Wirtschaft

Krise verschärft Ungleichheit "Wirtschaftsweise" warnt vor Spaltung

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Einkommensschwächere müssen Grimm zufolge stärke Einbußen hinnehmen.

(Foto: imago images/Chris Emil Janßen)

Die Corona-Pandemie trifft die Bevölkerung unterschiedlich hart. Geringverdiener gehören nach Angaben der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm zu den größten Verlierern. Wohlhabende konnten dagegen insgesamt sehr viel Geld ansparen.

Die "Wirtschaftsweise" Veronika Grimm hat vor der Gefahr von sozialen Spaltungen gewarnt. "Die unteren Einkommensgruppen gehören zu den größten Verlierern in der Corona-Krise, in vielfacher Hinsicht", sagte Grimm. "Befragungsdaten zeigen, dass sie im Durchschnitt eher Einbußen hinnehmen mussten als die mittleren und oberen Einkommensgruppen. Zum anderen sind viele Minijobs weggefallen, was für diese Einbußen einer der Gründe sein könnte", sagte Grimm. "Außerdem arbeiten viele Personen in den unteren Einkommensklassen in Berufen, die jetzt besonderen Belastungen ausgesetzt sind, wie zum Beispiel im Gesundheitswesen oder in den geöffneten Supermärkten."

Die Kinder im Homeschooling seien dann oft auf sich gestellt, wenn die Eltern arbeiten müssten und nicht zu Hause seien. "Wir müssen viel mehr tun, damit nicht zu große Lernrückstände entstehen und bereits entstandene Lernrückstände abgebaut werden. Es muss sichergestellt werden, dass Schülerinnen und Schüler genügend betreut werden", so Grimm. "Es müssen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, wenn es zum Beispiel Probleme mit der IT gibt oder anderweitig Unterstützung gebraucht wird. Schülerinnen und Schüler von heute sind Fachkräfte von morgen."

Grimm ist Mitglied des Sachverständigenrats und Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg. Angesichts der anhaltenden Corona-Krise hatten die "Wirtschaftsweisen" vor Kurzem ihre Konjunkturprognose für 2021 gesenkt.

Viel Geld zurückgelegt

Eine Folge der Pandemie ist es, dass die Sparquote enorm gestiegen ist. "Viele haben ihre Urlaubsreisen abgesagt, konnten nicht ins Theater oder Kino gehen", sagte Grimm. "Vieles von dem, was jetzt nicht stattgefunden hat, kann aber nicht unmittelbar nachgeholt werden. Die Menschen haben jetzt viel Geld in der Tasche. Aber sie gehen nicht doppelt so oft ins Restaurant, wenn das wieder möglich ist, oder fahren doppelt oder dreimal so oft in den Urlaub."

Das sei ein Grund, warum diese Ersparnis nicht so schnell abgebaut werden dürfte. "Die Ersparnis findet auch im Wesentlichen bei den höheren Einkommensgruppen statt und dürfte zum Teil ins langfristige Sparen übergehen, wenn sich der Konsum weitestgehend an den monatlichen Einkommen orientiert."

Quelle: ntv.de, jga/dpa

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