Wirtschaft

Betriebsrat erzürnt Werft lässt online zu Kündigungen abstimmen

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Im Januar 2020 feierte die Meyer-Werft noch ihr 225. Gründungsjubiläum - dann brach die Corona-Pandemie über sie herein.

(Foto: picture alliance/dpa)

660 Jobs weg, und dem Vernehmen nach 200 unbezahlte Überstunden pro Angestelltem und Jahr? Oder 1000 Stellen weg? Die Meyer-Werft fragt dies im Anschluss an eine digitale Veranstaltung ihre Mitarbeiter in einer Online-Umfrage. Der Betriebsrat fühlt sich übergangen.

Im Ringen um den Kurs bei der Meyer-Werft hat die Geschäftsführung Mitarbeiter über einen Stellenabbau abstimmen lassen - und damit den Betriebsrat auf die Barrikaden gebracht. Im Anschluss an eine digitale Informationsveranstaltung am Morgen stimmten nach Angaben des kriselnden Kreuzfahrtschiffbauers 93 Prozent von rund 1500 teilnehmenden Beschäftigten für den von der Werft-Leitung vorgeschlagenen "Weg A". Dieser sieht vor, dass 660 Jobs wegfallen sollen, wenn die restliche Belegschaft zu einem Beitrag bereit sei. Als solcher waren bislang 200 unbezahlte Überstunden im Jahr genannt worden.

Von 1557 Mitarbeitern stimmten demnach 1446 für diesen Vorschlag. Für den zweiten der beiden Vorschläge, die die Werft in Papenburg an der Ems bereits am Donnerstag vorgestellt hatte, gab es demnach keine Mehrheit. Dieser sieht vor, dass ohne Mitarbeiterbeitrag 1000 Stellen wegfallen sollen.

Der Betriebsrat kritisierte das Vorgehen der Werft-Leitung als "rechtswidrig". Die Geschäftsführung habe damit einen Versuch unternommen, die Belegschaft zu spalten und Stimmung gegen den Betriebsrat zu machen, sagte der Betriebsratsvorsitzende Nico Bloem. Er verwies auch darauf, dass nur ein Teil der Belegschaft an der Umfrage teilnahm, wenn auch alle teilnehmen durften.

Probleme wegen Corona

Zudem sei eine solche Aktion mitbestimmungspflichtig. Die Arbeitnehmervertretung sei aber nicht beteiligt worden, und auch die Vorschläge des Betriebsrats zum Stellenabbau seien nicht Teil der Umfrage gewesen. Der Betriebsrat will nun zum Wochenbeginn eine Betriebsversammlung organisieren.

Dessen ungeachtet sieht die Geschäftsführung in der Abstimmung ein deutliches Votum. "Jetzt können wir hoffentlich bald in einer Einigungsstelle gute Lösungen für jeden Einzelnen und die gesamte Werft finden", sagte Geschäftsführer Jan Meyer laut einer Mitteilung.

Bislang beschäftigt Meyer in Papenburg 3600 Mitarbeiter in der Stammbelegschaft und etwa 900 Mitarbeiter in Tochterfirmen. Für neue riesige Kreuzfahrtschiffe besteht wegen Corona in den kommenden Jahren kaum Nachfrage. Den Bestand an Aufträgen arbeitet die Werft verlangsamt bis 2025 ab.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

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