Wirtschaft

Experten sind sich sicher Weitere Fed-Zinsanhebung wird erwartet

523b8c87af092be6f3de7c32fba42871.jpg

Jerome Powell ist seit Anfang Februar Chef der US-Notenbank.

(Foto: REUTERS)

Die US-Notenbank Fed wird wohl die geldpolitischen Zügel weiter anziehen. Eine höhere Inflation durch massive Steuersenkungen sowie der schwache Dollar zwingen sie dazu. Allerdings muss die Fed sich auch auf den unberechenbaren Präsidenten Trump einstellen.

Taktvorgabe mit Hindernissen: Überschattet vom drohenden Handelskrieg steckt die US-Notenbank Federal Reserve ihren künftigen geldpolitischen Kurs ab. Allgemein erwartet wird, dass der neue Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch eine Anhebung des Leitzinses verkündet, mehrere weitere Schritte könnten in diesem Jahr folgen. Die Fed selbst hatte zuletzt ein eher behutsames Anziehen der geldpolitischen Zügel signalisiert. Doch eine Unwägbarkeit könnte den Notenbankern dabei einen Strich durch die Rechnung machen: die unberechenbare Politik von Präsident Donald Trump.

Daran, dass Fed-Chef Powell, der Anfang Februar Janet Yellen an der Spitze der US-Notenbank abgelöst hatte, an der Zinsschraube dreht, gibt es unter Beobachtern kaum Zweifel. Denn gleich mehrere Faktoren treiben in den USA die Inflation an - Trumps massive Steuersenkungen etwa, sowie der vergleichsweise schwache Dollar, durch den sich für US-Konsumenten die Preise importierter Waren erhöhen.

Doch in welchem Tempo die Fed die Zinsen anhebt, um die Inflation im Zaum zu halten, bleibt die große Frage: Erst Anfang Februar hatte die Sorge, die Notenbank könne angesichts robuster Lohnzuwachsdaten den Leitzins in diesem Jahr vier Mal anheben, Unruhe an den Finanzmärkten geschürt und zeitweise zu drastischen Kursverlusten geführt.

"Lasst uns nicht durchdrehen"

Die Fed signalisierte daraufhin, dass eine sachte, schrittweise Anhebung ihrer Auffassung nach nicht die Konjunktur abzuwürgen drohe und zugleich Lohnzuwächse erlaube, ohne die Inflation zu stark anzukurbeln. Die Notenbank versuche, den Märkten zu vermitteln, "lasst uns nicht durchdrehen", sagt Wirtschaftsforscher Joseph Gagnon vom Peterson Institute for International Economics.

Die US-Wirtschaftsdaten entwickelten sich seit der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed im Januar eher durchwachsen. Das Handelsdefizit vergrößerte sich, die Verkäufe im Einzelhandel sowie auf dem Auto- und Häusermarkt entwickelten sich schwächer als zuvor, auch die Bestellungen für Gebrauchsgüter blieben hinter den Erwartungen zurück.

Unsicherheitsfaktor Trump

Die Stimmung in der Industrie und bei Dienstleistungsunternehmen ist hingegen ausgesprochen positiv, das Vertrauen der Konsumenten gar auf einem Rekordhoch. Zugleich liegt die Arbeitslosigkeit auf dem historischen Tiefstand von 4,1 Prozent, allein im Februar wurden 313.000 neue Stellen geschaffen.

Doch Trump, der über vier derzeit noch vakante Stellen im Gouverneursrat der Fed die geldpolitische Ausrichtung der Notenbank für Jahre prägen kann, bleibt zur gleichen Zeit ein Unsicherheitsfaktor. Denn seine protektionistischen Strafzoll-Androhungen könnten eine Spirale von Vergeltungsmaßnahmen etwa seitens China oder der EU in Gang setzen. Das wiederum könnte die Preise in den USA weitaus stärker steigen lassen als bislang - und damit die Fed nötigen, bei der weiteren Abkehr von der lockeren Geldpolitik stärker als gewollt aufs Tempo zu drücken.

"Wir sitzen beim Handel auf einem Pulverfass", urteilte jüngst die Analystin Diane Swonk von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton. Ein Handelskrieg drohe nicht nur dem Wachstum zu schaden, sondern auch auf den US-Staatshaushalt durchzuschlagen. Es sei "wie bei einer Familie, die von verfeindeten Lagern oder nur einem üblen Spieler auseinandergerissen wird - jeder verliert."

Quelle: ntv.de, wne/AFP