Wirtschaft
Auf einem Level: Die liberale Crowd ist ganz aufgeregt beim Besuch des Nationalisten Trump in Davos.
Auf einem Level: Die liberale Crowd ist ganz aufgeregt beim Besuch des Nationalisten Trump in Davos.(Foto: AP)
Freitag, 26. Januar 2018

Schwab preist "starke Führung" : Wie Davos sich Trump unterwirft

Von Max Borowski

Kaum landet Trumps Hubschrauber in Davos, wandelt sich ein Großteil der angeblichen Globalisierungsanhänger zu Bewunderern des Populisten. Davos-Initiator Schwab stimmt sogar in dessen Medienschelte ein. Buhrufe gibt es allerdings auch.

Davos-Initiator Klaus Schwab wählt gern große Worte, wenn er den Anspruch des Weltwirtschaftsforums (WEF) erklärt. "Es liegt in unserer Hand, den Zustand der Welt zu verbessern", gab er kurz vor dem diesjährigen Treffen der globalen Elite und beklagte: "Unsere Welt ist zersplittert worden durch den zunehmenden Wettbewerb zwischen Staaten und die tiefen Risse in den Gesellschaften."

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Wenig später empfing Schwab auf seinem eigenen Forum den Politiker, der wie kein zweiter in der Welt für den verschärften Wettbewerb zwischen den Staaten und die Spaltung der eigenen Gesellschaft steht: US-Präsident Donald Trump. Schwab und die führenden Globalisierungsvertreter, die sich jährlich bei ihm treffen, konnten nun von Angesicht zu Angesicht mit dem Populisten über ihre gegensätzlichen Ansichten diskutieren oder sogar streiten. Doch das taten sie nicht.

Noch kurz vor Trumps Ankunft hatten Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Kanadas Staatschef Justin Trudeau gerade mit Blick auf den US-Präsidenten gegen "nationale Egoismen" gewettert und für mehr internationale Zusammenarbeit geworben. Doch von dem Moment an, in dem sein Hubschrauber landete, erlebte Trump ein ganz anderes Davos. Schon bei seinem Eintreffen im Kongresszentrum wurde ihm, was für das Elitetreffen höchst ungewöhnlich ist, ein triumphaler Empfang bereitet. Huldvoll winkte Trump den Neugierigen zu, die sich im Beisein aller anderen Politstars hier sonst stets betont gelassen geben.

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Trumps nächster Triumph: ein Abendessen mit 15 der wichtigsten Konzernchefs Europas, darunter Siemens-Boss Joe Kaeser. Während viele Konzernlenker im eigenen Land spätestens seit den Rassismus-Debatten um den US-Präsidenten im vergangenen Jahr dessen Gesellschaft meiden, ist von ihren europäischen Kollegen in Davos kein Wort der Kritik zu hören. Kaeser gratuliert Trump zu dessen höchst umstrittener Steuerreform. SAP-Chef Bill McDermott bescheinigt Trump, "Schwung in die Weltwirtschaft" gebracht zu haben. Weder wegen der in den vergangenen Tagen erlassenen Strafzölle noch wegen der "Handelskrieg"-Rhetorik seiner Minister muss Trump sich Kritik anhören.

Soros zieht unbeirrt vom Leder

Am weitesten treibt die Unterwerfung jedoch der Davos-Chef selbst. In seiner Einführung zu Trumps mit Spannung erwarteter Rede gratuliert auch Schwab dem Präsidenten zu dessen "historischer Steuerreform", die "Arbeitsplätze schafft" und einen "enormen Wachstumschub" für die ganze Weltwirtschaft bringe. Kritik an Trumps "starker Führung" tut er gar - in Anlehnung an Trumps eigene regemäßige Medienschelte -  als "Missverständnisse" und als "voreingenommene" ab.

Sind alle Verfechter von Globalisierung und multilateraler Zusammenarbeit vor Trumps Eintreffen aus Davos abgereist oder haben bei seinem Anblick ihre Überzeugung gewechselt? Zwar trifft Trump kaum direkt auf Kritik, ein paar unerschütterliche Kritiker melden sich dennoch zu Wort. Während Trump gerade mit den ihm ergebenen Firmenbossen speist, gibt etwa George Soros ebenfalls ein Dinner in Davos auf dem ein anderer Tonfall herrscht. Trump sei "eine Gefahr für die Welt" wettert der liberale Philantrop und Multimilliardär. In den USA würde Trump gerne einen "Mafia-Staat errichten, aber er schafft es nicht", so Soros.

Und während WEF-Chef Schwab Trump nach dessen Rede erneut preist, meldet sich zumindest bei einem Punkt Widerspruch aus dem Publikum. Als der Präsident wieder einmal schimpft, "wie fies, wie gemein, wie bösartig und wie falsch die Presse" sei, ertönen ein paar zaghafte Buhrufe.

Quelle: n-tv.de