die Befürchtungen zu bestätigen: Das Weiße Haus hat in einer Pressemitteilung ganze Passagen einer Exxon-Pressemitteilung wortgetreu kopiert.

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In dem Exxon-Text, der um 15.10 Uhr (Ortszeit) veröffentlicht worden ist, kündigt Tillersons Nachfolger Darren Woods Milliardeninvestitionen in den USA an: "ExxonMobil investiert strategisch in neue Raffinerien und Chemiewerke an der US-Golfküste, um seine Produktion sowie Exportkapazitäten auszuweiten", heißt es unter anderem in der Mitteilung. Bis zum Jahr 2022 sollen demnach insgesamt 20 Milliarden Dollar in die Werke an der Golfküste gepumpt werden. Dadurch würden mehr als 45.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

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Nur 34 Minuten später veröffentlichte das Weiße Haus seine Pressemitteilung. Darin lobt Trump das "ehrgeizige Investitionsprogramm" des Ölkonzerns: Dieses Konjunkturprogramm werde "dabei helfen, Amerikaner zurück in Arbeit zu bringen". Einige Zeilen darunter ähneln die Sätze in der Mitteilung dann verdächtig denen aus dem Exxon-Statement, wie Christopher Ingraham von der "Washington Post" zuerst auf Twitter dokumentierte. "ExxonMobil investiert strategisch in neue Raffinerien und Chemiewerke an der US-Golfküste, um seine Produktion sowie Exportkapazitäten auszuweiten", heißt es im vorletzten Absatz wortgleich wie in der Exxon-Mitteilung. Auch die folgenden beiden Sätze aus der Regierungsmitteilung entsprechen exakt dem Wortlaut der Exxon-Pressestelle.

Das Weiße Haus wusste in seiner Mitteilung offenbar genauer als der Konzern selbst, wie viele Jobs geschaffen werden: Es seien vorübergehend 35.000 neue Arbeitsplätze im Bausektor und 12.000 neue Dauerarbeitsplätze zu erwarten, schlüsseln die Mitarbeiter rund um Pressesprecher Sean Spicer auf. In der Exxon-Mitteilung fehlen diese Details. Diese Jobs würden "einen Multiplikatoreffekt" haben, heißt es im abschließenden Satz – der ebenfalls aus der Exxon-Mitteilung kopiert worden ist.

Trump verkündete wenig später euphorisch auf Twitter, dass "gerade ein unglaublicher Geist des Optimismus' durchs Land" fege. Wenn es nur um die Ankündigung neuer Jobs geht, dann weht dieser Geist allerdings bereits seit vier Jahren durch die USA – das Investitionsprogramm von ExxonMobil wurde schon 2013 angekündigt. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge sind viele Öl-Analysten deshalb kaum beeindruckt vom vermeintlichen Jobwunder bei Exxon – anders als die Trump-Regierung.

Quelle: ntv.de, cri