Wirtschaft

Personeller Paukenschlag Wirecard wechselt Chefkontrolleur aus

119632436.jpg

Die Personalentscheidung könnte Kritikern ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Beim Zahlungsabwickler Wirecard kommt es nach elf Jahren zu einem überraschenden Wechsel an der Aufsichtsratsspitze. Wulf Matthias, der als enger Vertrauter von Vorstandschef Braun gilt, überlässt seinen Posten mit sofortiger Wirkung dem bisherigen Leiter des Prüfungsausschusses. Ein Neuanfang?

Der Zahlungsdienstleister Wirecard beginnt das neue Jahr mit einem personellen Paukenschlag. Der Aufsichtsratsvorsitzende Wulf Matthias habe sein Amt mit sofortiger Wirkung abgegeben, teilte das Unternehmen mit. Der bisherige Leiter des Prüfungsausschusses und Ex-Deutsche-Börse-Finanzvorstand Thomas Eichelmann leite nun das Gremium.

128337786.jpg

Der bisherige Leiter des Prüfungsausschusses, Thomas Eichelmann, wird Chefkontrolleur.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eichelmann war erst vor einem halben Jahr in den Wirecard-Aufsichtsrat gewählt worden und hatte unmittelbar den Vorsitz im neu geschaffenen Prüfungsausschuss übernommen. Schon damals war er als Kandidat für die Nachfolge von Matthias gehandelt worden.

Matthias stand seit elf Jahren an der Spitze des Gremiums und gilt als enger Vertrauter von Vorstandschef Markus Braun. Der ehemalige Banker soll nun bis zum Ende seiner Amtszeit im Sommer 2021 dem Aufsichtsrat als gewöhnliches Mitglied angehören. Begründet wurde das Vorgehen mit dem Wunsch des 75-Jährigen, einen Generationenwechsel einzuleiten.

Forderungen nach einer Umbildung des Aufsichtsrats gab es im Zusammenhang mit Anschuldigungen wegen "kreativer Buchführung" mehrfach. Vor allem die britische "Financial Times" (FT) veröffentlicht rund um das Unternehmen aus Aschheim bei München seit längerem entsprechende kritische Berichte. Im Fokus stand dabei vor allem der Aufsichtsratsvorsitzende. Trotz der Forderung nach mehr Professionalität kommt die Personalie zum jetzigen Zeitpunkt dennoch überraschend.

Warten auf den Bericht der Sonderprüfer

Wirecard
Wirecard ,39

Vor einem knappen Jahr hatte ein Artikel zu Unregelmäßigkeiten und möglichen Scheinbuchungen in Singapur dafür gesorgt, dass der Aktienkurs binnen gut einer Woche um fast die Hälfte abstürzte. Wirecard musste nach der Prüfung durch eine beauftragte Anwaltskanzlei kleinere Buchungsfehler wegen "Qualitätsmängeln" einräumen, sah sich aber vom Vorwurf systematischer Falschbuchungen entlastet. Dennoch könnten sich in Singapur Mitarbeiter strafbar gemacht haben, die Behörden im Land ermitteln noch.

In Deutschland gehen die Staatsanwaltschaft München und die Finanzaufsicht Bafin dem Verdacht nach, dass Wirecard einer von Spekulanten orchestrierten Aktion zum Opfer gefallen sein könnte, mit der sogenannte Leerverkäufer an sinkenden Aktienkursen verdienen wollen - wie es auch schon in der Vergangenheit der Fall war. Nach Ansicht des Unternehmens könnten Verantwortliche der "FT" mit den Shortsellern unter einer Decke stecken, Wirecard geht rechtlich gegen die Zeitung vor. Diese wiederum sieht sich nach eigens in Auftrag gegebenen Untersuchungen von diesem Vorwurf entlastet.

Wirecard hat nach neuerlichen Vorwürfen in der britischen Wirtschaftszeitung zu angeblichen Scheinbuchungen bei Töchtern in Dubai und Irland eine Sonderprüfung der Bilanzen eingeleitet, neben dem regulären Wirtschaftsprüfer EY durchleuchten nun auch die Spezialisten von KPMG die Bücher des Unternehmens. Laut Finanzchef Alexander von Knoop dauert die Sonderprüfung bis voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2020. Danach sollen die Ergebnisse in einem Bericht veröffentlicht werden.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa/rts