Wirtschaft

Logistiker in Brandenburg "Wir sind eine Art Heilsbringer"

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Unitax ist in Brandenburg momentan mit sechs Transportern im Einsatz.

(Foto: Unitax)

Seit vier Wochen wird in Deutschland geimpft. In Brandenburg sorgt ein mittelständischer Betrieb dafür, dass die Dosen rechtzeitig in den Impfzentren ankommen. Im Interview mit ntv.de erzählt Unitax-Chef Reich, wie sein Unternehmen die Kühlketten garantiert und dass der Auftrag ihn nicht reich macht.

ntv.de: Viele Bundesländer setzen bei der Impfstoffverteilung auf DHL. Wieso ist in Brandenburg die Wahl auf Unitax gefallen?

André Reich: Als Familienunternehmen blicken wir auf 30 Jahre Erfahrung in temperaturüberwachter Lagerung und Transport von temperatursensiblen Arzneimitteln zurück. Wir liefern alles vom Rohstoff bis zum fertigen Arzneimittel und haben auch eine eigene Herstellungserlaubnis, können also auch eigenen Produkte herstellen. Als Mittelständler haben wir gegenüber einem aktiennotierten Unternehmen wie der DHL sicherlich den Vorteil, dass wir flexibler auf besondere Anfragen reagieren können.

Mit wie viel Fahrzeugen sind Sie täglich im Einsatz und wie viel Dosen können jeweils transportiert werden?

Wir haben die Impfstofflogistik von unserem restlichen Geschäft getrennt. Wir können bis zu zwölf Transporter einsetzen. Aktuell sind wir mit sechs davon im Einsatz. Die Transporter verfügen in der Regel über sechs Palettenstellplätze, aber die Dosen sind ja eh sehr kleinteilig. Eine Palette des Biontech/Pfizer-Impfstoffs hat 1000 Fläschchen mit je sechs Impfungen.

Wie viele Stationen werden täglich angefahren?

In Brandenburg sollen neben den jeweils rund 50 Krankenhäusern und den Seniorenheimen bald bis zu 15 Impfzentren beliefert werden. Dafür müssen wir einige Kilometer machen. Momentan können wir alle eintreffenden Bestellungen bis zum nächsten Tag bedienen. In der Regel dauert es von der Bestellung bis zur Auslieferung an den Empfänger, der am weitesten entfernt ist, nicht länger als acht Stunden.

Haben Sie mehr Personal eingestellt?

Nein. Wir haben aber schon ein bisschen umgeplant. Außerdem ist ein anderer Auftrag ausgelaufen, sodass wir genügend Personal haben, das auch entsprechend erfahren und geschult ist.

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist sehr temperaturempfindlich. Wie stellen Sie sicher, dass die Kühlkette eingehalten wird?

Jedes Fahrzeug ist mit vier Messeinrichtungen ausgestattet, die regelmäßig überprüft werden. Die erhobenen Daten werden dem Fahrer in der Kabine auf einem Monitor angezeigt. Sollte die Lieferung an einen kritischen Punkt von vier Grad plus oder minus kommen, wird ein Alarm ausgelöst. Eine Handlungsgrenze ist bei einer Temperaturabweichung von zwei Grad erreicht. Dann muss umgehend eine Werkstatt angefahren werden. Gleichzeitig bekommen wir bei Abweichungen auch Mails. Zusätzlich wird die Temperatur auch noch online über eine Cloud-Lösung überwacht.

Ist es schon mal zu einem brenzligen Temperaturunterschied in den vergangenen vier Wochen gekommen?

Nein, dafür bringen wir zu viel Know-how mit. Wir leiden nicht mehr unter Kinderkrankheiten.

Wie reagieren die Angestellten in Krankenhäusern oder Seniorenheimen, wenn sie die Impfstoffe ausliefern?

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Zum Start der Impfkampagne nach Weihnachten hat Reich den Impfstoff selber ausgeliefert.

Man muss schon sagen: Wir sind eine Art "Heilsbringer". Wir freuen uns, das sozusagen flüssige Gold ausliefern zu dürfen. Ich nehme eine freudige Aufbruchsstimmung wahr. Anders als vielleicht bei anderen Empfängern, bei denen wir die Ware unbeachtet irgendwo abstellen, werden unsere Fahrer bei diesen Transporten freudig erwartet. Gemeinsam mit meinem Sohn bin ich am 27. Dezember die erste Tour in das Seniorenheim nach Großräschen sogar selber gefahren. Die Impfstofflieferung sehe ich nicht nur als einen Auftrag an. Wir sind stolz darauf, das machen zu dürfen.

Wie hart hat die Corona-Pandemie ihr Unternehmen getroffen?

Schon in den ersten Monaten der Pandemie hat sich bei uns viel verändert. Trotzdem sind wir als Pharmalogistiker gerade in der Pandemie wichtig. Aus Angst, nicht mehr an die Produkte aus Asien zu kommen, ist die Nachfrage in manchen Bereichen gestiegen. Unsere Kunden bevorraten sich und kaufen mehr ein – Seniorenheime und Krankenhäuser haben in den vergangenen Monaten bis zu 60 Prozent mehr Handschuhe und Schutzmasken gekauft. Der Auftrag zur Impfstofflieferung macht uns nicht reich – die Mengen sind ja eher klein, der Aufwand ist jedoch ziemlich hoch.

Mit André Reich sprach Juliane Kipper

Quelle: ntv.de