Wirtschaft

Brexit-Chaos nicht vom Tisch Wirtschaft warnt auch nach Wahl vor No-Deal

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Fähren sind in Betrieb im Fährhafen von Dover.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Unsicherheit seit dem Brexit-Referendum schadet den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich. Ein No-Deal ist trotz des Wahlerfolgs von Premierminister Johnson noch nicht vom Tisch. Die deutsche Wirtschaft fordert deswegen ein rasches Freihandelsabkommen.

Nach dem klaren Wahlsieg der konservativen Partei des britischen Premierministers Boris Johnson drängt die deutsche Wirtschaft auf ein rasches Freihandelsabkommen. "Jetzt müssen die EU und Großbritannien mit Hochdruck an einem Freihandelsabkommen arbeiten und bis zum Ende des Jahres zum Abschluss zu bringen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Thilo Brodtmann. "Gelingt dies nicht, gehen die mit einem harten Brexit verbundenen Diskussionen und Unsicherheiten Ende 2020 wieder los. Das muss unbedingt vermieden werden."

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) begrüßt, dass nach der Wahl klare Verhältnisse herrschten. "Der politische Nebel in London lichtet sich", sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. "Mit dem Wahlausgang ist der Auftrag verbunden, das Austrittsabkommen jetzt rasch anzunehmen." Erforderlich sei nun ein klarer Kurs der Regierung, wie das künftige Verhältnis zur EU aussehen solle.

"Spätestens 2020 oder 2022 müssen die Verhandlungen zum zukünftigen Verhältnis abgeschlossen sein", forderte Lang. "Auch wenn der Zeitplan sportlich ist, verlangt die deutsche Wirtschaft eine Lösung." Sonst drohe zu einem späteren Zeitpunkt doch noch ein harter Brexit.

Unklarheit über Wirtschaftsbeziehungen

Das sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag ähnlich. "Nach der Wahl in UK muss jetzt schnellstens eine Entscheidung beim Brexit herbeigeführt werden, um einen noch immer drohenden No-Deal abzuwenden", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Die anhaltende Unsicherheit habe seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich geführt. So sei Großbritannien seither von Platz fünf auf Platz sieben der wichtigsten deutschen Handelspartner abgerutscht. Auch für die Zukunft siehe es nicht besser aus.

Laut aktueller DIHK-Umfrage erwarten mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen in Großbritannien für 2020 eine schlechtere wirtschaftliche Entwicklung im Land. Aufgrund der Unklarheit über die künftigen Wirtschaftsbeziehungen zeigen sie sich zudem zurückhaltend mit ihren Investitions- und Beschäftigungsplänen: Etwa jede fünfte Firma wolle dort Stellen abbauen. Deutsche Unternehmen haben in Großbritannien 2500 Niederlassungen und beschäftigen über 400.000 Mitarbeiter.

Quelle: ntv.de, jki/rts