Wirtschaft

Bauernverband rechnet vor Wird Schweinefleisch doppelt so teuer?

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Bisher werden Ferkel in der Massentierhaltung ohne Narkose kastriert - weil es zu teuer ist.

(Foto: imago/Jürgen Schwarz)

Mit dem Bestreben nach einer würdigen Tierhaltung in Deutschland gehen auch strengere Tierschutzvorgaben einher. Diese Vorgaben wollen Bauern gerne einhalten. Das geht aber nur, wenn die Verbraucher mitziehen.

Der Deutsche Bauernverband fordert eine drastische Erhöhung der Preise für Schweinefleisch. Ansonsten stünden viele Schweinemäster durch neue Tierschutzauflagen vor dem Bankrott, sagte der Vizepräsident des Verbandes, Werner Schwarz, der "Rheinischen Post" vom Samstag. "Schweinefleisch müsste für die Verbraucher fast doppelt so teuer werden, damit wir die Tierschutzvorgaben wie die Kastration von Ferkeln unter Narkose oder deutlich mehr Platz für die Sauen erfüllen können ohne bankrott zu gehen."

Durch entsprechend erhöhte Preise würden die Mäster laut Schwarz keineswegs mehr Gewinn machen, sondern lediglich ihr jetziges Einkommensniveau halten. Viele Menschen würden sich zwar eine bessere Haltung der Schlachttiere wünschen, seien aber oft nicht bereit, dafür mehr Geld auszugeben, sagte Schwarz. "Die Menschen wünschen sich die frei laufende Sau unter dem blühenden Apfelbaum - können oder wollen das aber oft nicht bezahlen. Denn: Sie empfinden keinen Mehrwert, wenn sie für weniger Fleisch mehr Geld bezahlen sollen."

Bereits 2017 waren die Preise für Schweinefleisch im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent angestiegen. Mit 600.000 Tonnen ist Schweinefleisch die am meisten konsumierte Fleischsorte in Deutschland. Pro Jahr isst jeder  Deutscher im Schnitt 59 Kilo Fleisch und 29 Kilo Fleischprodukte wie etwa Wurst, sechzig Prozent davon stammen vom Schwein. Das Kilo gewürztes Schweinefleisch lag im Mai im Bundesdurchschnitt bei 7,19 Euro, im Vorjahr bei 7,14 Euro.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner strebt an, dass ein staatliches Tierwohlkennzeichen mit drei Stufen bis 2020/2021 in die Supermärkte kommt. Es soll höhere Standards in Ställen anzeigen und eine "ambitionierte Einstiegsstufe mit eindeutigem Abstand zum gesetzlichen Mindeststandard" haben. Der Deutsche Bauernverband hatte eine kombinierte Haltungs- und Herkunftskennzeichnung für Schweinefleisch vorgeschlagen. Demnach könnte zum Beispiel mit "D-D" angegeben werden, dass ein Ferkel aus Deutschland kam und hier gemästet wurde.

Im Handel sind bereits mehrere Tierwohl-Kennzeichnungen gestartet oder angekündigt worden. Die großen Discounter Lidl und Aldi sehen im Gegensatz zu Klöckners Plänen ein vierstufiges System vor. Dabei soll die erste Stufe dem gesetzlichen Standard und die vierte "Bio"-Kriterien entsprechen.

Quelle: n-tv.de, lou/rts/dpa

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