Wirtschaft

Studie glaubt nicht an Zielmarke Wissing nimmt Kommunen bei Ladenetz-Ausbau in die Pflicht

Um die Deutschen zu animieren, mehr E-Autos zu kaufen, braucht es deutlich mehr Ladesäulen. Bundesverkehrsminister Wissing fordert von den Kommunen mehr Informationen über den Ausbau und stärkere Investitionen. Eine Studie der Unternehmensberatung PwC glaubt nicht an einen Erfolg.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing sieht beim Ausbau des Ladenetzes für Elektroautos die Kommunen in einer Schlüsselrolle. Der FDP-Politiker sagte bei einer Fachkonferenz in Berlin, der Aufbau von Ladesäulen sei noch kein Selbstläufer. In mehr als der Hälfte der Kommunen gebe es noch keinen einzigen öffentlich zugänglichen Ladepunkt. Das könne nicht so bleiben.

Im neuen Masterplan Ladeinfrastruktur der Bundesregierung solle deswegen ein Schwerpunkt auf die Kommunen gelegt werden. Diese sollten stärker eingebunden werden. Kommunen sollten nicht nur finanziell, sondern auch mit Informationsangeboten, Schulungen und Planungen zur regionalen Ladeinfrastruktur unterstützt werden. Die Zahl der E-Autos in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Bis zum Ziel der Bundesregierung, dass 15 Millionen von ihnen bis 2030 unterwegs sind, ist es aber noch ein weiter Weg. E-Autos spielen eine Schlüsselrolle, um Klimaziele erreichen zu können. Die CO2-Emissionen im Verkehr sind in den vergangenen Jahren kaum gesunken.

Studie prophezeit deutlich zu wenige Ladesäulen

Die avisierte Marke wird laut Unternehmensberatung PwC aber wohl klar verfehlt. In seiner aktuellen Studie schreibt die Beratung: "Deutschland wird das Ziel von 15 Millionen zugelassenen Elektroautos bis 2030 deutlich verfehlen und nur 10,5 Millionen E-Fahrzeuge auf die Straße bringen." Selbst für diese 10,5 Millionen wären mindestens 340.000 öffentliche Schnellladepunkte nötig. "Beim derzeitigen Tempo werden allerdings nur 210.000 erreicht."

Wissing sagte, viele Menschen hätten noch große Vorbehalte in Bezug auf das Laden und entschieden sich daher gegen den Umstieg auf ein Elektrofahrzeug. "Mein Ziel ist, dass sich in Deutschland niemand mehr gegen den Kauf eines Elektro-Fahrzeugs entscheidet, weil er oder sie nicht darauf vertrauen kann, dass es genügend verlässliche und komfortable Lademöglichkeiten gibt." Wer in Ladeinfrastruktur investieren möchte, solle das schneller und leichter tun können. "Je mehr Investitionen wir anreizen, desto mehr Ladepunkte entstehen und desto mehr Wettbewerb schaffen wir."

Bundesverband vermisst bidirektorales Laden

Um den Netzausbau zu beschleunigen, wären den Experten von PwC zufolge zudem weniger Bürokratie, mehr Flächen sowie mehr Anreize für den Bau und Betrieb der Ladeinfrastruktur notwendig. Zudem müsse es mehr günstige vollelektrische Modelle mit guter Reichweite geben, die fit für das Schnellladen seien, sagte Heiko Seitz, Co-Autor der Studie und Leiter Elektromobilität bei PwC Deutschland.

Der Bundesverband E-Mobilität kritisierte den Masterplan, der in Arbeit ist. So finde das bidirektionale Laden keinerlei Beachtung. Ladesäulen könnten damit einen wichtigen Beitrag für die Energiewende leisten und zur Energiesicherheit beitragen. Beim bidirektionalen Laden können E-Autos quasi als mobile Speicher ans Haus oder ins Stromnetz integriert werden.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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