Wirtschaft

Wo Angst die Kurse hoch treibt Wie Mugabe Simbabwes Börse boomen lässt

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Auf dem Höhepunkt der Hyperinflationen konnten die Börsianer beim Hinzufügen von Nullen nicht mehr mithalten und mussten den Handel aussetzen.

(Foto: imago stock&people)

Simbabwe ist eines der ärmsten Länder der Welt. Wirtschaftsnachrichten aus dem Land handeln meist von Korruption, Enteignungen und Bargeldknappheit. Doch an der Börse in Harare steigen die Kurse wie nirgends sonst in der Welt.

Bekannte Aktienindizes wie der Frankfurter Dax und der New Yorker Dow Jones gelten immer auch als Gradmesser für die Lage einer Volkswirtschaft. Wächst die Wirtschaft, verdienen auch die großen Unternehmen gut und das lässt sich dann in der Regel an den Aktienkursen und den Leitindizes ablesen. Legt man diesen Zusammenhang auch im Fall von Simbabwe zugrunde, müsste man davon ausgehen, dass Langzeitdiktator Robert Mugabe eines der ärmsten Länder zur blühendsten Volkswirtschaft der Welt gemacht hat: Der Kurs des INDZI, des Zimbabwe Industrial Index, hat sich allein in den vergangenen zwölf Monaten mehr als vervierfacht.

Gut 15 Milliarden US-Dollar sind die 64 derzeit an der Börse in Harare notierten Unternehmen wert. Das mag im Vergleich mit dem Börsenwert der Dax-Unternehmen von weit über einer Billion Euro wenig erscheinen. Doch mit den jüngsten Kurssteigerungen in Simbabwe kann kein anderer Börsenplatz auf der Welt mithalten. Allein im abgelaufenen Quartal hat sich der Kurs des INDZI mehr als verdoppelt. Selbst die Nachricht vom Militärputsch ließ die Investoren nahezu unbeeindruckt.

Die Kursexplosion in Harare ist kein Indiz für einen Wirtschaftsboom - im Gegenteil: "Angst treibt die Rally", erklärt ein Analyst der simbabwischen Zeitung "Daily News". Simbabwer, die trotz der jüngsten Wirtschaftskrise noch über Dollar auf ihren Konten verfügen, versuchen so viel wie möglich davon in Aktien zu investieren. Andere Verwendungsmöglichkeiten dafür gibt es nämlich kaum noch.

Seit der Hyperinflation von 2008/2009 hat Simbabwe keine eigene Währung mehr. Offizielles Zahlungsmittel ist der US-Dollar. Der ist zwar wertstabil, aber kaum zu bekommen im Reich von Mugabe. Die Zentralbank hat praktisch keine Reserven, die Wirtschaft bringt durch Tourismus und Rohstoffexporte nicht genug Devisen ins Land. Die Auszahlung von Bargeld durch die Banken ist stark begrenzt, Überweisungen ins Ausland sowieso. Dollarnoten sind so knapp, dass Menschen teilweise vor Banken und Automaten übernachten, um etwas von ihrem Ersparten abheben zu können.

Überteuerte Aktien als letzter Ausweg

Die Bargeldkrise hat den Handel und die Wirtschaft im ganzen Land weitgehend abgewürgt. Um etwas Liquidität zu erzeugen, hat die Zentralbank bereits Schuldscheine als eine Art Parallelwährung ausgegeben. Das rief Erinnerungen an die Hyperinflation wach, die einst das Schicksal des Simbabwe-Dollar besiegelte.

In ihrer Angst, ihre derzeit noch in Dollar notierten Bankguthaben könnten bald wieder in eine von der simbabwischen Notenbank verwaltete Währung zwangsumgetauscht werden, bleiben sowohl Privatleuten wie Unternehmen nur wenige Auswege. Einer ist, Anteile an heimischen Unternehmen an der Börse zu erwerben, egal wie überhöht die Preise schon sind. Eine andere Möglichkeit ist, Kryptowährungen zu erwerben. Bitcoin werden in Simbabwe derzeit für fast den doppelten Preis gehandelt als auf den globalen Kryptowährungsbörsen. Investitionen in ausländische Unternehmen oder an ausländischen Börsen sind aufgrund der strikten Regeln zum Kapitalexport dagegen kaum möglich.

Und so steigt der INDZI in Höhen, die er erst einmal in seiner Geschichte erreicht hatte: Als die Inflation eine Geschwindigkeit von mehreren Milliarden Prozent erreichte. Die Kurse von einzelnen Aktien stiegen damals laut "Daily News" auf mehrere Quadrillionen Simbabwe-Dollar. Das waren für die Börsenhändler und ihre Computer zu viele Nullen. Der Handel brach im November 2008 zusammen und konnte erst nach der Umstellung auf US-Dollar im Jahr darauf wieder aufgenommen werden.

Quelle: n-tv.de

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