Wirtschaft
So sieht Prora heute aus - vom früheren Verfall ist fast nichts mehr zu sehen.
So sieht Prora heute aus - vom früheren Verfall ist fast nichts mehr zu sehen.(Foto: imago/BildFunkMV)
Mittwoch, 08. August 2018

Nach Insolvenz eines Investors: Wie geht es mit Prora jetzt weiter?

Kilometerlang erstreckt sich auf Rügen die Wohnanlage Prora. In dem von den Nazis gebauten Gebäuderiegel kehrt seit einiger Zeit neues Leben ein. Doch nun ist einer der Investoren pleite. Ist das Projekt in Gefahr? Die verbliebenen Investoren versuchen zu beruhigen.

Die Sanierung des 4,5 Kilometer langen Gebäuderiegels in Prora auf der Ostseeinsel Rügen könnte ins Stocken geraten. Das Tochterunternehmen einer Immobiliengesellschaft, die einen der fünf Blöcke saniert, hat Insolvenz angemeldet. Die anderen Teile des einst von den Nazis als gigantische Ferienanlage erbauten Kolosses sind von der Insolvenz aber nicht betroffen.

Wie die die Firma "Wohnen in Prora Vermögensverwaltung" mitteilt, hat diese in Berlin Insolvenz angemeldet. Bei dem Unternehmen handelt es sich um eine Tochter der Berliner Immobiliengesellschaft Irisgerd. Das Unternehmen hatte Block 1 gekauft und die Sanierung nahezu vollständig abgeschlossen, wie es in einem Bericht der "Ostseezeitung" heißt. Das Bankdarlehen sei "trotz aller Bemühungen" nicht verlängert worden, schreibt Geschäftsführerin Iris Hegering in der Pressmitteilung. 90 Prozent des Umbaus seien abgeschlossen, fast alle der 280 Wohnungen verkauft.

Da das Insolvenzverfahren erst in zwei bis drei Monaten eröffnet werde, hoffe man, dass "ehrgeizige Ziel, etwas Besonderes auf der Insel Rügen geschaffen zu haben, noch zu Ende zu bringen".

Zu lange Wartezeit

Gründe für die Pleite lägen in der Bauzeit, die sich deutlich in die Länge gezogen habe. Das habe die Kosten in die Höhe getrieben. Zwischenzeitlich habe man sich wegen "unerfüllbarer Forderungen" von Generalunternehmer Bilfinger Berger trennen müssen, überdies habe man sehr lange auf die behördlichen Auflagen zum Wiederaufbau der denkmalgeschützten Liegehäuser warten müssen.

Unter Berufung auf Insider heißt es in der "Ostsee-Zeitung", Hegering habe sogar Kreditzinsen von Käufern übernommen, die wegen der Verzögerung noch nicht ihre Appartments oder Ferienwohnungen an Touristen vermieten konnten. In der Mitteilung schreibt Hegering, "fehlende Solidarität" weniger Käufer habe dazu geführt, dass eine Gewerbeeinheit trotz bestehenden Kaufvertrages nicht umgesetzt werden konnte.

Nun ist unklar, wie es weitergeht an Block 1. Straßenbauarbeiten der Stadt Binz lägen nun erstmal auf Eis, heißt es im Bericht. Es gebe allerdings einige Geschädigte - denn manche Käufer sollen schon bezahlt haben und fürchteten nun, dass ihr Geld weg ist. Wenn sie noch nicht als Eigentümer im Grundbuch stehen, könnte das der Fall sein. Der Investor von Block 2, Ulrich Busch, sagte der Zeitung: "Die Gesamtentwicklung hier wird das nicht aufhalten. In allen Blöcken ist bereits sehr viel passiert und das wird so weitergehen." Die Gemeinde Binz rechne damit, dass die Sanierung aller Blöcke bis 2022 abgeschlossen ist.

In einer früheren Version dieses Artikels hatte es geheißen, die Firma Irisgerd habe Insolvenz angemeldet. Richtig ist aber, dass lediglich ein Tochterunternehmen zahlungsunfähig ist.

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Quelle: n-tv.de