Wirtschaft

Stütze für Konjunkturwachstum Wirtschaftsexperten fordern Rente mit 69

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Die Politik muss an einer der Stellschrauben in der Rentenpolitik drehen, fordern die Wirtschaftsforscher.

(Foto: picture alliance / Daniel Kubirski)

Der deutsche Arbeitsmarkt könnte zukünftig pro Jahr 400.000 Menschen verlieren - es gehen mehr Alte in Rente, als Junge nachkommen. Gleichzeitig vergrößert sich das Loch in der Rentenkasse. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters würde bei beiden Problemen Abhilfe schaffen, sagen Experten.

Führende Institute halten einen späteren Rentenbeginn zur Sicherung solider Staatsfinanzen in Deutschland für unumgänglich. "Ein solcher Schritt brächte eine doppelte Rendite", heißt es in ihrem Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung. Zum einen würde dies die Einnahmen der Rentenversicherung erhöhen. Zum anderen würden mehr Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Die aktuellen Regeln sehen vor, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter ab 2031 bei 67 Jahren liegen wird. Eine Anhebung auf 69 Jahre könnte das Potenzialwachstum der deutschen Wirtschaft stützen, so die Institute.

"Wir haben eben eine schrumpfende und alternde Bevölkerung in Deutschland", sagte der Vizepräsident des Instituts für Wirtschafsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, bei der Vorstellung der Gemeinschaftsdiagnose. Es dürften künftig etwa 400.000 mehr Menschen den Arbeitsmarkt verlassen, als junge Erwerbstätige hinzukommen - pro Jahr. "Das wird die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft für sich genommen beeinträchtigen", warnte der Ökonom.

Um einen strukturell ausgeglichenen - also um Sonderfaktoren und Konjunkturschwankungen bereinigten - Haushalt hinzubekommen, ohne bei wichtigen Zukunftsinvestitionen sparen zu müssen, sehen die Institute eine wichtige Stellschraube bei der Rentenversicherung. Geschehe hier nichts, wachse der Zuschuss zur Rentenversicherung aus dem Bundeshaushalt zulasten anderer Staatsausgaben. "Die eleganteste Lösung wäre eigentlich eine langsame, schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters, weil das von zwei Seiten positiv wirken würde", sagte Holtemöller.

"Es würde das Arbeitskräftepotenzial stärken, wenn die Menschen ein Stück weit länger dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Und es würde auf der Ausgabenseite der Rentenversicherung wirken." Die Politik wolle derzeit weder die Rentenbeiträge anheben, noch das Rentenniveau senken oder das Renteneintrittsalter anheben. "Das alles gleichzeitig wird nicht gehen", sagte Holtemöller. Auch die Bundesbank hat sich für eine Heraufsetzung des Renteneintrittsalters ausgesprochen. Die bisher stetig wachsende Lebenserwartung bedeute immer längere Rentenzeiten bei konstanten Beitragszeiten, was eine Erhöhung über 67 Jahre hinaus nahelege.

Quelle: ntv.de, jhe/rts

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