Wirtschaft

Gesetze forcieren Nachhaltigkeit Wirtschaft reagiert auf Druck bei Klimaschutz

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Insgesamt steht die Wirtschaft immer noch "am Anfang der Startbahn für eine nachhaltige Transformation. Wir laufen uns gerade erst richtig warm", ergibt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.

(Foto: imago images/Dominik Bund)

Der Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft und Gesellschaft ist ein enormer Kraftakt. Wie sind Unternehmen hierzulande aufgestellt? Eine Studie nennt Bremsklötze beim Ressourcenschutz, zeigt aber auch, warum der Wandel zuletzt deutlich Fahrt aufgenommen hat.

Nachhaltigkeit galt lange Zeit als unsexy und langweilig, mehr als Thema für kommende Generationen als für die heutige. Das hat sich geändert. Nachhaltigkeit ist mittlerweile ein Megatrend, wie auch die Weltklimakonferenz kürzlich in Glasgow gezeigt hat. Klima- und Ressourcenschutz ist in den Köpfen angekommen und damit ist die Überzeugung gewachsen, dass ökologisches Handeln und der bewusste Umgang mit den Ressourcen auf unserem Planeten nun keinen Aufschub mehr erlauben.

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Peer School for Sustainable Development und des Lehrstuhls für nachhaltiges Wirtschaften der Universität Mannheim hat untersucht, wie gut Unternehmen inzwischen in dem Bereich aufgestellt sind. Das Ergebnis lautet: Drei Viertel der befragten 51 Nachhaltigkeitsverantwortlichen aus großen Unternehmen versichert, das Thema sei "viel wichtiger" geworden. Bei mehr als der Hälfte sind entsprechende Entscheidungen deshalb auch "ganz oben", beim Vorstand oder bei der Geschäftsführung angesiedelt.

Obwohl Nachhaltigkeit auch inhaltlich an Bedeutung gewonnen hat, wie die Umfrage zeigt, wird deutlich, dass es gleichzeitig immer noch viel zu tun gibt. So gibt nur ein einziger der Befragten an, dass das Thema "voll und ganz in allen Bereichen verankert" sei. Auch nur knapp die Hälfte hält die finanziellen Mittel für den eigenen Bereich für ausreichend. Als positiv heben die Autoren dabei ausdrücklich hervor, dass sich die Corona-Pandemie bei der Mehrheit der Unternehmen nicht wie erwartet auf das Budget für Nachhaltigkeit ausgewirkt hat (56,9 Prozent). Nur 11,8 Prozent der befragten Nachhaltigkeitsverantwortlichen geben an, dass das Budget infolge der Pandemie kleiner geworden sei.

Interessant sind auch die Antworten auf die Frage nach den Treibern der Transformation. Denn laut der Umfrage ist es vor allem der Druck von außen, der hier seine Wirkung tut. Die Kunden übten einen "sehr wesentlichen" Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen aus, lautet die Antwort von 47 Prozent der Befragten. An zweiter Stelle wird die Führungsetage als Entscheidungsgeberin (43 Prozent) und an dritter die politische Regulierung (35 Prozent) genannt. Experten sprechen hier von einem "Trickle-Down-Effekt". "Wenn einige große Unternehmen bestimmten Transparenzpflichten unterliegen, werden diese Standards auch innerhalb der Wertschöpfungskette weitergereicht", erklärt Jakob Kunzlmann, Wirtschaftsexperte der Bertelsmann Stiftung.

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Einige Beispiele, die als Beschleuniger genannt werden, sind neue gesetzliche Regelwerke wie der EU-Aktionsplan "Nachhaltige Finanzierung" (EU Sustainable Finance Action Plan - SFAP) mit der EU-Taxonomie - hierbei sollen Kapitalflüsse in ökologisch nachhaltige Aktivitäten gelenkt werden - , die ausgeweiteten nachhaltigkeitsbezogenen Berichtspflichten sowie das Lieferkettengesetz. Alle Regularien sorgten aber auch für große Unsicherheit in Unternehmen, heißt es in der Studie. Die Verantwortlichen in den Unternehmen fürchteten vor allen die damit verbundenen Kosten und die zusätzliche Bürokratie. Die Folgen der Umsetzung des Lieferkettengesetzes ab dem 1. Januar 2023 sei für die Unternehmen bisher wenig abschätzbar.

Hohe Kosten und viel Aufwand bei "laufendem Motor"

Dass die Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit immer noch nur mit angezogener Handbremse vorangeht, liegt laut den Autoren an den hohen Kosten für Nachhaltigkeitsmaßnahmen, an mangelnden Ressourcen sowie einer immer noch zu geringen Nachfrage. Insgesamt stehe die Wirtschaft immer noch "am Anfang der Startbahn für eine nachhaltige Transformation. Wir laufen uns gerade erst richtig warm", kommentiert Alexander Kraemer, Mitgründer und Vorstandsmitglied der Peer School.

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In Bezug auf ihre konkrete Arbeit nennt die Mehrheit der Befragten das Vermeiden von Emissionen und die Dekarbonisierung der Unternehmensprozesse in den kommenden Jahren als "wesentliche" oder "sehr wesentliche" Prioritäten. Auch verbirgt sich laut den Studienautoren ein Bremsklotz auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Denn der Umbau erfolge "bei laufendem Motor", formuliert es Laura Marie Edinger-Schons, Professorin für nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Mannheim. Es gebe "so viel neue Regulierung und Methoden wie noch nie für die nächsten Jahre", was gänzlich neue Management-Kompetenzen und Prozesse erfordere, "insbesondere bei Unternehmen, die die Relevanz des Themas erst spät erkannt haben".

Insgesamt befinden wir uns "in einer Zeit der substantiellen Neuorientierung unserer Wirtschaft", lautet das Fazit der Studie. Und die Prognose: "In Zukunft wird es vermutlich deutlich mehr Transparenz über Nachhaltigkeitsaspekte geben und dies wird sich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auswirken." Die Umfrage "Sustainability Management Monitor" soll künftig jährlich wiederholt werden.

Quelle: ntv.de

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