Wirtschaft

"Die fetten Jahre sind vorbei" Weltweit mehr Firmenpleiten erwartet

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Vor allem in China werden die Insolvenzzahlen Experten zufolge wohl deutlich steigen.

(Foto: imago stock&people)

Das langsamere Wirtschaftswachstum in vielen Ländern reicht Experten zufolge nicht mehr aus, um einen Anstieg von Insolvenzen zu verhindern. Glimpflich kommt Europa durch den schwächer werdenden Aufschwung. Sorge bereitet dem Kreditversicherer Euler vor allem ein Land.

Im laufenden Jahr wird es weltweit voraussichtlich abermals mehr Firmenpleiten geben als im Vorjahr. Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet in einer Studie mit einem Anstieg der Insolvenzen um rund sechs Prozent zum Vorjahr. Deutschland stemmt sich allerdings gegen den Trend, hier erwartet Euler Hermes gleichbleibende Fallzahlen.

"Weltweit steigen die Insolvenzen 2019 bereits zum dritten Mal in Folge", sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Euler Hermes und Vize-Chefvolkswirt der Allianz. "Dieses Jahr sogar in zwei von drei Ländern. Das zeigt: Die fetten Jahre sind vorbei, die weltweite Konjunktur schwächelt." Viele Länder wüchsen langsamer als notwendig, um die Insolvenzen stabil zu halten. Schlusslicht ist laut Studie China. Hier rechnet Euler Hermes mit einem Anstieg der Insolvenzen um ein Fünftel. In Westeuropa wird ein Plus von drei Prozent gesehen.

Die Volkswirte begründen die Zunahme damit, dass Wachstum und Nachfrage in zahlreichen Ländern und bei zahlreichen Unternehmen nicht mehr ausreichten, um Produktions-, (Re-)Finanzierungskosten oder Investitionen im Zuge eines Strukturwandels zu decken.

"Weitere Gründe sind das Ende des leichten Geldes, eine historisch hohe Verschuldung von Unternehmen, neue Insolvenzregeln oder wie in China, die wesentlich größere Bereitschaft, Insolvenzverfahren auch anzuwenden", sagte Volkswirt Subran. "Zudem gibt es eine 'Extraportion' Insolvenzen in den Ländern, in denen in den letzten Jahren Neugründungen stark angestiegen sind. Viele dieser jungen Firmen schaffen es nicht."

Deutsche Firmen durch Exporte betroffen

Neben Deutschland dürften auch in den USA und den Niederlanden die Fallzahlen stabil blieben. Deutsche Unternehmen seien aufgrund ihrer starken Exportorientierung von den weltweit steigenden Pleitezahlen aber besonders betroffen. "Bei erneuten Spannungen und Handelskonflikten gehören sie ebenfalls zu den größten Verlierern, insbesondere in der Automobilindustrie", sagte Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

In Großbritannien dürften sich die Insolvenzen im Falle eines ungeordneten Ausstiegs aus der Europäischen Union kräftig beschleunigen. Das Brexit-Drama schlage zunehmend auf die britischen Unternehmen durch, sagte van het Hof. "Schon 2018 sind die Pleiten auf der Insel mit 12 Prozent überdurchschnittlich stark gestiegen. 2019 kommen weitere 9 Prozent hinzu. Auch ein 'No Deal'-Brexit ist noch nicht vom Tisch. In diesem Fall wäre der Anstieg der Pleiten mit 20 Prozent noch größer. Das führt durch Dominoeffekte zunehmend auch in den Lieferketten zu Problemen."

Quelle: n-tv.de

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