Wirtschaft

Schadensersatzklage geplant Wirecard-Skandal könnte für EY teuer werden

226421301.jpg

Wussten die Prüfer von EY, wie es wirklich um die Bilanzen von Wirecard stand?

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Wirtschaftsprüfer von EY prüfen über Jahre die Bilanzen von Wirecard - ohne Verdacht zu schöpfen, dass damit etwas nicht stimmt. Ob sie dabei mit Vorsatz oder fahrlässig gehandelt haben, ist für mögliche Schadenersatzansprüche entscheidend. Eine Klage wird immer wahrscheinlicher.

Der Insolvenzverwalter des Zahlungsabwicklers Wirecard, Michael Jaffe, prüft laut "Handelsblatt" Schadenersatzansprüche gegen den langjährigen Wirecard-Bilanzprüfer EY. Jaffe habe dazu Martin Jonas vom Wirtschaftsprüfer Warth & Klein Grant Thornton beauftragt, berichtete das Blatt. Eine Klage sei in Vorbereitung.

Im Kern gehe es um die Frage, ob EY Fehler gemacht habe und falls ja, wie schwer diese gewesen seien, sagte Jonas der Zeitung. Von der Antwort hänge ab, ob und in welcher Höhe EY haften müsse. Eine Haftungsgrenze greife nur bei fahrlässigen Fehlern, sagte Jonas. Anders sehe es bei direktem oder indirektem Vorsatz aus. Allgemein gesprochen gelte: "Wenn Prüfer wussten, dass die Bilanz falsch war und sie trotzdem ein Testat erteilen, müssen sie unbegrenzt haften." Das gelte auch bei bedingtem Vorsatz, wenn der Schaden also billigend in Kauf genommen worden sei.

Jonas werde nun im Auftrag Jaffes einen Report über die Arbeit von EY erstellen. Sollte Jonas zu ähnlichen Ergebnissen kommen wie der vom Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags zu Wirecard eingesetzte Sonderprüfer um den Wirtschaftsprüfer Martin Wambach, sei eine Klage gegen EY wahrscheinlich, so die Zeitung.

Das Handelsblatt hatte den Wambach-Bericht, der als geheim eingestuft worden war, zuletzt öffentlich gemacht. Das Handelsblatt zitierte einen EY-Sprecher zu einer möglichen Jaffe-Klage mit den Worten: "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu einzelnen oder potenziellen Klagen grundsätzlich nicht äußern können. Wir betonen jedoch, dass unsere Prüfer ihre Prüfungshandlungen nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt haben."

Wirecard war im Juni 2020 nach Bekanntwerden milliardenschwerer Luftbuchungen in die Pleite gerutscht. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bilanzfälschung, Betrug, Marktmanipulation und Geldwäsche.

Quelle: ntv.de, jhe/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen