Wirtschaft

Aktien, Anleihen oder Gold? Wie Finanzprofis 10.000 Euro anlegen würden

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Zu viel Geld, das irgendwo herumliegt?

(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)

Für Anleger war im ersten Halbjahr nicht viel drin. Der Dax hat eine mäßige Kursentwicklung vorzuweisen. Anleihen werfen auch immer noch keine attraktiven Zinserträge ab. Wohin also mit dem Geld?

Das Börsenjahr 2018 war bisher turbulent. Im Dax ging es zwischenzeitlich knapp zehn Prozent abwärts, einen solchen Einbruch hat es im gesamten vergangenen Jahr nicht gegeben. Doch das magere Ergebnis von rund einem Prozent Plus im Dax bis Anfang Mai könnte auch verlockend und für manchen Anleger eine Einstiegschance sein. Oder sind Anleihen beziehungsweise Gold im aktuellen Umfeld das bessere Investment? Telebörse.de hat Finanzprofis gefragt, wie sie 10.000 Euro anlegen würden.

Ausgangspunkt jeder Überlegung müsse der Zeithorizont sein und die Risikobereitschaft des einzelnen Anlegers, sagt Manuel Suckart vom Onlinbroker Degiro. Daraus ließen sich dann viele Entscheidungen ableiten: "Wer sich längerfristig und regelmäßig engagieren möchte, kann auch in Aktien und ETFs auf Indizes investieren." ETFs stehen für Exchange Traded Funds, also börsengehandelte Indexfonds, die einen Index wie etwa den Dax nahezu eins zu eins abbilden. Sie gehen sowohl nach oben als auch nach unten mit und können wie Aktien oder Zertifikate ganz einfach über die Hausbank geordert werden.

Aktien als Renditequelle

Laut Marco Herrmann, Geschäftsführer bei der Vermögensverwaltung Fiduka und verantwortlich für die Anlagestrategie, sollte ein langfristiger Ansatz mindestens drei Jahre betragen: "Ist der Anlagehorizont kürzer, kommen eigentlich nur nahezu risikofreie Anlagen in Frage, das heißt Termingeld oder kurzlaufende Unternehmensanleihen. Hohe Anforderungen an die Rendite darf man dann aber nicht haben - mehr als jährlich ein Prozent sind dann einfach nicht drin." Nach Kosten, Inflation und Steuern können bei vielen Zinsanlagen sogar Verluste entstehen. An Aktien als Renditequelle kommen Anleger daher kaum vorbei.

Der Anlagehorizont für eine umfassende Vermögensverwaltung inklusive Aktien sollte laut Herrmann deutlich länger als drei Jahre sein: "Idealerweise stehen für die Anlage mehr als zehn Jahre zur Verfügung. Dann lässt sich nämlich auch in Aktien, die rentabelste Anlageklasse investieren. Denn bekanntermaßen sinkt deren Verlustrisiko mit zunehmender Investitionsdauer." Mit anderen Worten: Anleger können bei einer ausreichend langen Anlagedauer auch Verlustphasen aussitzen. Baissephasen, in denen die Aktienmärkte gefallen sind, haben meist nur ein paar Jahre gedauert, so dass bei einer längeren Haltedauer diese Verluste wieder ausgeglichen werden konnten.

Für Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München/gettex, weist in diesem Zusammenhang auf eine weitere Frage hin: Wird das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt gebraucht oder steht es zur freien Verfügung?

Das Geld könne ganz unterschiedlich verwendet werden, etwa um sich finanziell abzusichern, fürs Alter vorzusorgen oder um ein Auto zu kaufen. Diese Fragen hängen laut Betz eng mit dem Risiko zusammen, das Anleger eingehen sollten. Je weniger riskant eine Geldanlage ist, desto kalkulierbarer der Ertrag und die Geldsumme, die dann später zur Verfügung stehen.

Mehr als nur Aktien

Wer wegen des höheren Risikos nicht gleich zu hundert Prozent in Aktien investieren will, kann einen Teil der 10.000 Euro in Anleihen anlegen. "Für ein ausgewogeneres Chance-Risiko-Verhältnis sollte man noch Anleihen hinzunehmen, die je nach Risikoneigung 30 bis 50 Prozent im Depot ausmachen können", sagt Herrmann.

Ein anderes defensives Element für vorsichtige Anleger ist eine Investition in Gold. Damit lässt sich eine Depot krisenfest machen, wie Funda Sertkaya, Managing Partner beim Edelmetallanbieter Ophirum, erklärt: "Wer langfristig investieren und sein Depot nachhaltig absichern will, sollte mindestens 15 Prozent der Summe in physischem Gold anlegen." Physisch bedeutet, das Edelmetall tatsächlich als Barren oder Münzen aufzubewahren und nicht etwa in Form eines ETFs oder Zertifikats auf Gold.

Anleger sollten bei den verschiedenen Investments aber auch die Kosten beachten, die damit verbunden sind. Bei Summen von 10.000 Euro können sie sich deutlich auf die Performance auswirken. Alle Befragten haben daher kostengünstige Instrumente wie ETFs, ETPs (börsengehandelte Indexfonds oder -produkte) oder Zertifikate angeführt. Die ETF-Gebühren liegen zum Beispiel üblicherweise zwischen 0,05 und 0,5 Prozent - je nachdem, welcher Index abgebildet wird. Aktien oder Anleihen haben häufig höhere Gebühren, wobei auch hier gilt, die Angebote miteinander zu vergleichen. Jetzt müssen Anleger nur noch die 10.000 Euro locker machen.

Quelle: ntv.de